Endlich. Belinda Bencic ist an einem der vier Majors endlich weiter gekommen als bis Runde 3, wie diese Saison in Australien, Paris oder Wimbledon. Dreimal in ihrer Karriere erreichte sie einen Achtel-, einmal – vor fünf Jahren in Flushing Meadows – einen Viertelfinal. Weiter kam die Ostschweizerin auf Grand-Slam-Ebene nie. Dabei hat sie so viel Potenzial und ist schon eine gefühlte Ewigkeit dabei.
Die aktuelle Weltnummer 12 steht im Halbfinal der US Open. Endlich da, wo sie die Experten längst sahen. Die beste Nachricht ist: Belinda ist deshalb keineswegs zu spät dran. Sie ist diesen Frühling erst 22 Jahre alt geworden. Im Alter, in dem andere Talente erstmals auf sich aufmerksam machen. Mit einer Zukunft, in der keine Grenzen gesetzt sind.
Die Kroatin Donna Vekic, die Bencic bei den French Open auf Sand noch gestoppt hat, kann ihr auf den New Yorker Hartplätzen jedenfalls auch keine Grenze setzen. Hart umkämpft ist zwar der stündige erste Durchgang, in dem Stan Wawrinkas Ex-Freundin zum Satzgewinn servieren kann, Belinda aber im letzten Moment ausgleicht und dann den Tie-Break für sich entscheidet. In Satz 2 hat unser Tennisstar dann deutlich die Oberhand, nach 41 weiteren Minuten verwandelt sie den dritten Matchball zum 6:3.
Belinda lacht herzhaft, ihre nur zehn Monate ältere Freundin Donna zieht traurig davon. «Wir sind professionell genug, auf dem Court hart zu kämpfen und daneben noch immer gut auszukommen», weiss die Siegerin und freut sich noch auf dem Centre Court des grössten Tennisstadions der Welt ausgelassen über den «klar bedeutendsten Sieg meiner Karriere».
«Auf solchen Plätzen zu spielen ist eine besondere Motivation, denn von Momenten wie diesem träume ich, seit ich ein kleines Kind bin», so Belinda. Sie habe keine Scheu vor der grossen Bühne, empfinde nur Spass und Genuss – auch weil sie in Krisenzeiten und Verletzungspausen die andere, dunklere Seite einer Profisportlerin kennengelernt habe. «Ich schätze es heute viel mehr als früher, auf der Tour zu sein und nehme nichts mehr für selbstverständlich.»
«Druck ist ein Privileg»
Auch nicht einen Sieg über die elf Ränge tiefer klassierte Vekic. Im Gegenteil: Nachdem sie ohne grossen mentalen Druck Weltnummer 1 Naomi Osaka in zwei Sätzen weggeputzt hatte – wie in diesem Jahr schon andere neun Top-10-Spielerinnen – stellte sich die Frage: Wie geht Belinda mit den gestiegenen Erwartungen gegen eine auf dem Papier schlechtere Gegnerin um?
Die Antwort hat sie heute gezeigt. Auch mit Hilfe ihres Vaters und Coachs Ivan Bencic, dem sie innig dankt. Der 56-jährige, frühere Eishockey-Spieler hatte seine Tochter mit Bille Jean Kings Zitat «Druck ist ein Privileg» auf die bevorstehende Aufgabe eingestellt. «Wie es Federer oder Djokovic immer wieder schaffen, gegen unten zu spielen, ist unglaublich.»
Nun, Federer, Djokovic wie auch der andere Schweizer Mit-Favorit Stan Wawrinka sind out. Belinda Bencic ist noch drin. Dass sie es hier unter die letzten Vier schafft, ist nicht unglaublich – sondern so, wie es längst sein sollte. Endlich.
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