Zweites Kind schon unterwegs
Zu Besuch bei Curling-Familie Schwaller nach Olympia-Baby-Hype

Er trug ein Trikot, hielt einen Curlingbesen – und eroberte Millionen Herzen: River Schwaller wird an Olympia 2026 zum viralen Hit. Sehr zur Überraschung seiner Curler-Eltern, die selbst mit grossen Neuigkeiten erstaunen.
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Zu Besuch beim Curling-Baby der Familie Schwaller-Hürlimann
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Yara Vettiger
Schweizer Illustrierte

«River! River», ruft Yannick Schwaller (31) seinen Sprössling. Der Blondschopf spielt aber lieber mit dem Curlingbesen seines Vaters. Schliesslich sagt Schwaller ruhig: «Curling-Baby?» Da dreht sich der kleine Bub mit leuchtenden Augen um und rennt in die Arme seines Vaters, des Olympia-Bronzemedaillengewinners von Milano Cortina 2026. Allerdings ist der heimliche Star der Familie nicht der Podestheld, sondern der Eineinhalbjährige selbst.

Eines von vielen Bildern, das um die Welt ging: River Schwaller wurde als «Curling-Baby» berühmt und millionenfach gelikt.
Foto: AP

River hat seinen Eltern während der Olympischen Spiele regelrecht die Show gestohlen. Ein Foto genügte: der kleine Bub im roten Schweizer Trikot mit der Aufschrift «Schwaller», ein Curlingbesen in der Hand. Das Bild ging um die Welt. Millionen Klicks, unzählige Likes, internationale Medien sprangen auf – selbst US-Rapper Snoop Dogg teilte den herzigen Moment. Aus dem Sohn eines Curler-Paars wurde über Nacht das «Curling-Baby».

Und der Rummel um ihn war gross. Mama Briar Schwaller-Hürlimann (32) erzählt: «Wir wurden ständig auf das Curling-Baby angesprochen. Im House of Switzerland in Cortina wollten viele Leute Selfies mit ihm machen!» Eigentlich war sich das Paar zuvor einig: Sein Kind möchte es nicht im Internet haben. «Unsere Eltern haben uns nach den ersten Artikeln mega damit aufgezogen, aber es war dann schon okay», sagen die beiden lachend. Schliesslich verändern sich Kinder in diesem Alter noch stark. «Und die Reaktionen waren durchwegs positiv. Es hat uns gefreut, dass unser Baby den Leuten wohl ein Lächeln ins Gesicht zaubern konnte», ergänzt Yannick.

«Er liebt es zu kochen, nur essen tut er nicht so gerne», erzählen die Eltern lachend. Für River haben sie extra einen Lernturm geholt.
Foto: Fabienne Bühler

Zusammen auf dem Eis

Gemeinsam im Mixed Double anzutreten, war vor allem für Briar ein lang gehegter Traum. «Ein unglaubliches Erlebnis», finden beide. Eines, das bleibt – auch wenn Rang 7 nicht das erhoffte Resultat war. «Ich bin das immer noch am Verarbeiten», gibt Briar zu. «Aber es half mir, dass ich danach sofort wieder in meine Mami-Rolle schlüpfen konnte.»

Während Yannick ins Männerturnier wechselte, blieb sie mit River und ihrer Schwiegermutter in einem Airbnb. Und doch war der Kleine auch während der Mixed Doubles stets nah, obwohl die Eltern zu dieser Zeit im Athletendorf wohnten. Immer wieder traf sich die Familie auf einen Kaffee, zum Essen oder auf der Tribüne. «Ihn dort oben zu sehen, hat uns extrem viel Kraft und Motivation gegeben. Schliesslich freut er sich immer, uns zu sehen – ihm ist es egal, ob wir gerade gewonnen oder verloren haben.»

