Interview von Ende April: «Ich glaube, wir können die Fabrik noch retten»(01:13)

Hälfte der 180 Mitarbeiter muss gehen
Vetropack schliesst Werk in Saint-Prex

Der Glasverpackungshersteller Vetropack schliesst seine Glasproduktion in Saint-Prex. Rund die Hlfte der 180 Mitarbeitenden verliert ihre Stelle. Die betroffenen Mitarbeitenden kämpften bis zum Schluss um die letzte Glasflaschenfabrik der Schweiz.
Publiziert: 14.05.2024 um 07:36 Uhr
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Aktualisiert: 16.05.2024 um 11:32 Uhr
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Vetropack verwendet Altglas in der Produktion.
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Olivia RuffinerRedaktorin

Die letzte Schweizer Glasflaschenfabrik schliesst ihre Tore. Im April eröffnete Vetropack das Konsultationsverfahren für das Werk in Saint-Prex VD. Jetzt teilt das Unternehmen mit, das Werk per Ende August zu schliessen. Für die betroffenen Mitarbeitenden kommt ein Sozialplan zum Tragen.

«Wir haben uns in jüngster Zeit mit vielen betroffenen Personen und auch mit Vertretern der Politik getroffen», sagte Konzernchef Johann Reiter an einer Medienkonferenz in Saint-Prex: «Wir wollten so viel Klarheit wie möglich, ob die Fabrik weitergeführt werden kann.» Dies sei aber nicht der Fall, ein rentabler Weiterbetrieb sei nicht möglich.

Der Stellenabbau solle in den nächsten Tagen beginnen, so Reiter. Er konkretisierte gleichzeitig die Zahl der betroffenen Personen auf 182. Davon verlieren etwa die Hälfte ihre Stelle bis Ende August. Etwa ein Dutzend Mitarbeiter wird im Bereich Glasrecycling weiterbeschäftigt. Nach Möglichkeit werde den Arbeitnehmenden eine andere Stelle innerhalb von Vetropack angeboten.

Das Dorf wollte die Fabrik retten

Diese Mitarbeitenden kämpften bis zum Schluss um das Fortbestehen der Fabrik. «Es geht um unsere DNA», sagte Stéphane Porzi (58), der Gemeindepräsident von Saint-Prex. Sein Vater verbrachte sein ganzes Leben in dieser Fabrik. So wie sein Grossvater. Porzi zeigte sich im April kämpferisch, er lege alles daran, die Fabrik zu retten.

Viele Mitarbeitende nahmen proaktiv am Verfahren teil. So auch Gian-Piero Calzola (45), ein Verantwortlicher für die Produktionslinien der Glashütte. In einer Arbeitsgruppe sammelten Mitarbeitende gemeinsam mit der Gewerkschaft Unia Lösungen für den Erhalt der Fabrik, um Kosten zu senken. Sie haben die Vorschläge eingereicht, doch entschieden hat die Direktion.

Die Schliessung begründet der Verwaltungsrat mit den unverändert hohen Betriebskosten der Produktion. Im Werk in Saint-Prex VD werden vor allem braune Weinflaschen aus Altglas hergestellt. Der Glasverpackungshersteller betreibt neben der Glashütte in der Schweiz auch acht weitere Werke in Österreich, Tschechien, Kroatien, der Slowakei, der Ukraine, Italien und Rumänien.

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