Während in der Schweiz über mögliche Olympische Winterspiele noch politisch gerungen wird, denkt Silvan Hofer (48) im Para-Snowboard bereits an die Generation, die dann als einmaliges Karriere-Highlight Heim-Winterspiele erleben könnte. Der Trainer fördert heute schon Kinder, die 2038 bei den Paralympics im besten Alter wären.
In Hintertux (Ö) stehen momentan nicht nur die Schweizer Para-Snowboarder Fabrice von Grünigen und Aron Fahrni auf dem Schnee. Mit dabei sind auch Laurin (11) aus Weesen SG und Ilai (10) aus Naters VS. Die beiden Buben sind noch weit von einer Weltcup-Karriere entfernt. Für Hofer beginnt ihre Förderung aber schon jetzt.
Denn im Para-Snowboard gibt es eine Besonderheit: Rennen gibt es normalerweise erst ab 16 Jahren. So lange will Hofer bei den beiden nicht warten. «Wir haben uns gefragt, warum wir sie nicht schon jetzt integrieren und Schritt für Schritt aufbauen sollen», sagt der Trainer im Gespräch mit Blick.
Vom Fussball auf den Schnee
Laurin kennt Hofer bereits seit rund fünf Jahren. Krankheitsbedingt mussten ihm beide Beine amputiert werden, zudem verlor er Finger an den Händen. Snowboard fährt der Elfjährige trotzdem schon seit Langem. Bislang war er dabei jedoch weitgehend auf sich allein gestellt – insbesondere fehlten ihm Gleichaltrige mit einer ähnlichen körperlichen Beeinträchtigung. «Laurin ist bisher immer allein gewesen. Er fährt Snowboard, hatte aber niemanden in seinem Alter, mit dem er sich messen und austauschen konnte», sagt Hofer.
Das änderte sich, als Ilai dazukam. Der Zehnjährige aus Naters hatte von Geburt an eine Fehlbildung am rechten Bein. Im vergangenen November wurde es amputiert, heute fährt auch er mit einer Prothese Snowboard. Im Alltag ist Sport für Ilai aber längst nicht nur eine Frage des Para-Sports: Er spielt beim FC Naters Fussball und ist dort ins Team integriert.
Zu Hofer kam Ilai über seine Eltern. Sie erfuhren über mehrere Umwege vom Schweizer Para-Snowboard-Team. Nach Gesprächen und ersten Tests war für Hofer klar, dass Ilai in die Gruppe passt.
Die «Generation 38»
Nun werden die beiden schrittweise in bestehende Nachwuchsstrukturen integriert. Ilai gehört zu «BABE», Laurin zu «BASE». Dabei handelt es sich um zwei Nachwuchsangebote, über die junge Para-Snowboarder in den Trainings- und Leistungssport integriert werden. In Hintertux erleben Laurin und Ilai erstmals gemeinsam mit dem Team eine ganze Trainingswoche.
«Wir wollen, dass sie den gesamten Ablauf kennenlernen, bei uns dabei sind und das Teamleben miterleben», erklärt Hofer. Er nennt die beiden deshalb «Generation 38», mit Blick auf die Paralympics 2038. Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Für Hofer ist das aber kein Grund, mit der Förderung zu warten. Die Kinder sollen früh Erfahrungen sammeln und Schritt für Schritt an den Leistungssport herangeführt werden.
Dafür baut Hofer gemeinsam mit Assistenztrainer Ruben Holliger (39) und PlusSport ein zusätzliches Nachwuchsangebot auf. An sechs Wochenenden in der Lenk BE sollen Para-Sportler erste Erfahrungen auf dem Snowboard sammeln oder ihre Fähigkeiten verbessern.
Für Laurin und Ilai geht es zunächst darum, den Schnee, das Training und das Umfeld kennenzulernen. Im Januar stehen weitere gemeinsame Trainings in der Lenk an. «Wir wollen sie Schritt für Schritt aufbauen und immer wieder in unsere Trainings integrieren», sagt Hofer.