16-jähriger führt Fisch-Tierheim mit Piranhas
«Sollten sie zubeissen, ist der Finger weg»

Im Keller eines normalen Wohnhauses schwimmen, wuseln und schnappen Piranhas, Clownfische und Pacus. Der Solothurner Eric Probst hat mit nur 16 Jahren und seinen Ersparnissen eine Auffangstation für 2000 Fische aufgebaut.
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Eric Probst steht im grossen Becken mit Pacus (Piranha Verwandte) und erzählt gelassen: «Sollten sie zubeissen, ist der Finger schnell weg.»
Foto: Remo Naegeli

Darum gehts

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Text Jovana Nikic Fotos Remo Nägeli
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Von aussen unterscheidet das Haus im Solothurner Wohnquartier nichts von seinen Nachbarn. Doch sobald man die Kellertreppe hinabsteigt, verändert sich die Welt schlagartig. Ein warmes, feuchtes Klima schlägt einem entgegen, begleitet vom stetigen Gluckern Dutzender Filteranlagen: das Reich von Eric Probst. Der junge Mann ist 16 Jahre alt, besucht die Kantonsschule in Solothurn und wirkt im Gespräch abgeklärt, fokussiert und tiefenentspannt, beinahe wie ein Fischer, der seit 40 Jahren nichts anderes tut.

Während andere Teenager in diesem Alter die Nächte vor der Spielkonsole verbringen, trägt Eric die Verantwortung für ein ganzes Ökosystem: Er besitzt 2000 Fische, verteilt auf 70 Becken in vier Kellerräumen. Täglich investiert er viereinhalb Stunden Arbeit in die Pflege seiner Schützlinge. Dazu trainiert er dreimal wöchentlich Basketball: «Ein Tag hat 24 Stunden – und dann gibt es ja auch noch die Nacht», erklärt er mit einem Schmunzeln.

Artikel aus «Schweizer Illustrierte»

Dieser Artikel wurde vom Family-Channel der «Schweizer Illustrierte» übernommen. Weitere spannende Artikel finden Sie unter www.schweizer-illustrierte.ch/family

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Kein gewöhnlicher Teenager

«Eric war nie ein problematischer Teenager», erzählt seine Mutter oben im Erdgeschoss. Anita (50), und Thomas Probst (51), blicken voller Stolz auf das beeindruckende Werk ihres Sohnes. Der Alltag der Familie ist inzwischen stark vom Hobby des Sohnes geprägt. «Ferien liegen bei so einem Betrieb nicht drin. Das stört uns aber nicht, weil wir alle gern zu Hause unsere Freizeit verbringen», betont die Mutter gelassen.

70 Aquarien, verteilt auf vier Räume: «Ich beherberge etwa 100 Arten von Süss- und Salzwasserfischen.»
Foto: Remo Naegeli

Die Leidenschaft hat längst auf die ganze Familie abgefärbt: «Wegen Eric haben wir selbst die Liebe zu Fischen entdeckt», gibt der Vater zu. Wenn Eric Unterstützung braucht – etwa bei aufwendigen Lieferfahrten quer durch die ganze Schweiz –, stehen die Eltern felsenfest hinter ihm. Vater Thomas ergänzt begeistert: «Wir finden es unglaublich cool, dass er seine Zeit sinnvoll nutzt. Und wir haben immer gesagt: Solange die Noten stimmen, stehen wir dem nicht im Weg.»

Alles begann vor acht Jahren. Im Ferienhaus in Südfrankreich faszinierte den damals achtjährigen Eric ein kleines Biotop. Kurz darauf erhält er sein erstes Aquarium. Aus dem ersten Zierbecken wurden rasch zwei, aus zwei wurden vier – vor vier Jahren baute er schliesslich die Kellerräume um. «Mich fasziniert vor allem die Vielfältigkeit der Fischwelt und dass ich dabei in eine für mich völlig beruhigende Welt eintauchen kann», so Eric. Heute betreibt Eric unter dem Namen Fish Kingdom eine von nur zwei offiziell bewilligten Fisch-Auffangstationen in der gesamten Schweiz – die andere ist das Aqualuz in Oftringen AG, wo der Schüler, seit er zwölf Jahre alt ist, jeden Samstag arbeitet.

