Der grosse Sieger eines brisanten und äusserst langwierigen FIS-Kongresses in Belgrad, Alexander Ospelt (58), erscheint sichtlich erleichtert und gut gelaunt zu seiner ersten Pressekonferenz als neuer Boss des Weltskiverbands. Bei seiner wichtigsten Botschaft gleich zu Beginn wird er aber ernst. Er sagt nach der ultraknappen, mit nur einer Stimme Differenz gewonnenen Wahl gegen Johan Eliasch (65:64): «Wir sind immer noch gespalten.»
Seine Aufgabe werde es nun sein, «zu vereinen», «Freude zu verbreiten» und die FIS «voranzutreiben». Er findet: «Wir müssen unsere Situation deutlich verbessern. Das ist eine Herausforderung, aber für mich in erster Linie auch eine Chance, weil nun jeder mit jedem sprechen wird.»
Der Liechtensteiner, der im Kampf gegen den umstrittenen Konkurrenten Eliasch grosse Ski-Nationen wie die Schweiz, Österreich oder die USA auf seiner Seite hatte, verspricht, er möchte «von sämtlichen Nationen alle Sorgen anhören und verstehen». Gleichzeitig habe er etwa auch Verständnis dafür, dass die Athletinnen und Athleten im Weltcup mehr Preisgeld forderten – auch hier wolle er den Hebel ansetzen.
Bei der Personalie Lehmann bleibt Ospelt vage
All dies spielt ins gleiche Vorhaben rein – ins Grösser- und Attraktivermachen der FIS-Produkte und ins Finden von noch mehr Sponsoren, Investoren und Einnahmequellen. Die FIS soll unter ihm finanziell gesünder werden, als der Kurs zuletzt war. Für Ski alpin, das grosse Aushängeschild, hat er bereits konkrete Ideen: «Es laufen viele Diskussionen. Wir müssen ein TV-Format finden, welches nicht länger als eine Stunde und 50 Minuten geht. Wir müssen die Athleten sichtbarer machen. Wir müssen sie besser promoten. Die Leute wollen Stars sehen.» Hierzu brauche es auch die kleineren Nationen: «Wir müssen noch internationaler werden.» Ein Wettbewerb mit fast ausschliesslich Exponenten aus den grössten Ski-Ländern mache für ihn – auch wirtschaftlich und wachstumsmässig – keinen Sinn.
Zu pikanten Themen, wie der Besetzung des CEO-Postens, nachdem Urs Lehmann letzte Woche zurücktrat, sagt er: «Ich muss zuerst alle Details kennen und vor allem mit unserem eigenen Staff sprechen, bevor ich mich dazu äussern kann.» Und zum Seitenhieb von Eliasch gegen das IOC, der nach seiner Abwahl erklärte, andere hätten versucht, das Resultat der Wahl zu beeinflussen, meint er: «Ich wurde nie mit einem Problem mit dem IOC konfrontiert.»
Ospelt amtete jahrelang als Präsident des Liechtensteinischen Skiverbands und war seit 2024 Council-Mitglied bei der FIS. Er sagt zu seiner Wahl als neuer Boss beim Weltskiverband: «Ich habe mich nie darum gerissen. Aber ich bin einer, der das aus Verantwortung macht. Und ich bin ready.»
Der Rechtsanwalt mit eigener Kanzlei aus Schaan FL wird an der Pressekonferenz auch zu seinem Ski-Hintergrund befragt, woraufhin er antwortet: «Für einen guten Skifahrer hat mein Talent nicht gereicht, aber ich war mal Skilehrer. Und vor allem war ich immer ein grosser Fan von dieser Sportart.» Und dann ergänzt er lachend: «Bei uns in Liechtenstein lernst du Skifahren, bevor dir das Laufen beigebracht wird.»