Darum gehts
- Janine Schmitt qualifiziert sich in Zauchensee für die Olympia-Abfahrt 2026.
- Nach schwerem Sturz im Oktober gelingt ihr Platz 5 im Rennen.
- Schmitt holte bisher acht Weltcuppunkte, war aber nie besser als 17.
Die Episode liegt 20 Jahre zurück. Janine Schmitt ist ein kleines Mädchen. Die Familie wohnt oberhalb von Wangs SG, direkt am Pistenrand. Ein Traum für jedes Kind. Nicht für sie. Schmitt fährt gern Ski, spielt aber lieber mit Lego. Drinnen. Mutter Renata fand trotzdem die richtigen Worte: «Es ist so schönes Wetter draussen. Komm, wir machen zwei Fahrten, dann darfst du wieder rein.» Gesagt, getan.
Und heute? Da eilt die heute 25-Jährige nach ihrem 5. Platz in Zauchensee (Ö) im Zielraum an allen vorbei in Richtung Publikum. Dort wartet ihre Mutter, die sie herzlich umarmt. «Ich dachte, wenn ich nicht renne, muss ich anhalten», sagt Schmitt und lacht. Dann wird sie ernst: «Ich verdanke meinen Eltern sehr viel.»
Es ist ihr grosser Tag. Der beste ihrer Karriere. Achtmal fuhr sie bisher in die Weltcuppunkte, besser als Rang 17 war sie nie. Nun das: Als erste Schweizerin löst sie das Olympia-Ticket für die Abfahrt. Wer vor dem Winter darauf gesetzt hätte, wäre jetzt reich. «Es ist verrückt. Ich kann es kaum glauben. Ich freue mich riesig auf Cortina.»
Verschobener Start sorgt für Diskussionen
Kam der Exploit überraschend? Ja. Anfang Oktober stürzte Schmitt auf der Diavolezza schwer. Der Aufprall spaltete den Helm. Sie blieb unverletzt, blockierte aber mental. «Danach war vieles verkrampft. Erst über Neujahr konnte ich mich daheim richtig erholen. Das tat gut. Jetzt versuche ich, locker zu fahren.»
Das gelingt. Dabei startet der Tag in Zauchensee holprig. Nach 30 Stunden Schneefall ist klar: Ein Start vom Gamskogel ist unmöglich. Die Abfahrt wird zweimal verkürzt. Helfer rücken aus – Feuerwehr, Blaskapelle, Eisstockverein helfen aus.
Speed-Star Sofia Goggia ist nach der Besichtigung dennoch verärgert. «Ich muss politisch korrekt bleiben», sagt sie im ORF. Am Vortag sei zu wenig gearbeitet worden. Im Medienzentrum gärt es. «Eine Frechheit», sagt der eine. «In Italien gäbe es gar kein Rennen», der andere.
Österreich mit Debakel, Vonn überragend
Schmitt kümmert das nicht. Sie packt ihre Chance beim Schopf. «Ich habe eine gute Technik. Aber am Ende entscheidet nicht nur die Technik, sondern dass man den Ski gut laufen lässt. Ich war locker und bin nicht auf der Linie geklebt.»
Geklebt ist ein gutes Stichwort. Mit Startnummer 1 spielt Corinne Suter (30) den Schneepflug. «Es war sehr weich und von der Piste kam wenig zurück.» Angesichts der komplizierten Voraussetzungen ist Platz 22 mit 1,10 Sekunden Rückstand mehr als nur in Ordnung. «Ich fühle mich wohl, aber es fehlt noch etwas, sagt sie.»
Zwischen Schmitt und Suter klassiert sich Malorie Blanc (22). Sie wird 13. und wird neben dem Super-G in Cortina fix auch in der Abfahrt dabei sein. «Cool! Ich freue mich aber auch riesig für Janine, sie ist eine gute Freundin.»
Und sonst? Österreichs siebenfache Junioren-Weltmeisterin Magdalena Egger (24) reisst sich bei einem Sturz das Kreuzband. Das passt zum Heim-Debakel von Ski-Austria – Cornelia Hütter (33) ist als 20. die Beste. Eine solche Abfahrtsschlappe gabs letztmals vor 16 Jahren in Haus im Ennstal (Ö). Verrückt: Damals siegte Lindsey Vonn (41) – so wie heute auch.