Salsa-Kurs, Odermatt-Methode und neues Material
Der heisse Tanz von Ski-Techniker Tumler

Eine Olympia-Medaille hat Thomas Tumler im Februar knapp verpasst. Dafür gehört der Samnauner zu den Gewinnern der Vorbereitung auf den WM-Winter. Dank ganz ungewöhnlichen Methoden.
Kommentieren
1/7
Thomas Tumler will dank Salsa zu neuer Geschmeidigkeit auf der Piste finden.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

  • Thomas Tumler fand nach einer verkrampften Saison mit Salsa zu mehr Geschmeidigkeit zurück
  • Mit Feldenkrais verbessert Tumler laut eigener Aussage Körpergefühl, Beweglichkeit und Rücken
  • Neue Bindungsplatte und Stöckli-Ski funktionierten im Chile-Training auf allen Unterlagen sehr gut
RMS_Portrait_AUTOR_1182 (1).JPG
Marcel W. PerrenReporter Sport

Thomas Tumler (36) ist bekannt dafür, dass er bei der Problembewältigung zu eher ungewöhnlichen Mitteln greift. Vor gut zwei Jahren hat der sensible Edeltechniker seine schreckliche Nervosität und den daraus resultierenden Schlafmangel vor den grossen Wettkämpfen erstmals mit einem kleinen Schluck Whisky therapiert. Kurz darauf hat der Riesenslalom-Spezialist in Beaver Creek (USA) seinen ersten Weltcupsieg eingefahren und bei der WM in Saalbach (Ö) Silber gewonnen.

Ausgeschlafen war der Stöckli-Pilot auch an den Renntagen im letzten Winter. Dennoch hat sich der Vize-Weltmeister in der Olympia-Saison nur einmal in den Top 5 klassiert (Rang 4 im Olympia-Riesenslalom). «Als ich im Winter zuvor schnell war, bin ich geradezu spielerisch Ski gefahren. Doch in der letzten Saison hat mir jegliche Geschmeidigkeit gefehlt, ich stand zu verkrampft auf den Ski.»

Und weil er auch körperlich wieder grössere Beschwerden wahrgenommen hat, war für Tumler im Frühling klar: «Ich muss irgendetwas ändern.»

Der heisse Tanz

Um wieder richtig geschmeidig zu werden, hat sich Tumler erneut etwas Besonderes einfallen lassen: Er tanzt seit Neuestem Salsa!

Für den lateinamerikanischen Paartanz hat der bald 37-jährige Riesen-Teamsenior während einer Dienstreise in Argentinien Feuer gefangen. «Ich bin bereits vor ein paar Jahren während eines Trainingscamps in Ushuaia erstmals mit dem Salsa-Tanz in Berührung gekommen. Und als ich mir im Frühling Gedanken gemacht habe, wie ich meine Bewegungen wieder geschmeidiger machen könnte, habe ich mich für einen Salsa-Tanzkurs in Zürich angemeldet.»

Inspiriert von Odermatt

Damit nicht genug: Seit einigen Monaten schwört «TT» auch auf die körperorientierte pädagogische Feldenkrais-Methode. Die Idee dahinter: Mit kleinen und langsamen Bewegungen das eigene Körperbewusstsein und die Beweglichkeit verbessern und Schmerzen reduzieren. Tumler: «Ich wurde schon vor längerer Zeit durch Marco Odermatt und unseren ehemaligen Kondi-Trainer Kurt Kothbauer mit Feldenkrais konfrontiert. Anfänglich habe ich es belächelt, doch dann habe ich erkannt, dass Marco damit grosse Fortschritte erzielt.»

Dass sich diese Methode offensichtlich auch auf Tumler positiv auswirkt, war im September im Trainingscamp im chilenischen El Colorado zu erkennen. «Thomi ist dort konstant sehr stark gefahren», bestätigt Riesenslalom-Cheftrainer Helmut Krug. «Im Gegensatz zur letzten Saison kann ich derzeit wieder viel mehr Fahrten machen, ohne dass mein Rücken blockiert. Ich kann meinen Körper wieder viel besser ansteuern. Das spricht dafür, dass die im Frühling vorgenommenen Änderungen richtig waren», resümiert Tumler.

«Das hat hervorragend funktioniert»

Änderungen hat es auch im Material-Sektor gegeben. «Ich benutze eine neue Bindungsplatte, die in Südamerika sehr gut funktioniert hat. Dasselbe trifft auf die neuen Skimodelle von Stöckli zu. Im letzten Winter hatten wir auf Pisten, die weniger hart waren, Probleme. Nun haben wir in Chile auf weichen und knallharten Unterlagen trainiert. Erfreulicherweise haben unsere Ski unter allen Bedingungen hervorragend funktioniert.»

Nach der erfolgreichen Trainingssession in Südamerika hat Tumler in der Region Valencia (Spanien) ordentlich Sonne für den intensiven Winter getankt. Aus Spanien hat er auch den Hauptdarsteller für einen Abend mit seinen Freunden mitgenommen – einen rund sieben Kilo schweren Schinken vom Iberico-Schwein. «Es hat sich in den letzten Jahren zu einem schönen Ritual entwickelt, dass ich ein paar Wochen vor dem Weltcup-Auftakt in Lachen SZ in der Bodega einen Schinken für meine Kumpels anschneide.» Es spricht viel dafür, dass der im Kanton Schwyz wohnhafte Bündner auch am kommenden Sonntag in Sölden (Ö) äusserst schnittig zu Werke gehen wird.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen