Darum gehts
- Das Ski-Talent Alessio Miggiano hat die Selektions-Kriterien für Olympia erfüllt
- Aufgeboten wurde der Youngster für die Winterspiele trotzdem nicht
- Mehrere Trainer hinterfragen das Selektions-System
Das grosse Ski-Talent Alessio Miggiano (23) hadert wohl gerade etwas mit seiner Nationalität. Wäre er Österreicher, hätte er einen Startplatz in der Olympia-Abfahrt auf sicher. Tatsächlich hat bei den ÖSV-«Downhillern» im laufenden Weltcup-Winter einzig Routinier Vincent Kriechmayr (34) die besseren Ergebnisse abgeliefert als der Youngster.
Miggiano aber stammt aus dem Zürcher Oberland und gehört zu den Juwelen von Swiss-Ski. Seit Montag ist es offiziell, dass er bei der Verteilung der Olympia-Aufgebote leer ausgegangen ist. Und das, obwohl der Sohn eines aus Süditalien stammenden Sternekochs mit dem fünften Rang in Val Gardena (It) die Selektionskriterien gänzlich erfüllt hat.
Dafür gibt es Gründe. Doch Miggiano trifft die Nichtberücksichtigung dennoch hart.
«Ich wollte mir diesen Bubentraum erfüllen»
Miggianos grosses Problem: Der Schweizer Herrenchef Tom Stauffer durfte beim IOC nur elf Athleten melden. Und im Swiss-Ski-Team gibt es eben elf Männer, die noch konstantere Leistungen abgeliefert haben als Miggiano. Und deshalb wird das Talent im Februar nicht zum weltweit grössten Sportereignis nach Italien, sondern zu den Europacuprennen nach Sarajevo reisen.
«Ich muss zugeben, dass mir die Nachricht der Nichtselektion für die Olympischen Spiele mehr wehgetan hat, als ich geglaubt habe», sagt Miggiano am Telefon zu Blick. «Ich habe bis zur letzten Woche nie gross an Olympia gedacht, mein Fokus war voll auf den Weltcup gerichtet.» Dann aber habe er bemerkt, dass er ganz nah dran sei am Ticket für die Winterspiele. «Ich wollte mir diesen Bubentraum natürlich unbedingt erfüllen.»
Anderes Verfahren gefordert
Miggianos Gruppentrainer Vitus Lüönd (41) leidet mit seinem Schützling mit: «Ich hätte zwar die genau gleichen Athleten selektioniert wie Tom Stauffer, dennoch ist es knüppelhart, wenn ein Athlet wie Alessio nicht zu den Olympischen Spielen fahren kann.»
Lüönd würde sich eine Anpassung beim Verfahren wünschen. «Das System müsste so sein, dass ein Rennfahrer, welcher im Weltcup in die Top 10 gefahren ist, fix nominiert wird.»
Sogar Österreichs Cheftrainer hat Mitleid
Auch Österreichs Cheftrainer Marko Pfeifer (50) hat sich bereits in der Lauberhorn-Woche öffentlich für eine andere Olympia-Quotenregelung ausgesprochen: «Obwohl die Schweizer so viele Top-Athleten besitzen, darf Tom Stauffer auch nur elf Starter nominieren. Das ist totaler Bullshit, das Ganze muss überdacht werden.»
Für Miggiano kommt die Unterstützung aus Österreich leider zu spät. Das Top-Talent aus Bubikon ZH muss sich vier Jahre gedulden, ehe er eine weitere Olympia-Chance bekommen wird. Gelegenheit für das nächste Speed-Ausrufezeichen hat er aber schon am kommenden Sonntag. Dann steht die Heim-Abfahrt in Crans-Montana VS (ab 11 Uhr live auf Blick) an.