Darum gehts
- Die Preise bei Airbnb werden wegen neuer Gebührenstruktur steigen
- Gastgeber zahlen höhere Kommission, Gäste sehen keine Servicegebühr mehr
- Neue Kommission für Gastgeber steigt von 3 auf 15,5 Prozent
Vor 17 Jahren startete Airbnb als kleine Onlinebörse für Schlafplätze. Die Buchungsplattform war das Symbol der sogenannten «Sharing Economy». Private Gastgeber konnten so ihr Sofa, ihr Zimmer, Eigenheime und Ferienwohnungen an private Gäste vermieten.
Der Dienst ist inzwischen eine der weltweit erfolgreichsten Buchungsplattformen. Der Community-Gedanke hat sich professionalisiert. Längst sind auch Hotels über Airbnb buchbar.
Erfolg macht hungrig: Jetzt ändert Airbnb sein Gebührenmodell für Anbieter und Nutzer. Gemäss Informationen von Blick verschwindet ab dem 27. Oktober das Ausweisen der Servicegebühr auf der Airbnb-Rechnung. Diese Gebühr betrug im Schnitt rund 14 bis 16 Prozent des Gesamtpreises. Der Gastgeber («Host») zahlte seinerseits 3 Prozent an die Buchungsplattform.
Ein Beispiel: Eine Ferienwohnung auf Airbnb kostet 1000 Franken für eine Woche. Dazu kommen 140 Franken (14 Prozent) Servicegebühr, die Airbnb bekommt. Macht zusammengerechnet 1140 Franken für den Kunden (exklusive Steuern). Airbnb zieht andererseits dem Vermieter 30 Franken (3 Prozent) Gebühr von den 1000 Franken ab. Der Vermieter erhält unter dem Strich 970 Franken.
Airbnb-Kommission steigt
«Neu fällt die Gebühr für den Gast weg, aber der Vermieter zahlt dafür eine deutlich höhere Kommission von 15,5 Prozent», bestätigt Simon Lehmann (54), früher jahrelang Interhome-Chef und heute mit seiner AJL Consulting als Berater aktiv.
Heisst für oben genanntes Beispiel: Der Gast bezahlt 1000 Franken. Das ist auf den ersten Blick billiger, doch weniger transparent, weil er künftig keine Servicegebühr mehr auf seiner Rechnung findet. Die Servicegebühr, deren Höhe potenzielle Buchende immer wieder abschreckte, entfällt für den Nutzer.
Der Gastgeber trägt nämlich jetzt die vollen Kosten. Dieser erhält nach Abzug der 15,5-Prozent-Kommission also nur noch 845 Franken. Das heisst: Entweder verdient der Gastgeber 125 Franken weniger als zuvor – oder er erhöht den Preis für die Wohnung und holt sich so die Differenz vom Gast wieder rein.
Letzteres ist aus Sicht von Experte Lehmann das wahrscheinliche Szenario: «Airbnb tut so, als würde es günstiger – dabei wird es für alle teurer.» Für den Gastgeber wie auch für den Gast.
Mit dem neuen Gebührenmodell nähert sich Airbnb stark an klassische Onlinebuchungsplattformen wie Booking.com oder Expedia: fixer Preis für den Gast, Plattformgebühr im Hintergrund. Lehmann geht davon aus, dass auch Booking oder Expedia nun ermutigt werden, ihre ähnlich hohen Kommissionen anzuheben. «Wenn Airbnb 15,5 Prozent Kommission ohne Widerstand durchsetzen kann, wird es einen Druck in Richtung 18 bis 20 Prozent auf breiter Front geben.»