Obwohl es bis in die Halbfinals so aussah, als wären die ersten «Miami Open» das Turnier der jungen, sogenannten Next-Gen-Vertreter, hat sich das Alter durchgesetzt: Roger Federer (37) gegen John Isner (33) treffen im Final aufeinander. Frisch gebackener Papa gegen Vierfach-Vater, 2.08m grosser Aufschlag-Gigant gegen den variablen 100-fachen Titelträger – eine interessante Affiche mit insgesamt 70 Jahren Lebenserfahrung auf dem Platz.
Die reiche Spiel-Routine ausspielen tut indes an diesem Sonntagnachmittag in Florida nur einer: Federer. Gegen Aufschlag-Stürmer Isner anzutreten, sei wie Penaltyschiessen im Fussball, sagte der Schweizer im Vorfeld. Entweder Ass oder nicht – das sei aufregend: «Ich werde der Goalie sein und versuchen, so viele Bälle wie möglich abzuwehren.»
Federer retourniert 89 Prozent Isner-Raketen
Nun, Goalie Roger hält gleich reihenweise Penaltys. Im ersten Satz, der 6:1 endet und keine halbe Stunde dauert, gleich den ersten und insgesamt drei! 89 Prozent der Isner-Raketen kann Federer retournieren – das ist eine Traumquote gegen den nach einer ATP-Studie besten Aufschläger der Tennis-Geschichte, die wohl nur selten zuvor ein Isner-Gegner erreicht haben dürfte. «Vielleicht breakte ich zu oft und habe das Pulver schon verschossen», sei ihm zu diesem Zeitpunkt durch den Kopf gegangen, soll Roger später sagen.
Die Sorge ist unberechtigt. Federer selbst muss in seinem 50. Masters-Final keinen Breakball abwehren. Er entschärft die Waffen seines Gegenübers, das bei 3:4 im zweiten Durchgang zunehmend auch körperlich leiden muss. Die amerikanische Weltnummer 9 lässt sich beim Seitenwechsel am Fuss behandeln. Humpelt danach nur noch über den Platz, hält sich noch ein Game mit dem Service über Wasser, schüttelt aber den Kopf und signalisiert schon vor dem Ende: Es geht nicht mehr.
Isner: «Wünsche mir, dass du niemals aufhörst!»
Kurze Zeit später kapituliert Isner zum 4:6 nach gut einer Stunde. «In so einem Stadion gegen Roger zu spielen, ist fantastisch», hatte er gesagt. Das war vor diesem Final. Denn in der sechsten Niederlage gegen den Baselbieter dürfte der Riese nicht viel Fantastisches sehen können. Trotzdem überschüttet er nach dem Final seinen Bezwinger mit Lob: «Roger, du warst einfach zu gut, zu gut im ganzen Turnier. Zu gut in der ganzen Karriere! Ich wünsche mir, dass du noch lange nicht aufhörst – dass du niemals aufhören wirst!»
Federer stemmt die Arme nach diesem unglücklichen Ende respektvoll nur halbherzig in die Höhe. Aber innerlich dominiert bestimmt die Freude: 101 Titel hat der 37-Jährige nun in seiner Sammlung. Seinen 28. an einem Masters 1000. Seinen Vierten in Florida, der ihn wieder auf Platz 4 der Weltrangliste zurückbringt, welchen er nach dem verlorenen Final in Indian Wells an Dominic Thiem (Ö) verloren hatte. Sein Dank geht schlussendlich bei der Siegerehrung an sein «perfektes Team», das seinen Erfolg möglich macht. Allen voran seiner Liebsten Mirka, die ihn beim komplizierten Reisen mit der Familie so gut unterstütze. Von ihr erntet er daraufhin einen durch die Luft geschickten Kuss.