Aita Gasparin (32) weiss selbst nicht genau, was die neue Saison bringen wird. Nach einem schwierigen Jahr und einem Eingriff am Fuss geht die Schweizer Biathletin diesmal ohne konkrete Erwartungen in den Winter. Ans Aufhören denkt sie aber noch lange nicht.
«Ich war noch nie so planlos», sagt Gasparin am Medientag ihres Ausrüsters Salomon im Gespräch mit Blick. In den vergangenen Jahren habe sie jeweils genau gewusst, was sie erreichen wolle. Nun sei sie vor allem froh, rechtzeitig wieder fit für die Rennen zu sein. «Ich hoffe, dass ich wieder mit Freude starten kann.» Nach den vielen Enttäuschungen des vergangenen Winters gehe es für sie zunächst darum, wieder Vertrauen in den eigenen Körper zu fassen.
Zwei weitere Winter sind sicher
Ihre Karriereplanung lässt Gasparin trotzdem offen. Zwar hat sie den Winter 2027/28 bereits im Hinterkopf, weiter möchte sie derzeit aber noch nicht denken. «Ich würde nicht ausschliessen, dass vielleicht noch ein weiterer Olympiazyklus dazukommt», sagt sie mit Blick auf die Spiele 2030. Festlegen will sie sich jedoch nicht: Weder ein Weitermachen bis dahin noch ein vorzeitiger Rücktritt seien derzeit beschlossene Sache.
Einen Grund zum Aufhören sieht sie momentan ohnehin nicht. Die Motivation ist da, und die Leistungstests zeigen, dass der Körper weiterhin mitmacht. Zudem fühlt sich Gasparin im Schweizer Team nach wie vor gebraucht. Besonders die Frauenstaffel liegt ihr am Herzen – schliesslich fehlt den Schweizer Biathletinnen noch immer eine WM-Medaille. «Irgendjemand von uns schafft es hoffentlich irgendwann. Das bleibt unser Ziel.»
Nach ihrer Fussoperation musste Gasparin zunächst neu lernen, auf dem operierten Bein zu stehen. Bei dem Eingriff wurde ihre Fussachse komplett korrigiert, da die Belastung zuvor nicht optimal verteilt war; ihr innerer Auflagepunkt verschob sich dadurch um mehrere Zentimeter. Drei Schrauben bleiben über den Winter im Fuss. Gerade deshalb will sie sich nicht schon jetzt an Resultate klammern: «Ich bin einfach froh, dass ich rechtzeitig fit bin und an den Start gehen kann.»
Auch beim Gewehr gibt es einen Neustart
Nicht nur ihr Körper, auch ihr wichtigstes Arbeitsgerät bekommt eine Auffrischung: Nach sieben Jahren wechselt Gasparin das Gewehrmodell. Das hat einen kuriosen Hintergrund. Vor drei Jahren zerbrach ihr Gewehr «Stella» bei einem Missgeschick auf der Lenzerheide: Als sie nach dem Liegendanschlag aufstehen wollte, griff sie daneben, und das Gewehr schlug auf dem Asphalt auf. Der Holzschaft brach entzwei.
Obwohl der Schaft repariert werden konnte und weiterhin funktionierte, setzt Gasparin nun auf eine neue Version. «Man muss einfach volles Vertrauen in das eigene Gewehr haben», erklärt sie. Was die Trefferquote angeht, gehört sie schliesslich zur Weltspitze. Was die neue Saison sportlich bringt, weiss Gasparin noch nicht. Wie lange ihre Karriere weitergeht, ebenfalls nicht. Sicher ist nur: Ganz fertig ist sie noch nicht.