Schweizer Pendler sind seit Mittwoch in heller Aufregung. An diesem Tag machte das Magazin «Beobachter» brisante Pläne publik: Das Generalabonnement (GA) soll auf einen Schlag zehn Prozent teurer werden. Das Zweite-Klasse-GA könnte zum Fahrplanwechsel 2021 4250 Franken kosten – statt wie heute 3860.
Das interne Papier, aus dem der «Beobachter» zitiert, ist rund 40 Seiten lang. Erstellt wurde es von der Organisation CH-Direct – einem Zusammenschluss von 250 Schweizer Transportunternehmen, welche die ÖV-Preise festlegen. Co-Geschäftsführerin ist noch bis Juni Ex-SBB-Personenverkehrs-Chefin Jeannine Pilloud. SonntagsBlick-Recherchen zeigen: In dem Papier finden sich noch weitere bemerkenswerte Vorschläge.
Von CH-Direct haben wohl die wenigsten je gehört. Dabei ist die Organisation zentral für den öffentlichen Verkehr in der Schweiz, zum Beispiel zuständig für den «Direkten Verkehr», dafür, dass man in der Schweiz mit nur einem Billett von A nach B fahren kann – ohne für Postauto, Regionalbähnli oder Intercity ein eigenes Ticket lösen zu müssen. Früher koordinierten das die SBB und waren auch für die Preise zuständig. 2005 übernahm dies der Verband öffentlicher Verkehr (VöV). 2016 wurde für die komplexe Aufgabe eine eigene Organisation gegründet: CH-Direct. Der Verein hat seinen Sitz in Bern. Rund 250 Verkehrsbetriebe sind Mitglied, von den SBB über Postauto bis hin zu kleinen Regionalbahnen.
Von CH-Direct haben wohl die wenigsten je gehört. Dabei ist die Organisation zentral für den öffentlichen Verkehr in der Schweiz, zum Beispiel zuständig für den «Direkten Verkehr», dafür, dass man in der Schweiz mit nur einem Billett von A nach B fahren kann – ohne für Postauto, Regionalbähnli oder Intercity ein eigenes Ticket lösen zu müssen. Früher koordinierten das die SBB und waren auch für die Preise zuständig. 2005 übernahm dies der Verband öffentlicher Verkehr (VöV). 2016 wurde für die komplexe Aufgabe eine eigene Organisation gegründet: CH-Direct. Der Verein hat seinen Sitz in Bern. Rund 250 Verkehrsbetriebe sind Mitglied, von den SBB über Postauto bis hin zu kleinen Regionalbahnen.
Preiserhöhung – nicht ohne Alternativangebot
Sollte CH-Direct das GA tatsächlich so massiv verteuern, will man dafür ein neues Produkt auf den Markt werfen: eine Art Mehrfarten-GA. CH-Direct-Sprecher Thomas Ammann bestätigt: «Die Preiserhöhung fürs GA käme nicht ohne Alternativangebot. Die Idee ist: ein neues Produkt zu lancieren, das sich zwischen dem heutigen Ausflugs-Abo und dem GA bewegt.»
Das Ausflugs-Abo kennt fast niemand. Es ist ein Halbtax plus 20 oder 30 Tageskarten pro Jahr. Ein Ausflugs-GA mit 20 Freifahrt-Tagen kostet in der zweiten Klasse 900 Franken (45 Franken pro Tag). Mit 30 Freifahrt-Tagen kostet es 1200 Franken. Sind sie aufgebraucht, verwandelt sich das Abo in ein Halbtax.
Generalabo wird nicht abgeschafft
Das angedachte Mehrfahrten-GA soll teurer sein, aber auch mehr bieten. Es richtet sich an aktive Ausflügler, die viel auf Schweizer Schienen unterwegs sind. Aber nicht täglich weite Pendlerstrecken zurücklegen. Für die soll es weiterhin das – dann teurere – GA geben. «Am GA selbst wird nicht gerüttelt. Eine Abschaffung steht nicht zur Diskussion», sagt CH-Direct-Sprecher Ammann.
