«Lieber zuviel Risiko als zu wenig», hatte Roger Federer vor seiner Fortsetzung in der zweiten Woche des Turniers angekündigt. Und er hält im Achtelfinal gegen Lorenzo Sonego Wort. Die Schweizer Weltnummer 8 knüpft an ihre steigenden Leistungen in den Runden zuvor an, spielt immer selbstbewusster und aggressiver. Selbst wenn das bedeutet, viele Breakchancen gegen den «grande» servierenden 1,91m-grossen Italiener zu überpowern und ungenutzt zu lassen.
Neun von diesen hat er im ersten Satz, zwei davon nutzt er immerhin. Die wichtigste ist die neunte Chance beim Stand von 6:5, als der Regen beginnt und es eine kurze Pause gibt, weil das Dach über dem Centre Court geschlossen wird. Wieder auf dem Platz, schenkt ihm Sonego einen Doppelfehler – Federer bringt den Satz 7:5 ins Trockene.
Nicht zu viel Energie verpufft
In Durchgang zwei wird die Federer-Effizienz besser: Ein verwandelter Breakball von zweien reicht Roger, um die Vorentscheidung klar zu machen. Denn er selbst serviert lupenrein – 6:4.
In Satz 3 ist es endgültig vorbei mit der italienischen Grandezza. Die Ballwechsel sind zuweilen zwar spektakulär, aber Federer lässt rein gar nichts mehr anbrennen, spielt beinahe Katz und Maus mit seinem Gegner. 6:2 mit Doppelbreak – was der alternde Rasenkönig da gegen die Weltnummer 27 gezeigt hat, kann sich mehr als sehen lassen. Zu viel Energie hat er auch nicht verpufft.
Neuer Rekord für den Maestro
Und er geniesst erst noch einen weiteren Vorteil: Der Achtelfinal, der seinen nächsten Gegner ermittelt – Weltnummer 2 Daniil Medwedew (Russ) oder der Pole Hubert Hurkacz (ATP 18) – ist wegen Regens auf Dienstag vertagt. Indes ist sicher: Mit 39 Jahren und 337 Tagen ist Federer, der hier zum 18. Mal unter den letzten Acht steht (Rekord), der älteste Viertelfinalist in Wimbledon. Er überholt die australische Legende Ken Rosewall, die das Kunststück 1974 im Alter von 39 Jahren und 224 Tagen schaffte.
Extrem happy sei er, sagt er im Court-Interview – die Frage konnte er wegen der lauten Jubelchören der Fans nicht verstehen. «Es ist zwar nicht fair, dass mein nächster Gegner einen Tag weniger Zeit zur Erholung hat, aber auch das stört mich nicht – sie sind ja im Gegensatz zu mir noch jung...» Nun, dieser Rekord mag nicht einer von Rogers liebsten sein – aber der achtfache Champion hat ihn sich für wahr verdient!
Analysieren Sie bitte diesen Match.
Der erste Satz war schwer, aber ich blieb dran, obwohl Sonego stark war in der Endphase. Nach der kurzen Pause kam er mit diesem Doppelfehler zurück – das war natürlich gut für mich. Aber danach hatte ich keinen Breakball mehr gegen mich, das ist stark. Trotzdem erwartete ich insgesamt etwas mehr von Sonego. Er konnte mir am Ende keine Angst mehr machen und mit meiner Erfahrung habe ich das dann nach Hause gebracht.
Wie sehen Sie Ihre Steigerung seit dem Auftakt gegen Mannarino?
Sehen Sie, es war interessant, als das Dach zu war. Da war es weniger windig, es wurde aber auch gleich wieder rutschiger und schneller. Es ist erstaunlich, wie gross der Unterschied ist. Und es zeigt, wie schwer der Start gegen Mannarino Indoor war. Heute habe ich mich an die Bedingungen gewöhnt und schneller verstanden, wie ich darunter spielen muss.
Der dritte Satz wurde zu einer Show. Geniessen Sie das?
Klar, da freue ich mich riesig, auch wenn Sonego das Publikum für sich anheizte. Wenn die Stimmung steigt, ist das immer gut. Mit meiner Erfahrung weiss ich, da komm ich schon noch heim. Da vertraue ich genug in meine Service-Games. Es war total lässig mit dem Publikum – und ab jetzt wird es dann ja sogar 100 Prozent voll auf der Tribüne.
Wie stehen Sie zu Pandemie-Zeiten dazu?
Hoffen wir, dass wir darüber weg sind. Aber ich befürchte, es kommt noch mehr – so wie es schon einmal war, nachdem wieder mehr geöffnet wurde. In Wimbledon machen sie aber einen guten Job. 100 Prozent Publikum ist unglaublich. Nach Paris, wo am Abend noch fünf Leute da sassen… Als ich da die letzten Monate zusah, wie die anderen vor leeren Tribünen spielten, dachte ich mir immer, dass das nichts für mich wäre. Also geniessen wir, wie es jetzt ist. Ich fühle mich jedenfalls sicher – auch wenn ich mir des neuen Lebens in der Bubble sehr bewusst bin.
Warum sind sie an Grand Slams immer besser, was ist anders?
Das würde ich so nicht sagen. Ich musste meinen Körper Match-ready hinbekommen. Solch eine Situation hatte ich vor Wimbledon noch nie. In Doha war ich zufrieden, aber da war meine Zielsetzung ganz anders. Genf war schwierig, in Halle verlor ich gegen Félix Auger-Aliassime – und wir sehen, zu was er auch hier fähig ist.
Reicht Ihr Level für mehr, vielleicht für Medwedew?
