Darum gehts
- Das Internat St. Georges in Montreux VD kostet jährlich 126'500 Dollar
- Die Schule kauft Villa L'Empereur und investiert 40 Millionen Franken für Campus-Erweiterung
- Derzeit insgesamt 400 Schüler aus 60 Ländern
Das Schweizer Bildungssystem gehört zu den besten der Welt. Klar, auch Hochschulen wie die ETH Zürich oder die EPFL Lausanne geniessen Elite-Status. Doch bei anderen Bildungseinrichtungen spielt die Schweiz in der absoluten Top-Liga: den «Boarding Schools». Also internationalen Privatschulen, in denen Schülerinnen und Schüler übernachten können und betreut werden. CEOs, Firmengründer, Tech-Mogule und sogar Königshäuser setzen oft auf unser Land, wenn es um die Bildung ihres Nachwuchses geht.
Dazu gehört beispielsweise das Internat Le Rosey in Rolle VD. Die Privatschule ist mit durchschnittlichen Studiengebühren von 167'000 Dollar pro Jahr die teuerste der Welt. Eine weitere Top-Adresse für die Sprösslinge der Superreichen befindet sich im gleichen Kanton, eingebettet zwischen dem Genfersee und der idyllischen Bergkulisse der Waadtländer Alpen: die St. Georges International School in Montreux VD. Dort müssen Eltern immerhin «nur» rund 126'500 Dollar im Jahr für die Ausbildung ihrer Kinder berappen.
Internat wird von Anfragen überrannt und muss handeln
Nun erweitert das Luxusinternat seinen Campus – und wird damit noch luxuriöser. Dafür hat die Schule die historische Villa L'Empereur (auf Deutsch: der Kaiser) mit Baujahr 1913 gekauft, die direkt am Genfersee liegt und an das Schulgelände angrenzt. Aus dem imposanten Belle-Époque-Bau soll eine Unterkunft für die Schützlinge entstehen. Denn offenbar hat das Internat Mühe, alle Kinder und Jugendliche unterzubringen: «Das Projekt ist eine Antwort auf die anhaltend hohe Nachfrage und das wachsende internationale Interesse an der Schule», heisst es in der Mitteilung zur Ankündigung. «So können künftig mehr Schülerinnen und Schüler von einer Ausbildung profitieren».
Derzeit besuchen rund 400 Kinder und Jugendliche aus über 60 Ländern die Schule, 110 von ihnen leben auf dem Campus. Mit der L'Empereur-Villa soll die Wohnkapazität um über 50 Plätze erweitert werden. Zum Kaufpreis macht die Einrichtung auf Anfrage von Blick keine Angaben – es habe sich aber um «eine grosse Transaktion» gehandelt, so eine Sprecherin. Auch der bisherige Eigentümer – die Villa war im Besitz einer Privatperson – wolle anonym bleiben.
Privates Heimkino, Panoramaterrasse und Fitnesscenter
Da der Bau denkmalgeschützt ist, wird er nicht abgerissen, sondern «sorgfältig restauriert». Ziel sei es, «den architektonischen Charakter des Hauses zu bewahren und ihm zugleich eine neue Funktion als hochwertiges Internatsgebäude zu geben».
Den Schülerinnen und Schülern soll es an nichts fehlen: Geplant sind 7 Einzelzimmer und 22 Doppelzimmer, ein Kinoraum, mehrere Aufenthaltsbereiche, eine Panoramaterrasse mit Blick auf den Genfersee sowie ein modernes Fitnesscenter. Kostenpunkt: rund 40 Millionen Franken, schätzt die Bildungseinrichtung.
Geister-Villa hatte einst berühmten Bewohner
Momentan erinnert wenig an den Luxus, den die Villa einst bot: Die Anlage ist seit mehreren Jahren unbewohnt, der Verputz bröckelt von der Fassade, die Gartenanlagen sind von Unkraut überwuchert. Zu ihrer Blütezeit beherbergte die «Kaiservilla» den berühmten deutschen Dirigenten Wilhelm Furtwängler (1886–1954). Dieser liess sich von 1944 bis 1947 in Montreux nieder. Seine Frau lebte bis zu ihrem Tod im Jahr 2013 in der Villa. Erbaut wurde sie vom Genfer Architekten Henry Baudin (1876–1929) im Auftrag des Unternehmers Arthur Robert-Couvreu (1855–1933), der ebenfalls in Genf lebte.