Die Szene, die Jonas Hasler (19) bei den Olympischen Winterspielen Milano Cortina weltbekannt machte, spielte nicht auf der Halfpipe, sondern im Restaurant des olympischen Dorfs. Hier stiess der Freestyle-Snowboarder auf ein Tiramisu. Kurzerhand zückte er sein Handy, filmte das italienische Kultdessert und bekannte begeistert seine Liebe dazu.
Derart begeistert, dass er so das Herz Italiens eroberte und bald auch weltweit das Internet. In weiteren Clips wartete Hasler darauf, dass das Dessert wieder am Buffet steht, und freute sich auf die nächste Portion. Die Videos verbreiteten sich rasant, und innerhalb weniger Tage hatte der junge Schweizer einen neuen Spitznamen: «Tiramisu-Man».
Ganz neu ist dieses Phänomen nicht. Schon bei den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris ging der norwegische Schwimmer Henrik Christiansen (29) als «Muffin-Man» viral, weil er auf Tiktok von den kleinen Kuchen schwärmte. Hasler nimmt den Hype mit Humor. «Ich hätte nie gedacht, dass ein Tiramisu so viel auslöst», meint er am Familientisch in Laax GR. Auf Tiktok folgen ihm inzwischen fast 100'000 Fans. Rechnet man die Videoaufrufe seiner Olympia-Clips zusammen, kommt er auf über 35 Millionen.
Die Aufmerksamkeit macht Jonas Hasler auch für Sponsoren interessant – und erleichtert ihm seinen Weg im Spitzensport. Seine Eltern formulierten früh eine Bedingung: Jonas durfte seine Sport-KV-Lehre abbrechen, muss sich mit dem Sport aber selbst finanzieren können.
Warum seine Videos so gut ankommen, glaubt Hasler zu wissen: «Sie zeigen, dass hinter den Athleten normale Menschen stecken», sagt er. «Wir trainieren hart, aber wir essen auch mal Dessert und machen Blödsinn.» Dabei ist der Thurgauer eigentlich nach Olympia gereist, um Snowboard zu fahren – und zwar viel. Als einziger Athlet qualifizierte er sich regulär in allen drei Freestyle-Disziplinen: Slopestyle, Big Air und Halfpipe. Seine Resultate: Rang 19 im Slopestyle, Rang 24 im Big Air und Rang 16 in der Halfpipe.
Der Sport lag bereits den Eltern im Blut: Vater Patrik Hasler (60) und Mutter Sabine Wehr-Hasler (58) standen einst beide bei Olympischen Spielen im Snowboard am Start – er für die Schweiz, sie für Deutschland.
Schon als Kind brauchte Hasler Bewegung
Schon als Kind fiel allen auf: Still sitzen kann Jonas Hasler kaum. «Er war immer in Bewegung, liebt das Adrenalin», erinnert sich seine Mutter. Ursprünglich wollte er Skifahrer werden. Doch seine Freunde stimmten ihn um: «Sie meinten, als Snowboarder punkte ich bei den Mädchen besser.» Obs stimmt? «Eine Freundin hatte ich schon hin und wieder», sagt er schmunzelnd. «Aber momentan ist Snowboarden meine oberste Priorität.»
Ein weiteres Ziel: von zu Hause ausziehen. Noch pendelt Jonas Hasler zwischen Hotels auf der ganzen Welt, der Wohnung seiner Eltern in Laax und dem Elternhaus im Thurgau. Oft schaut er auch bei seiner Schwester Leonie in Laax vorbei – Lele, wie er sie nennt.
Wie ihr Bruder tickt, weiss die 22-Jährige bestens: «Jonas hat viele Emotionen und zeigt sie auch gern. Wenn er nicht das erreicht, was er will, kann er schon ziemlich genervt sein.» Und genau dieser Antrieb trägt ihn weit: Jonas Hasler kommt bereits auf 20 Weltcupstarts, seit 2019 gehört er zum Schweizer Nationalkader. Olympia war für ihn nicht der Höhepunkt, sondern erst der Anfang. Sein grösster Traum ist nach wie vor: Olympia- gold. Bis dahin trainiert er weiter – mit viel Disziplin, viel Energie und sicher gelegentlich auch mit einem Tiramisu auf dem Teller.
