«Menschen verlieren die Aufmerksamkeit für die Ukraine»
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Statement an Australian Open:«Menschen verlieren die Aufmerksamkeit für die Ukraine»

Ihr Vater kämpft an der Front
Ukrainerin Oliynykova: «Habe zuhause weder Wasser, Strom noch Heizung»

Die ukrainische Tennisspielerin Oleksandra Oliynykova erlebt an den Australian Open emotionale Momente. Während sie ihr Grand-Slam-Debüt feiert, ist ihr Vater im Krieg.
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Die ukrainische Tennisspielerin Oleksandra Oliynykova feiert an den Australian Open ihr Grand-Slam-Debüt.
Foto: Getty Images

Darum gehts

  • Oleksandra Oliynykova debütierte am Montag bei Australian Open gegen Madison Keys
  • Sie sammelt 20 Millionen Euro für Drohnen-Einheit zur Verteidigung
  • Oliynykova lebt in Kiew ohne Wasser, Strom und Heizung seit 2025
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Julian SigristRedaktor Sport

Oleksandra Oliynykova feierte am Montag bei den Australian Open ihr Grand-Slam-Debüt. Ihre Erstrundenpartie gegen Titelverteidigern Madison Keys (30) verliert sie zwar mit 6:7, 1:6, für Aufsehen sorgt die Ukrainerin aber dennoch.

«Ich brauche eure Hilfe, um ukrainische Frauen und Kinder zu schützen, aber ich kann hier nicht darüber sprechen», steht auf dem T-Shirt, das sie an der Pressekonferenz nach dem Spiel trägt. Auch ansonsten kämpft Oliynykova intensiv für ihre Heimat. Sie ist Botschafterin einer unbemannten Drohnen-Einheit, die Ziele in Russland vernichtet, und sammelt Geld dafür. 20 Millionen Euro sollen es werden. «Auch ich selbst spende Geld, je nachdem, wie viel ich verdiene», erklärt sie.

Kritik an Sabalenka

In ihrem Kampf für die Ukraine fürchtet Oliynykova sich auch nicht vor grossen Namen. Allen voran die Weltranglistenerste, Aryna Sabalenka (27), kritisiert sie heftig: «Ihr brutales Verhalten hat viele empört. Trotzdem tut die Belarussin weiterhin so, als wisse sie nichts vom Krieg in der Ukraine. Sie verstehe nicht, warum ihr die ukrainischen Spielerinnen nach dem Match nicht die Hand geben.»

Dazu komme, dass Sabalenka Aufrufe vom belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko (71) unterzeichnet habe. Auch die beiden russischen Spielerinnen Diana Shnaider (21) und Mirra Andreeva (18) kritisiert die 25-Jährige dafür, sich vom russischen Präsidenten Wladimir Putin (73) ausgezeichnet haben zu lassen.

Vater ist im Krieg

Während Oliynykova diese Aussagen tätigt, ist ihr Vater im Krieg. Die Ukrainerin reist deshalb alleine an die Turniere. Trotzdem seien sie und ihr Vater «ein Team». Nach der Partie gegen Keys habe er ihr sofort geschrieben. «Ich bin so stolz auf ihn. Er ist mein grösster Fan und das ist meine grösste Motivation. Er hat davon geträumt, mich auf diesem Platz zu sehen. Ich werde alles tun, um ihn noch stolzer zu machen.»

Wegen ihres Vaters war die Ukrainerin 2011 auch nach Kroatien gezogen. Der Grund: Er war gegen den damaligen prorussischen Präsidenten Wiktor Janukowytsch (74) gewesen und hatte Probleme bekommen. «Wir waren politische Flüchtlinge, aber ich habe mich nie als Kroatin gefühlt», erklärt Oliynykova.

Im vergangenen Jahr kehrte sie darum in ihre Heimatstadt Kiew zurück. Dort habe sie aktuell «weder Wasser, Strom noch Heizung» und dusche im Tennis-Klub. In der Nacht vor ihrer Abreise nach Melbourne schlug eine Rakete in unmittelbarer Nachbarschaft ein. «Ich war zu Hause – die ganze Wohnung wackelte», erinnert sie sich und stellt dennoch klar: «Wir sehen unsere Zukunft in der Ukraine und wollen in Zukunft etwas für den ukrainischen Sport tun.»

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