Es kommt nicht darauf an, auf wen ich treffe. Wer im Viertelfinal steht, ist der Stärkere und in der zweiten Woche wird es immer schwierig. Ich bin ein anderer Spieler als andere Jahre in Wimbledon. Deshalb muss ich mich so oder so auf mein Spiel konzentrieren.
Wie meinen Sie das? Man hat das Gefühl, Sie seien wieder der Alte…
Ich denke das wegen der Vorbereitung. Ich kann nicht nur das machen, was ich mir sonst bei jedem Ballwechsel vornehme. Ich muss es gesamthaft sehen, auch mal die Ballwechsel verkürzen, weil ich älter geworden bin. Es ist halt eine andere Zeit. Aber ich bin da, wo ich fast schon irgendwie hingehöre. Meine Gegner waren noch keine Top-10, dennoch war es bis jetzt eine super Leistung. Aber jetzt wird die Luft dünn. Mal sehen, ob ich noch einen Zacken zulegen kann.
Was ist am überraschendsten, was am befriedigendsten bis jetzt?
Es ist schön zu sehen, dass sich meine Arbeit auszahlt. Fünf Tage in Folge zu spielen ist anders als Best-of-5-Matches alle zwei Tage. Wenn du jung bist, gibst du dem keine Bedeutung, aber in meinem Alter spielt das eine Rolle. Ich hoffte einfach immer, dass ich in Wimbledon für Fünfsätzer parat bin. Das bin ich – mal sehen, wieviel noch in meinem Tank ist.
Analysieren Sie bitte diesen Match.
Der erste Satz war schwer, aber ich blieb dran, obwohl Sonego stark war in der Endphase. Nach der kurzen Pause kam er mit diesem Doppelfehler zurück – das war natürlich gut für mich. Aber danach hatte ich keinen Breakball mehr gegen mich, das ist stark. Trotzdem erwartete ich insgesamt etwas mehr von Sonego. Er konnte mir am Ende keine Angst mehr machen und mit meiner Erfahrung habe ich das dann nach Hause gebracht.
Wie sehen Sie Ihre Steigerung seit dem Auftakt gegen Mannarino?
Sehen Sie, es war interessant, als das Dach zu war. Da war es weniger windig, es wurde aber auch gleich wieder rutschiger und schneller. Es ist erstaunlich, wie gross der Unterschied ist. Und es zeigt, wie schwer der Start gegen Mannarino Indoor war. Heute habe ich mich an die Bedingungen gewöhnt und schneller verstanden, wie ich darunter spielen muss.
Der dritte Satz wurde zu einer Show. Geniessen Sie das?
Klar, da freue ich mich riesig, auch wenn Sonego das Publikum für sich anheizte. Wenn die Stimmung steigt, ist das immer gut. Mit meiner Erfahrung weiss ich, da komm ich schon noch heim. Da vertraue ich genug in meine Service-Games. Es war total lässig mit dem Publikum – und ab jetzt wird es dann ja sogar 100 Prozent voll auf der Tribüne.
Wie stehen Sie zu Pandemie-Zeiten dazu?
Hoffen wir, dass wir darüber weg sind. Aber ich befürchte, es kommt noch mehr – so wie es schon einmal war, nachdem wieder mehr geöffnet wurde. In Wimbledon machen sie aber einen guten Job. 100 Prozent Publikum ist unglaublich. Nach Paris, wo am Abend noch fünf Leute da sassen… Als ich da die letzten Monate zusah, wie die anderen vor leeren Tribünen spielten, dachte ich mir immer, dass das nichts für mich wäre. Also geniessen wir, wie es jetzt ist. Ich fühle mich jedenfalls sicher – auch wenn ich mir des neuen Lebens in der Bubble sehr bewusst bin.
Warum sind sie an Grand Slams immer besser, was ist anders?
Das würde ich so nicht sagen. Ich musste meinen Körper Match-ready hinbekommen. Solch eine Situation hatte ich vor Wimbledon noch nie. In Doha war ich zufrieden, aber da war meine Zielsetzung ganz anders. Genf war schwierig, in Halle verlor ich gegen Félix Auger-Aliassime – und wir sehen, zu was er auch hier fähig ist.
Reicht Ihr Level für mehr, vielleicht für Medwedew?
Es kommt nicht darauf an, auf wen ich treffe. Wer im Viertelfinal steht, ist der Stärkere und in der zweiten Woche wird es immer schwierig. Ich bin ein anderer Spieler als andere Jahre in Wimbledon. Deshalb muss ich mich so oder so auf mein Spiel konzentrieren.
Wie meinen Sie das? Man hat das Gefühl, Sie seien wieder der Alte…
Ich denke das wegen der Vorbereitung. Ich kann nicht nur das machen, was ich mir sonst bei jedem Ballwechsel vornehme. Ich muss es gesamthaft sehen, auch mal die Ballwechsel verkürzen, weil ich älter geworden bin. Es ist halt eine andere Zeit. Aber ich bin da, wo ich fast schon irgendwie hingehöre. Meine Gegner waren noch keine Top-10, dennoch war es bis jetzt eine super Leistung. Aber jetzt wird die Luft dünn. Mal sehen, ob ich noch einen Zacken zulegen kann.
Was ist am überraschendsten, was am befriedigendsten bis jetzt?
Es ist schön zu sehen, dass sich meine Arbeit auszahlt. Fünf Tage in Folge zu spielen ist anders als Best-of-5-Matches alle zwei Tage. Wenn du jung bist, gibst du dem keine Bedeutung, aber in meinem Alter spielt das eine Rolle. Ich hoffte einfach immer, dass ich in Wimbledon für Fünfsätzer parat bin. Das bin ich – mal sehen, wieviel noch in meinem Tank ist.