«Die finanzielle Situation ist nicht dramatisch, aber...»
Jetzt stellt sich Swiss-Olympic-Präsidentin Metzler-Arnold den Vorwürfen

Die erträumten Olympischen Winterspiele 2038 nahmen diese Woche eine hohe Hürde. Dennoch prasselt aktuell Kritik auf Swiss-Olympic-Präsidentin Ruth Metzler-Arnold ein. Jetzt wehrt sich die alt Bundesrätin.
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Ruth Metzler-Arnold im Schweizer Olympia-Outfit von Mailand/Cortina 2026: Die alt Bundesrätin ist seit Januar 2025 Präsidentin von Swiss Olympic.
Foto: PASCAL MORA
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Matthias DubachLeiter Reporter-Pool Blick Sport

Diese Nachricht konnte Ruth Metzler-Arnold (62) an diesem Donnerstag sehr gut brauchen. Die Swiss-Olympic-Präsidentin war im Bundeshaus mit all ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern von der Kandidatur auf der Zuschauertribüne dabei, als der Nationalrat die 200 Millionen Franken Bundesgelder für allfällige Olympische Winterspiele 2038 genehmigte. Und, noch wichtiger: Dieses Geld nicht dem fakultativen Referendum unterstellt.

Metzler-Arnold: «Wir sind uns in den Armen gelegen. Ein so klares Resultat habe ich nicht erwartet. Wir haben riesige Freude.» Doch nun muss das Geschäft in der Winter-Session auch noch die Abstimmung im Ständerat überstehen – dann wäre der Zuschlag vom IOC Ende April 2027 für die Winterspiele in zwölf Jahren langsam aber sicher tatsächlich realistisch.

Vorerst ist es erst ein Etappensieg. Aber eben einer, der Metzler-Arnold gut tut. Denn die Kritik an der alt Bundesrätin, seit eindreiviertel Jahren beim Sport-Dachverband an der Spitze, wurde zuletzt immer lauter. So laut, dass sich die gebürtige Luzernerin und Wahl-Appenzellerin nun bei Blick dagegen wehrt. Die Präsidentin nimmt in einer ruhigen Bar im Zürcher Hauptbahnhof einen Schluck stilles Wasser und stellt sich neun konkreten Vorwürfen.

Vorwurf: Swiss Olympic hat die Finanzen nicht im Griff

Der Dachverband muss erheblich sparen. Es existiert im Budget 2027 ein Bereinigungsbedarf von 5 Millionen Franken. Effektiv gespart werden vorerst 1,7 Mio. Mit Massnahmen wie der Abbau von 6,6 Stellen, dem Einsparen von Sachkosten und eingesparten Posten wie Beratungsmandate wird diese Summe eingespart. 2,4 Mio. kommen aus den Reserven, der Rest sind zweckgebundene Entlastungen.

Metzler-Arnold: «Die finanzielle Situation ist nicht dramatisch, unsere Einnahmen sind stabil. Aber wir haben in den vergangenen Jahren zugunsten der Verbände, Kandidaturen und Zukunftsthemen wie Digitalisierung wiederholt mehr Mittel eingesetzt, als wir eingenommen haben. Unser Ziel ist, 2029 wieder ausgeglichen budgetieren zu können.» Deshalb ist schon jetzt klar: Auch das Budget 2028 wird nochmals rot sein.

Doch die Heftigkeit der Massnahmen überraschte. Den Wintersportverbänden wurden keine Erfolgsprämien ausbezahlt. Und bei Swiss Olympic selber werden nun 8,8% des Personals gestrichen. Happig. Auch wenn das teilweise durch Fluktuation aufgefangen werden konnte (Stellen in der Kommunikation wurden nicht ersetzt), kam es dennoch zu drei Kündigungen.

Die Präsidentin betont: «Wenn man so viel sparen muss, geht es leider nicht ohne Personalabbau.» Und dass es überraschend kam? Hier schüttelt Metzler-Arnold den Kopf: «Wir haben den Verbänden bereits im November 2025 und im Mai 2026 in der Jahresrechnung transparent aufgezeigt, dass wir nicht weiterhin jedes Jahr ein Defizit machen können.» Das Kapital von Swiss Olympic schrumpfte in den letzten Jahren von rund 55 Mio. auf rund 35 Mio. Sieben Mio. wurden in die Winterspiele-Kandidatur investiert. Deshalb sagt sie: «Die Olympia-Kandidatur ist nicht betroffen.»

