Darum gehts
- Ab November benötigen Raiffeisen-Kunden zusätzlich die App debix+, um Twint erstmals installieren zu können
- Zusätzlich müssen auffällige Twint-Zahlungen ab kommendem Jahr über die zweite App bestätigt werden
- Diese Zweifaktorathentifizierung soll die Nutzer vor fiesen Betrugsmaschen schützen
Online-Betrüger entwickeln immer neue, perfidere Maschen, um sich Geld zu ergaunern. Ein beliebtes Ziel der Kriminellen: die Bezahl-App Twint. Jetzt reagiert Raiffeisen und verschärft die Sicherheitsvorgaben. Die Bankengruppe führt eine Zweit-App für den mobilen Bezahldienst ein – als erste Bank der Schweiz. Betroffen sind 1,3 Millionen Kundinnen und Kunden, sie werden derzeit von Raiffeisen über die Änderungen informiert.
Die Zusatz-Anwendung heisst debiX+, stammt von der Börsenbetreiberin SIX und ist in den gängigen App-Stores erhältlich. Ab November ist die App Pflicht für alle Raiffeisen-Kunden, die Twint neu einrichten möchten oder das Smartphone wechseln. Ab dem Frühjahr 2027 brauchen dann alle die App, um über sie bestimmte Twint-Transaktionen zu bestätigen.
«Schützt Konto besser vor Missbrauch»
Für die Nutzer bedeutet das ein Mehraufwand. Auf ihrer Website streicht Raiffeisen aber die Gründe für die Einführung der Zweit-App heraus: «Die debix+-App ergänzt Twint um eine zusätzliche Sicherheitsstufe und schützt Ihr Konto besser vor Missbrauch», heisst es dazu. Die Bank hat dort auch eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Installation aufgeschaltet.
Bei welchen Transaktionen eine zusätzliche Bestätigung nötig sein wird, hält Raiffeisen für sich – aus Sicherheitsgründen. Es dürfte dabei um Fälle gehen, bei denen eine hohe Geldsumme überwiesen wird oder es sich um einen bisher unbekannten Empfänger handelt.
Was tun andere Banken?
Indem Raiffeisen Twint an eine zweite Anwendung knüpft, ist es für Kriminelle schwerer, unbemerkt Geld via Bezahlapp zu transferieren – selbst wenn sie Zugriff aufs Twint-Konto erlangt haben. Diese sogenannte Zweifaktorauthentifizierung schafft also zusätzliche Sicherheit.
Auf eine solche Zweifaktorauthentifizierung setzt die Postfinance bereits seit fünf Jahren, wie eine Sprecherin gegenüber Blick erklärt. Twint ist dafür an die bestehende Postfinance-App geknüpft. Entsprechend brauche man keine zusätzliche App wie debiX+, so die Sprecherin.
Die UBS bietet mit der UBS Access App eine zusätzliche Sicherheitsebene für Registrierungen, den Gerätewechsel und ausgewählte Twint-Transaktionen. «UBS war ausserdem die erste Bank, die für Twint eine Zwei-Faktor-Authentifizierung eingeführt hat», heisst es bei der Bank. «Vor diesem Hintergrund sehen wir derzeit keinen Bedarf für eine solche separate externe Sicherheits-App», sagt eine Sprecherin zu Blick.
Bei der Zürcher Kantonalbank heisst es: «Für ZKB Twint bieten wir unseren Kundinnen und Kunden bereits seit mehreren Jahren, eine zweite, sicherheitsfokussierte App», sagt ein Sprecher zu Blick. Er betont: «Halten Kundinnen und Kunden die von uns empfohlenen Vorsichtsmassnahmen ein, bietet ZKB Twint ein hohes Sicherheitsniveau.»
Eine Anfrage von Blick bei der Migros Bank und der Luzerner Kantonalbank ist noch offen.