Vier Stunden täglich verbringt Probst mit der Pflege seiner Schützlinge.
Foto: Remo Naegeli

Ob bei Scheidungen, Umzügen oder Todesfällen: Wenn Aquaristen nicht mehr weiterwissen, ist Eric ihre Rettung. Er holt wenn nötig die Aquarien sogar direkt bei den Leuten zu Hause ab. «Viele kaufen sich Tiere, ohne sich im Vorfeld richtig zu informieren, angefangen bei der Kompatibilität: Welche Fische kann man gemeinsam halten, ohne dass sie sich gegenseitig fressen. Dann kommen auch noch Fehlinformationen dazu, beispielsweise, dass Fische ihre Grösse an das Becken anpassen. Völliger Schwachsinn!»

Rechnet sich ein Fisch-Tierheim?

Monatlich kommen rund 200 neue Notfall-Fische in Erics Quarantäne-Becken. «Einmal meldete sich auch jemand mit 500 Goldfischen aus einem aufgelösten Gartenteich.» Zudem landen bei ihm immer wieder Tiere aus behördlichen Beschlagnahmungen, die wegen falscher oder tierschutzwidriger Haltung von den Ämtern eingezogen wurden. Die laufenden Betriebskosten für all diese Tiere sind gewaltig: «Allein für Strom, Wasser und Pflege fallen monatlich bis zu 3000 Franken an.»

Gewinn macht Eric dabei bewusst keinen: «Fische sind Lebewesen. Mit ihnen Gewinn zu machen, entspricht nicht dem Sinn eines Tierheims.» Die Kosten deckt er durch Schutzgebühren sowie durch den Verkauf von abgegebenen Aquarien und Zubehör. Um alle Kosten decken zu können, ist Eric Probst dennoch auf Spenden von Fischbegeisterten angewiesen. Für ihn ist selbstverständlich, dass er interessierten Fischhaltern stets für Beratungen, Besichtigungen zur Seite steht und online über neuste Schützlinge informiert. Einen Lohn zahlt er sich nicht.

Ab ins 17000-Liter-Becken

Um die Auffangstation legal führen zu dürfen, absolvierte der Schüler in den letzten drei Jahren Sachkunde-Kurse und Praktika an den Wochenenden. «Ich war definitiv mit Abstand der Jüngste – aber auch derjenige, der am meisten wusste», erzählt er lachend. Eric baut die Filteranlagen für seine Spezialbecken völlig selbstständig – dafür hat er unzählige Stunden lang Videos auf Youtube geschaut. Zu seinen Schützlingen gehören auch Pacus – Piranha-Verwandte, die bis zu 70 Zentimeter lang werden. «Wenn dich so einer erwischt, ist der Finger weg», erklärt Eric gelassen.

Ferien sind mit Tierheim im Keller nicht möglich. Der Solothurner Garten lädt aber zum Verweilen oder zum Körbeschiessen ein.
Foto: Remo Naegeli

Und wie reinigt er das 17000-Liter-Becken? «Badehose an, mit der Leiter rein und den Sand verteilen. Bisher ist noch nichts passiert. Ich habe eigentlich mehr Angst davor, dass eine meiner drei Katzen ins Becken fällt oder am Stromkabel knabbert, als dass mich die Fische beissen!» Nach der Matura möchte Eric sein Hobby endgültig zum Beruf machen und ein eigenes Fachgeschäft mit integrierter Auffangstation eröffnen. Vater Thomas meint schmunzelnd: «Nach der Kanti machst du zuerst mal den Führerschein.»

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