Beste Freunde: River und Golden Retriever Charlie verbringen jede freie Minute zusammen.
Foto: Fabienne Bühler

Zärtlich streicht sie River über die Haare. Dieser rennt aber sogleich zu Familienhund Charlie (3) zum Spielen. «Ja, die beiden sind ein Herz und eine Seele», schmunzeln die Eltern, «wir haben Hund und Kind an die Olympischen Spiele mitgenommen.» Das Projekt Olympia wäre ohne Unterstützung der Familie wohl kaum möglich gewesen. Beide Grosseltern reisten mit. In der einen Woche hüteten die einen Grosseltern den Golden Retriever, die anderen River – dann wurde gewechselt. Für Yannick Schwaller ging es nach dem Mixed Double ohne Pause weiter. Dass er sich direkt wieder auf das nächste Turnier konzentrieren konnte, habe ihm geholfen. Und es sollte sich auszahlen: Mit seinem Team holte er Olympia-Bronze.

In Cortina gewinnt Yannick Schwaller mit seinem Team Olympia-Bronze und wiederholt nach 24 Jahren den Triumph seines Vaters und seines Onkels.
Foto: Fabienne Bühler

Neues Glück

Ein Erfolg mit Geschichte. Bereits sein Vater Christof und sein Onkel Andreas Schwaller standen 2002 in Salt Lake City auf dem Olympia-Podest. 24 Jahre später wiederholt Yannick diesen Triumph. «Es ist schon speziell, dass er auch diese Medaille geholt hat. Es klingt ausgedacht, oder?» Er lacht. Der Stolz in der Familie ist riesig – auch wenn er leise daherkommt. «Mein Vater zeigt seine Emotionen nicht so stark. Aber ich weiss, wie stolz er ist.»

Noch während all dem Rummel um River und Bronze stand für das Paar aber bereits das nächste Kapitel an. Ganz leise und unbemerkt. Briar Schwaller-Hürlimann ist im siebten Monat schwanger, Ende Juni erwartet das Paar eine Tochter. Schon während Cortina war sie im fünften Monat. Mit weiten Kleidern hielt sie die Schwangerschaft bewusst geheim. «Wir wollten nicht noch einen zusätzlichen Rummel», erzählt Briar und lacht ,«der Fokus sollte auf dem Sport bleiben und nicht noch eine andere Schlagzeile erzeugen.»

Zu Hause in Halten SO: Olympia- Bronzemedaillengewinner Yannick Schwaller mit Frau Briar, Söhnchen River und Hund Charlie.
Foto: Fabienne Bühler

Dabei habe sie die Schwangerschaft gerade durch diese intensiven Tage getragen. «Ich habe das Baby während des Wettkampfs gespürt. Das hat mir jede Nervosität genommen.» Während andere um Medaillen kämpften, spürte sie bei jedem Einsatz das kleine Leben in sich. Eine Perspektive, die verändert und den Sport für sie auch ein Stück weit relativiert. Seit River da ist, hat sich das Leben der beiden Spitzensportler komplett umgestaltet. «Es stellt alles auf den Kopf, aber es ist das Schönste», sagen sie. Gerade für Yannick, der oft unterwegs ist, bekam die Zeit eine neue Bedeutung. Jeder Tag fern von zu Hause wiegt schwerer. «Wenn ich schon nicht bei meiner Familie sein kann, will ich diese Zeit in Ehren halten und nutzen.»

Die Freude ist riesig: Briar und Yannick Schwaller erwarten im Juni ihr zweites Kind. Es wird ein Mädchen.
Foto: Fabienne Bühler

Eine Dynastie durch und durch

Auch Briar Schwaller-Hürlimann bringt Curling im Blut mit. Vater Patrick Hürlimann gewann 1998 in Nagano Olympia-Gold. Ob auch River und ihr Töchterchen eines Tages in diese Fussstapfen treten werden? Seine Eltern winken ab. «Das ist uns überhaupt nicht wichtig», sind sie sich einig. Viel entscheidender sei, dass ihre Kinder für etwas brennen – egal ob Sport, Musik oder etwas ganz anderes. «Sie sollen einfach etwas finden, das ihnen Freude macht.» Und doch: Während River wieder mit dem Curlingbesen durch die Stube flitzt und mit kleinen Curlingsteinen spielt, als wäre es das Natürlichste der Welt, wirkt es fast so, als hätte er seine Leidenschaft längst gefunden. Er ist halt eben doch das «Curling-Baby».

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