Auf Anfrage von SonntagsBlick lehnt Pro Bahn das Mehrfahrten-GA ab. Der Verband vertritt die Interessen der Passagiere im ÖV. Pro-Bahn-Präsidentin Karin Blättler nennt das Mehrfarten-GA «keine Option». Allerdings geistert diese Idee schon länger herum. Und Pro Bahn war nicht immer dagegen: Als ÖV-Verbände 2011 das «GA light» ins Spiel brachten – ein Halbtax mit 50 bis 100 Tageskarten –, reagierte der damalige Pro-Bahn-Präsident Kurt Schreiber zu dem Vorschlag so: «Wir sehen dem grundsätzlich positiv entgegen.» Aber: Das «GA light» wurde nie Realität.
Die neue Idee kommt nicht gut an
Seit der «Beobachter»-Enthüllung vom Mittwoch müssen die SBB viel Kritik einstecken. «Wir erwarten, dass die SBB von diesen Plänen absehen», schreibt beispielsweise die Junge CVP auf Twitter. Nur: Der Druck auf die GA-Preise kommt nicht in erster Linie von den SBB, sondern von regionalen ÖV-Betrieben. «Die Regionalverbunde weiten ihr Angebot laufend aus. Aber das GA schränkt sie preislich ein. Dies ergibt ein Spannungsfeld», erklärt Thomas Ammann von CH-Direct. Die Pseudo-Unternehmer
Was er damit meint: Die Abonnemente – etwa das ZVV-Abo in der Region Zürich, das U-Abo im Raum Basel oder das Libero-Abo rund um Bern – sehen im GA eine unliebsame Konkurrenz. Weil das GA, das in der ganzen Schweiz gültig ist, die Preise von oben deckelt. Die regionalen ÖV-Netze müssen ihre Abos zu einem deutlich geringeren Preis anbieten, damit sie attraktiv sind.
Die SBB verschickten noch am Mittwoch eine Medienmitteilung, in der sie versicherten: Sie sind für gleich bleibende oder sogar tiefere Preise. Doch bei der Tarif-Organisation CH-Direct sind die SBB nur ein Player von 250. Innerhalb des Vereins haben alle Mitglieder jeweils nur eine Stimme, die SBB also gleich viel Gewicht wie zum Beispiel die Meiringen-Innertkirchen-Bahn.
Dennoch bleibt den GA-Besitzern eine Hoffnung: möglichst viel Widerstand innerhalb von CH-Direct, wenn über das Teuer-GA abgestimmt wird. Damit die Zehn-Prozent-Preiserhöhung durchkommt, braucht es zwei Drittel Ja-Stimmen.
Auf Pläne, das GA zu verteuern, haben die Grünen entsetzt reagiert. Die jüngsten Vorstösse der Ökopartei zielen in die entgegengesetzte Richtung: Balthasar Glättli (47, ZH) forderte den Bundesrat auf, die SBB-Preispolitik so zu beeinflussen, dass mehr statt weniger Zug gefahren wird. Und eine Interpellation von Sibel Arslan (38, BS) kritisiert, dass bei der Forcierung des digitalen Ticketverkaufs zu wenig Rücksicht auf ältere Reisende genommen werde, die auf Bahnpersonal und Automaten angewiesen sind. Besonders die Schliessung von Schaltern komme einer Diskriminierung von Senioren gleich.
Auf Pläne, das GA zu verteuern, haben die Grünen entsetzt reagiert. Die jüngsten Vorstösse der Ökopartei zielen in die entgegengesetzte Richtung: Balthasar Glättli (47, ZH) forderte den Bundesrat auf, die SBB-Preispolitik so zu beeinflussen, dass mehr statt weniger Zug gefahren wird. Und eine Interpellation von Sibel Arslan (38, BS) kritisiert, dass bei der Forcierung des digitalen Ticketverkaufs zu wenig Rücksicht auf ältere Reisende genommen werde, die auf Bahnpersonal und Automaten angewiesen sind. Besonders die Schliessung von Schaltern komme einer Diskriminierung von Senioren gleich.