Vorwurf: Das neue Verbandsfördermodell bedroht gewisse Sportarten existenziell

Vorneweg: Die aktuelle Finanzlage von Swiss Olympic und das neue Verbandsfördermodell haben nichts miteinander zu tun. Dieses neue Modell regelt die Bedingungen neu, welchen Sportverbänden wie viel Geld zusteht. Es gilt eigentlich ab 1.1.2027. Wobei Metzler-Arnold betont, dass es erst ab 1.1.2029 wirklich umgesetzt wird. «Wir haben zwei Übergangsjahre, in denen die Verbände praktisch gleich viele Mittel erhalten wie bisher.»

Im Klartext: 2027 und 2028 werden nicht einige Verbände plötzlich viel weniger bekommen und andere plötzlich viel mehr. Aber harsche Kritik gibts dennoch schon. Swiss Curling beklagt eine drohende Reduktion der Beiträge um 50 Prozent. Und beim Pferdesportverband geht man von einem Minus von rund 250’000 Franken aus. Metzler-Arnold kommentiert die Zahlen nicht. Auch, weil man sie in Relation setzen müsste. Sie sagt aber: «Der Kuchen bleibt gleich gross, aber im neuen Fördermodell werden die Kriterien zum Teil etwas anders gewichtet. Deshalb ist es logisch, dass es Verlierer und Gewinner gibt.»

Warum gabs beim alten Modell weniger laute Kritik? Wohl, weil Swiss Olympic in den letzten Jahren immer mehr Gelder der Lotterien und vom Bund verteilen konnte. So erhielten alle Verbände pro Förderperiode immer etwas mehr Geld, weil der Kuchen immer grösser wurde. 2025 wurden 89,2 Mio ausgeschüttet, 3 Mio mehr als 2024. Doch die Grosswetterlage ist nun anders, Stichwort knappe Bundesfinanzen. «In den letzten zehn Jahren floss immer mehr Geld ins System. Diese Rahmenbedingung hat sich geändert. Wir rechnen nicht damit, dass wir weiterhin immer mehr Geld erhalten», sagt die alt Bundesrätin. 0,8% mehr sinds 2027 gleichwohl.

Vorwurf: Erfolge im Spitzensport zählen nichts mehr

«Das ist schlicht falsch», entgegnet Metzler-Arnold. Richtig sei, dass das neue Verbandsfördermodell weiterhin die Erfolge bei WM, EM und Olympia belohnt. Neu aber eben auch stärker berücksichtigt, wie in den Bereichen wie Nachwuchs, Verbandsmanagement, Breitensport und Ethik gearbeitet wird. «Der Leistungssport bleibt ganz klar im Zentrum. Nun kommen einfach weitere Kriterien dazu.»

Das neue Modell sei ein politischer Auftrag. Der Bundesrat beauftragte 2021 den Dachverband mit der Überarbeitung der Verbandsförderung, ethischen Kriterien mehr Gewicht zu geben. Nicht zuletzt, um gesellschaftlichen Entwicklungen Rechnung zu tragen. Sportarten, die in der Vergangenheit viele Medaillen geholt haben, aber zahlenmässig im Nachwuchs- und Breitensport Winzlinge sind, leiden jetzt. Wie eben Curling oder Reiten.

Vorwurf: Das Geld wird künftig nach dem Giesskannenprinzip verteilt

Auch hier fehlt der Präsidentin das Verständnis. «Dieser Vorwurf ist für mich schwer nachvollziehbar. Erfolge schenken weiterhin stark ein.» Für Metzler-Arnold wird hier von den Kritikern aus einzelnen Sportverbänden ohnehin etwas ausgeblendet: Dass alle Verbände in den letzten drei Jahren an der Ausarbeitung mitarbeiten konnten. In dieser Periode gab es mehrere Workshops, Feedbackrunden und Vernehmlassungen.

Vorwurf: Den Verbänden wird immer mehr Bürokratie aufgezwungen

Swiss Olympic betont, dass der Aufwand mit dem neuen Fördermodell grundsätzlich geringer werden soll. Gleichzeitig soll autonomer über die Mittel verfügt werden können, was breit begrüsst wird.

