Darum gehts
Den Laptop heute erhalten, aber erst in der Zukunft bezahlen? Klingt verlockend. Ratenzahlungen und sogenannte «Buy Now, Pay Later»-Angebote (engl. «Kaufe jetzt, bezahle später») werden immer beliebter.
In der Schweiz nutzt inzwischen fast jeder Vierte die Möglichkeit der Ratenzahlung. Das zeigt eine neue repräsentative Befragung, die der Onlinehändler Galaxus beim Meinungsforschungsinstitut YouGov in Auftrag gegeben hat. Besonders beliebt: Autos, Elektro-Artikel oder Möbel.
Bei der Ratenzahlung kann die Rechnung über einen längeren Zeitraum gestreckt und auf kleinere einzelne Beträge aufgeteilt werden. Aber Achtung: Bei gewissen Angeboten fallen dabei Zinsen und versteckte Kosten an.
Warum entscheiden sich so viele Käuferinnen und Käufer für diese Zahlungsmethode? Die Antworten lassen aufhorchen: Während die grösste Gruppe der Kundschaft sagt, dass sie mit Ratenzahlungen ihre Ausgaben besser in ihrem Monatsbudget einplanen können, gibt fast ein Drittel der Nutzer an, dass sie sich das Produkt «sonst nicht leisten könnten». Die Schweizer nutzen die Zahlungsmethode immerhin weniger als Konsumenten aus den Nachbarländern, wo mittlerweile beinahe die Hälfte darauf zurückgreift. Doch auch in der Schweiz wird mehrmals pro Jahr auf die Rechnung in Raten zurückgegriffen. Ein Fünftel empfindet dabei eine starke oder sehr starke psychische Belastung bei regelmässigen Ratenzahlungen.
Schuldenberater warnen
Abgewickelt werden solche Zahlungen häufig über externe Zahlungsanbieter. Bekanntestes Beispiel ist Klarna. Das schwedische Unternehmen wirbt damit, «flexible Zahlungsmethoden, die zu deinem Budget passen», anzubieten. Ein anderer Anbieter ist Heylight. Mit diesem können beim Onlinehändler Brack Rechnungen über 500 Franken über 12 bis 36 Monate gestreckt werden. Jahreszins: 9,9 Prozent. Wer ein Smartphone für 1000 Franken über drei Jahre abzahlt, kommt so auf knapp 150 Franken Zins, der auf den Kaufpreis aufgeschlagen wird.
Was für Konsumentinnen kurzfristig verlockend ist, besorgt die Schuldenberater. Pascal Pfister (49), Geschäftsführer vom Dachverband Schuldenberatung Schweiz, beobachtet, dass «Buy Now, Pay Later»-Angebote auch in der Schuldenberatung vor allem bei Jüngeren an Bedeutung gewinnen. Dies liege unter anderem daran, dass die Zugangshürden viel kleiner seien als bei klassischen Konsumkrediten und Kreditkarten. Pfister spricht auch von einer rechtlichen Grauzone.
Das Risiko einer Überschuldung sei deshalb hoch. «Es entstehen zusätzliche nicht einberechnete Kosten, wenn der Rückzahlungsplan nicht eingehalten wird und Mahngebühren verlangt werden», so der Berater.
Gemäss Pfister bauen die Anbieter in gewissen Fällen darauf, dass die Käufer nicht rechtzeitig bezahlen: «Bei Krediten ohne Zins verdienen die Anbieter nur bei nicht fristgerechter Zahlung. In diesem Sinn sind die Angebote kleine Schuldenfallen, die ausgelegt werden.» Den Konsumenten empfiehlt er, mit Debitkarte zu bezahlen, um die Kostenübersicht zu behalten, und sich bei Problemen Unterstützung bei einer Budgetberatung zu holen.
Onlinehändler setzen auf Eigenverantwortung
Auf Anfrage geben die Onlinehändler Galaxus und Brack an, dass mit der Möglichkeit der Ratenzahlung dem Kundenwunsch nach mehr Flexibilität bei der Zahlung entsprochen werde. In beiden Fällen würden diese aber nur einen sehr kleinen Teil der Zahlungen ausmachen. Beide Händler weisen zudem darauf hin, dass die Ratenzahlung nur nach vorgängiger Bonitätsprüfung gewährt werde. Galaxus betont: «Wir haben kein Interesse daran, dass unsere Kundschaft sich überschuldet, da nicht bezahlte Rechnungen auch für uns finanzielle Einbussen bedeuten.»
Aber Shopping-Sucht bleibt ein Thema. Die Händler setzen dabei auf die Eigenverantwortung der Konsumentinnen. Diese Woche hat Galaxus eine neue Funktion vorgestellt: Neu können Nutzer in ihrem Konto beim Migros-Onlinehändler auf einen Blick sehen, wie viel sie bisher ausgegeben haben. Zudem können sie eine persönliche Ausgabenlimite setzen. So soll die Kontrolle über die eigenen Ausgaben behalten werden.