Er ist wieder da! Nach vier Jahren Abstinenz in Paris. Um 14.41 Uhr betritt Roger Federer den Court Philippe Chatrier in Roland Garros. An der Hand eines Einlauf-Kids. Seine eigenen Kinder sind diesen Nachmittag nicht live dabei.
Die Fans begrüssen den 37-Jährigen im fast restlos gefüllten Stadion mit «Roger, Roger»-Sprechchören. Beinahe beflügelt davon startet Federer (ATP 3) gegen Lorenzo Sonego (ATP 73) wie aus dem Bilderbuch.
Mit einem Doppelbreak zum 4:0 legt er den Grundstein zum Erfolg im 1. Satz. Federers Rivale leistet sich zuviele Eigenfehler, er selber spielt solide seine Punkte runter. Nach nur 24 Minuten bringt Federer den Satz 6:2 ins Trockene.
Auch im zweiten Satz läufts wie geschmiert. Erneut führt er mit 4:0 und Doppelbreak. Sein Gegner aus dem Piemont ist bis dahin kein Gradmesser. Doch dann findet Sonego besser ins Match und schafft es, Federer den Aufschlag zum 2:4 abzunehmen. Ins Zittern kommt Roger aber nie, holt sich auch Satz zwei mit 6:4.
«Ich war nervös am Anfang»
Im dritten Durchgang muss sich Federer bis zum Stand von 4:4 gedulden, ehe er den entscheidenden Service-Durchbruch schafft. Souverän serviert er das Match nach 101 Minuten mit 6:4 nach Hause. Auftakt komplett geglückt!
«Ich war etwas nervös am Anfang, aber der Empfang war fantastisch. Danke vielmals! Sonego ist stark, ich wusste, dass er schon viele gute Matches auf Sand gezeigt hat», sagt Federer im Platz-Interview mit Cédric Pioline.
Die erste Hürde hat er gepackt, nun bekommt er zwei ganze Tage Erholung. Erst am Mittwoch muss er wieder ran. Gegner ist der Deutsche Oscar Otte (ATP 145), der als Lucky Loser nachrutschte und in Runde eins Malek Jaziri schlägt. Gegen den 25-Jährigen hat Federer noch nie gespielt.
Das sagt Roger nach dem Spiel
Wie war es auf dem neuen Court Chatrier zu spielen? War das Gefühl anders?
Nicht viel. Ich denke, es war hilfreich, dass das Stadion voll war. So hat man die beigen Sitze nicht gesehen. Wenn es nicht ganz voll ist, hast du das Gefühl, dass es ein ganz anderes Stadion ist. Aber so lag es nahe an dem aus der Vergangenheit. Im Training nahm ich viel mehr Beton und Glas wahr, weil die Arena leer war. Aber heute fand ich die Atmosphäre grossartig und es war schön, dort zu spielen.
War es in Anbetracht der Spieldauer und des Verlaufes eine perfekte Rückkehr?
Ja, weil es am Anfang etwas Druck gab, ein wenig Nervosität. Ich habe auf Anhieb gut gespielt. Die Dauer des Spiels war kein Problem. Es gab keine Probleme mit meinem Körper vor oder nach dem Match. Und jetzt habe ich zwei Wochen, nein, ich meinte zweieinhalb Tage, zum Glück sind es nicht zwei Wochen Zeit. Es ist ideal für mich zum Turnierstart.
Was haben Sie die Begrüssung des französischen Publikums empfunden? Schon am Morgen beim Training und später beim Match.
Als ich gestern auf Suzanne Lenglen trainierte, war das Stadion voll. Es war das erste Mal, dass die Öffentlichkeit mich hier wirklich sah. Ich konnte fühlen, dass die Atmosphäre anders war als anderswo. Wenn die Fans deinen Namen rufen, während du trainierst oder heute, als ich ankam, gab es viel Applaus. Es war ein bisschen wie vor einem Final. Ich habe das Gefühl, dass die Fans mich vermisst haben und ich habe sie auch vermisst. Nachdem ich viele Jahre nicht hier gespielt habe, gibts viel Begeisterung, die ich auf dem Centre Court spüren konnte. Es war ziemlich cool. Ich hoffe, dass es so weitergeht.
Neulich haben Sie Ihr Gefühl ein wenig mit dem vor Australien 2017 verglichen. Fühlt es sich besonders gut an, bei einem Grand Slam dabei zu sein, bei dem die Erwartungen nicht so hoch sind?
Ja, sehr. Es ist schön, ein Aussenseiter zu sein. So fühle ich mich jedenfalls. Mal sehen, wie es läuft. Es entspannt dich vielleicht bei den wichtigen Punkten oder es entspannt dich unbewusst, wenn du ins Training oder den Presseraum gehst. Dies ist keine Show, die ich auflege. Das ist die Wahrheit. Ich weiss wirklich nicht, wie weit ich bei diesem Turnier kommen kann. Drum bin ich sehr zufrieden mit meiner ersten Runde. Ich weiss, wenn Wimbledon kommt, werde ich wahrscheinlich ein grösserer Favorit sein. Das ist auch okay.
Aufgezeichnet: Marc Ribolla in Paris