Kritik am eigenen Verband
Schweizer Curling-Stunk nach Olympia-Jubel

Die derzeit stattfindenden Schweizer Curling-Meisterschaften sind den Skips Yannick Schwaller und Silvana Tirinzoni ein Dorn im Auge. Ihre Teams sind in Bern nach dem emotionalen Olympia-Abenteuer am Start, weil es um nichts weniger als das WM-Ticket geht.
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Yannick Schwaller steht diese Woche mit seinem Team an den Schweizer Curling-Meisterschaften in Bern im Einsatz. Dabei gehts um nichts weniger als das WM-Ticket.
Foto: Sven Thomann
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Yannick PengRedaktor Sport-Desk

Silber für die Frauen-Equipe, Bronze für das Männer-Team – rund um den Schweizer Curling-Verband müsste nach den am Sonntag zu Ende gegangenen Olympischen Winterspielen in Italien eigentlich Harmonie pur herrschen. Doch dem ist nicht so.

«Ich glaube, es ist vielleicht schon das Ziel des Verbandes, dass wir dieses Jahr nicht an die WM gehen, weil wir die letzten vier Jahre immer dabei waren und die WM, die jetzt ansteht, bezüglich Qualifikation für die nächsten Olympischen Spiele nicht relevant ist», spricht Yannick Schwaller Klartext. «Man hätte vielleicht eine andere Lösung finden können, als unmittelbar nach Olympia eine Schweizer Meisterschaft anzusetzen», klagt auch Silvana Tirinzoni. Die beiden erfolgreichen helvetischen Olympia-Skips stehen wenige Tage nach dem Turnier in Cortina mit ihren Teams in Bern in der Curling-Halle auf dem Gelände der Postfinance-Arena bereits wieder im Einsatz und kämpfen ums begehrte WM-Ticket. Dieses gibts als Belohnung für den eingefahrenen SM-Titel. Gegenüber SRF machen sie klar, was sie von dieser Terminansetzung halten: nicht wirklich viel.

Durchschnaufen und nach Olympia alles sacken lassen? War nicht möglich. «Dem kann man keine Erholung sagen. Zu Hause waschen, umpacken und direkt wieder losgehen – es ist eine Extrem-Situation im Moment», berichtet Tirinzoni. Sie hätte sich nach den Spielen eine Curling-freie Zeit gewünscht. «Alle sind den Tag durch am schlafen, wenn wir zwischen den zwei Partien ein wenig Zeit haben», erklärt Schwaller. Gemeinsam mit Benoît Schwarz-van Berkel, Sven Michel und Pablo Lachat-Couchepin ist er seit Montag in Bern gefordert. Am Freitagabend zuvor sicherten sich diese vier Männer Olympia-Bronze im Duell mit Norwegen – im Final standen sich am Samstagabend das siegreiche Kanada und Grossbritannien gegenüber. Tirinzoni, Alina Pätz, Carole Howald und Selina Witschonke kämpften am Sonntag über den Mittag gegen Schweden erfolglos um Gold. Ihnen kam der Schweizer Curling-Verband insoweit entgegen, als dass man dem Silber-Quartett am Dienstag, als bei den Frauen das Turnier losging, einen spielfreien Tag gewährte. So sind Tirinzoni und Co. erst am Mittwoch in ihr SM-Abenteuer gestartet.

«Gleiches Recht für alle»

«Wir haben geschaut, dass die Frauen sicher am ersten Spieltag spielfrei haben, weil wir schon fast ein wenig damit gerechnet haben, dass sie es bis in den Final schaffen. Sie hatten so ein klein wenig Erholung. Für die Männer ists tougher», erklärt sich Claudio Pescia gegenüber SRF. Der Head of Sports bei Swiss Curling wehrt sich gegen den Schwaller-Vorwurf, dass der Verband ein anderes Schweizer Team an der WM sehen will. «Jeder fängt bei null an. Ich bin froh, dass die anderen Teams, die vielleicht nicht oft international spielen, eine Chance bekommen, gegen die Olympiateams anzutreten. Gleiches Recht für alle. Andere Nationen sagen einfach von Anfang an, die zwei Olympiateams spielen erst gar nicht mit.» Doch so etwas könne er mit seinem Sportlerherz nicht vereinbaren. «Eine Silvana, die x-mal im Final stand, von solch einem Wettkampf auszuschliessen, das wäre nicht korrekt.»

Die Frauen-WM im kanadischen Calgary beginnt am 14. März, diejenige der Männer am 27. März im US-amerikanischen Ogden. Schwaller: «Wir wollen hier gewinnen, um an die WM zu gehen. Eine WM ist für mich kein Probeevent. Es ist das Zweitgrösste in unserem Sport. Weltmeister werden ist etwas sehr Grosses. Deshalb wollen wir als Team dort hin.» Zumindest aktuell ist von einem möglichen Olympia-Blues nichts zu sehen. Tirinzonis Equipe hat am Mittwoch mit einem 10:2-Erfolg die Mission WM-Ticket lanciert und Schwallers Team steht nach vier absolvierten Partien mit vier Siegen an der Tabellenspitze.

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