Auf jeden Fall ist das zweite Match der ATP Finals 2018 zwischen Roger Federer und Kei Nishikori was fürs Auge. Die beiden namhaften Repräsentanten der japanischen Kleidermarke «Uniqlo» leuchten bunt auf dem Centre Court der Londoner O2-Arena – Federer in Stahlblau, Nishikori im rot-orange- und türkisfarbenen Papageien-Look.
Kunterbunt ist auch die Fehlerorgie, die beide im ersten Satz abhalten. Die Weltnummern 3 und 9 kleckern die Filzbälle reihenweise hinter und neben die Linien. Das Timing stimmt weder beim 37-jährigen Schweizer noch beim 28-jährigen Japaner, die Returns sind beiderseits miserabel.
Ohne eine Breakchance hangeln sie sich in den Tie-Break. Dass sich Nishikori, der es bei vier Antritten beim Saisonfinale der besten Acht erst zweimal in die Halbfinals schaffte, hier plötzlich massiv steigert, kommt überraschend. Es reichen ihm letztlich drei Winner, um Federer Satz 1 abzunehmen.
Es ist sein erster Satzgewinn in diesem Jahr gegen den 20-fachen Grand-Slam-Sieger, der bei den Duellen in Shanghai und vorletzte Woche in Paris nichts anbrennen liess. Ausgerechnet hier in London, wo jeder Satzgewinn für die Halbfinal-Qualifikation am Ende ausschlaggebend sein kann!
Der sechsfache Gewinner der ATP-Finals ist sichtlich angesäuert ab seiner Leistung. Und gleich zu Beginn des zweiten Durchgangs wirds ihm definitiv zu bunt: Federer lässt sich ein geschenktes Break umgehend wieder abnehmen. Und er gerät später sogar 2:4 in Rückstand. Nach knapp eineinhalb Stunden ist das 6:7, 3:6 in Stein gemeisselt. Es ist sein dritter Sieg in der zehnten Partie gegen den Schweizer – der erste seit vier Jahren. Und dies mit einer höchst durchschnittlichen Leistung.
Noch ist der Halbfinal-Einzug möglich
Was ist nur los mit Roger, der sich in seinem letzten Match gegen Novak Djokovic noch in so blendender Form zeigte? Das Gute am Masters-Modus: Noch ist nichts Schlimmes passiert. In seiner Gruppe «Lleyton Hewitt» hat er noch immer die Chance, sich für die Halbfinals zu qualifizieren. Fest steht aber: Will Federer hier in London erstmals nach sechs Jahren endlich wieder triumphieren und damit seinen 100. Titel holen, muss er sich markant steigern.
Masters-Debütant Kevin Anderson, der die Turniereröffnungs-Partie am Nachmittag gegen Dominic Thiem (Ö) in zwei Sätzen gewonnen hat, wird sich dieses von Perfektion weit entfernte Match mit Interesse angesehen haben. Er trifft am Dienstag auf Sieger Nishikori.