Doch man müsse zwischen dem Drittel grosser Verbände (darauf entfallen rund 70 Mio.) und den zwei Dritteln kleineren Verbänden (darauf entfallen nur rund 5 Mio.) unterscheiden. Die Grossen, die mehr Geld erhalten, müssen die Kriterien für die Bewertung detaillierter aufzeigen. «Bei jenen, die weniger Mittel erhalten, ist der Aufwand viel kleiner», so Metzler-Arnold.

Vorwurf: Mit seiner Brückenstrategie weiss der Dachverband nicht, was er will

Hier wichtig: Die sogenannte Brückenstrategie hat nichts mit dem neuen Verbandsfördermodell zu tun. Der aktuelle Sparkurs ist gemäss Metzler-Arnold ein Teil der Brückenstrategie. Ab 2029 soll dann ein längerfristiger Kurs definiert werden.

Warum? Mit den fraglichen Winterspielen 2038 und den noch offenen Folgen des Projekts «Sport und Bewegungsförderung 2040» (Rollenklärung muss mit dem Baspo klar definiert werden) seien schlicht zu viele Rahmenbedingungen im Fluss. Metzler-Arnold: «Wir haben aber bereits vier strategische Pfeiler definiert, die langfristig bleiben werden.» Die da sind: 1. Leistungssport fördern. 2. Verbandsmanagement stärken. 3. Sport-Grossanlässe in der Schweiz koordinieren. 4. Sport-Ökosystem ausbauen.

Vorwurf: Die Präsidentin evaluiert den eigenen Exekutivrat mit Fragebögen

Es war für einige 14 Mitglieder im Exekutivrat eine neue Erfahrung: Metzler-Arnold führte eine Selbstevaluation mittels Fragebogen durch – eigentlich ein normaler Vorgang in der Arbeitswelt. Doch offenbar löste dies beim einen oder anderen Mitglied Irritationen aus. «Es ist für mich eine Selbstverständlichkeit, dass man sich von Zeit zu Zeit Gedanken über die Zusammenarbeit macht», sagt die Präsidentin.

Sie stellte dem Rat Fragen wie: Wie ist die Diskussionskultur? Ist die Themenwahl richtig? Haben wir genug Sitzungen? Ist die Protokollführung okay? Fühlt ihr euch genug gut informiert? «Wir alle haben anspruchsvolle Rollen. Es ist wichtig, dass man sich reflektiert», sagt sie, «ich werde es wieder machen.»

Vorwurf: Metzler-Arnold hat die neue Swiss-Olympic-Direktorin durchgedrückt

Natacha Theytaz (51) ist seit einem Monat neue Direktorin. Die Westschweizerin kam mit geringer Verbands- und viel Wirtschaftsexpertise (u.a. Novartis). Theytaz war trotz fehlender Sport-Erfahrung klare Favoritin von Metzler-Arnold, heisst es. Diese winkt ab. «Sie entsprach sehr gut dem gesuchten Profil.»

Bevor der Exekutivrat das Anforderungsprofil festlegte, wurden auch die Meinungen von einigen Verbandspräsidenten eingeholt. Dabei sei weniger ein Verbandsdirektor gesucht worden, sondern jemand mit den Stärken unternehmerische Führung, Leadership, betriebswirtschaftliche Kompetenz und Kommunikation. Am Ende vom Prozess habe sich Theytaz im Exekutivrat durchgesetzt. «Mit ihrem Start bin ich sehr zufrieden.»

Vorwurf: Die Präsidentin weibelt zu offensiv für Olympia 2038

Die Kandidatur wird eigentlich von einem Verein vorangetrieben, Metzler-Arnold ist dort nicht Vorstandsmitglied. Als Präsidentin von Swiss Olympic, dem nationalen olympischen Komitee, aber Teil der Crew. Dennoch ist es vor allem sie, die als Kopf der Kampagne gilt. Metzler-Arnold macht klar: «Natürlich engagiere mich dort, wo ich unterstützen kann. Insbesondere bei den privaten Defizitgarantien und dem politischen Prozess auf Bundesebene.»

Sie sagt weiter: «Das IOC verlangt zudem auch die Swiss-Olympic-Präsidentin als Ansprechsperson. Swiss Olympic unterschreibt auch den Host-City-Vertrag. Ich habe deshalb verlangt, dass ich bei den Vorstandssitzungen ständiger Gast bin. Nicht um in allen Belangen mitzureden, aber um informiert zu sein, wo wir stehen.»

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