Darum gehts
- Jerôme Kym schlägt die Weltnummer 4 Ben Shelton
- Kym war einst selbst Balljunge an den Swiss Indoors
- Nach dem US-Open Achtelfinaleinzug 2025 ist dies sein grösster Erfolg
Früher war Jérôme Kym (23) bei den Swiss Indoors schon ganz nah dran an den grossen Tennisstars. Allerdings nicht als Gegner, sondern als Balljunge. Einmal durfte er dabei sogar Rafael Nadal die Bälle zuspielen. Heute lässt er selbst die ganz Grossen alt aussehen. Die Weltnummer 4 Ben Shelton (24) kann seit Donnerstagabend davon ein Lied singen.
Mit seinem Coup lässt Kym plötzlich ein ganzes Turnier von einem Schweizer Triumph träumen. Dabei hat Kym gerade kein Jahr hinter sich, in dem ihm alles zufliegt. Krankheiten, fehlende Fitness, sportliche Rückschläge – in allen vier Grand-Slam-Qualis bleibt der Fricktaler hängen. Und auch abseits des Platzes stellte er die Weichen neu.
Im Juni trennte er sich von seinem Trainer Markus Hipfl, mit dem er jahrelang in Kitzbühel gearbeitet hatte. «Das Feuer war erloschen», sagt Kym. Er hatte keine Energie mehr, ständig von zu Hause weg zu sein. Also zurück in die Schweiz, zurück zu Swiss Tennis nach Biel. Dort arbeitet er nun mit Roman Vögeli. Manchmal braucht es eben einen frischen Anlauf.
Weltranglisten-Aufstieg
Dass Kym kämpfen kann, weiss man spätestens seit seinem US-Open-Märchen 2025. Als Qualifikant spielte er sich bis in den Achtelfinal und bezwang unter anderem Brandon Nakashima, einen heutigen Top-20-Spieler. Das Potenzial war ohnehin nie das Problem: Schon als Junior galt er als Riesentalent, mit 15 wurde er zum jüngsten Schweizer Davis-Cup-Spieler.
Der Sieg gegen Shelton ist aber zweifelsohne der grösste seiner Karriere – und beschert ihm in der Weltrangliste einen Sprung von Platz 222 auf 163. Übersteht er eine weitere Runde, rückt er gar bis unter die 130 Besten der Welt vor. Doch wer glaubt, dass sich bei Kym alles nur um Tennis dreht, liegt daneben.
Fasnacht- und FCB-Fan
Da wären nämlich noch die Trommelstöcke. Sein Vater Ivan war eine Grösse in der Schweizer Tambourenszene, Jérôme trat in seine Fussstapfen und wurde gleich viermal Schweizer Meister der Jungtambouren. Dazu ist er leidenschaftlicher Fasnächtler. Die Basler Fasnacht? Für ihn sind das – natürlich – die drei schönsten Tage des Jahres.
Und auch das Herz schlägt rotblau: Kym ist ein grosser FCB-Fan und in der Muttenzerkurve zu Hause. Nur am vergangenen Sonntag liess er das Joggeli sausen. Vor seinem Heimturnier wollte er schlicht kein Risiko eingehen, krank zu werden. «Sonst wäre ich schon an den Match gegangen», sagt er.
Eine Vorsichtsmassnahme, die sich gelohnt hat. Kym kämpfte in der Nacht auf Freitag bis kurz vor 1 Uhr auf dem Center Court und warf Shelton in drei Sätzen (6:3, 6:7, 7:6) aus dem Turnier. Und wer weiss: Gewinnt er am Freitagabend auch gegen den Tschechen Jiří Lehecka (24), wäre er der erste Schweizer Halbfinalist in Basel seit Roger Federer 2019. Damals gewann der Maestro das Turnier. Nun ist der Bub, der einst Nadal die Bälle brachte, seinem eigenen, ganz grossen Moment ganz nah.