1. Clément Noël (Fr) 1:43,05
2. Eduard Hallberg (Fi) +0,12
3. Paco Rassat (Fr) +0,37
Die Top-Cracks schenken sich im 1. Lauf nichts – ein Quartett aus der Top-Gruppe klassiert sich innerhalb von 12 Hundertsteln. Und doch liegt es zur Halbzeit nicht in Führung. Mit Startnummer 15 kurvt Tanguy Nef blitzschnell um die Tore und übernimmt sensationell die Führung. Dass er diese nach dem 1. Lauf nicht mehr innehat, liegt am Finnen Eduard Hallberg. Der Drittplatzierte von Levi (Fi) ist mit Startnummer 21 noch einen Hauch schneller als der Schweizer. Die Ausgangslage verspricht viel Spannung.
Und für Nef liegt sein erster Weltcup-Podestplatz in Griffnähe. Doch er kann die gute Ausgangslage nicht nutzen. Nach einem guten Start fällt er immer weiter zurück – und klassiert sich am Ende als bester Schweizer gerade noch in den Top 10. Auch Hallberg kann seine Position nicht verteidigen, fährt als Zweiter aber sein bestes Resultat heraus. Den Sieg schnappt sich Clément Noël, der sich in der Entscheidung noch um zwei Positionen nach vorne schiebt. Sein französischer Landsmann Paco Rassat komplettiert das Podest.
10. Tanguy Nef +0,59
11. Loïc Meillard +0,74
DNF2: Marc Rochat, Daniel Yule
Den 2. Lauf verpassen: 32. Luca Aerni (+1,94), 43. Sandro Simonet (+2,55)
DNF1: Ramon Zenhäusern, Matthias Iten
Im 1. Lauf legt Loïc Meillard gut los, doch dann misslingt ihm der Steilhang. Er handelt sich dort den Grossteil seines Rückstandes ein. So gibts für die Entscheidung nur ein Motto: Angriff total. Der bleibt aber weitestgehend aus. Er kann sich zwar zwischenzeitlich an die Spitze setzen, lange bleibt er dort jedoch nicht. Weil aber die Konkurrenz patzt, macht er dennoch sieben Positionen gut.
Dreimal hat Daniel Yule den Nachtslalom gewonnen, die Piste und die eisigen Bedingungen liegen ihm. Aber im 1. Lauf kommt er damit nur bedingt zurecht. Er büsst 1,33 Sekunden auf die Bestzeit ein. Auch in der Entscheidung läufts nicht besser. Er scheidet aus.
Marc Rochat kommt im 1. Lauf nicht recht auf Touren. Und doch reichts am Ende haarscharf, um sich als 30. für den 2. Lauf zu qualifizieren. Nutzt er die gute Ausgangslage für eine Aufholjagd? Nein, er scheidet aus. Und bleibt damit auch nach fünf Slaloms in diesem Winter ohne Punkte.
Ramon Zenhäusern ist solide unterwegs, dann passierts. Er fädelt ein und scheidet damit aus. Auch Matthias Iten schaffts im 1. Lauf nicht ins Ziel. Derweil fehlen Luca Aerni zwei Zehntel, um sich in den Top 30 zu klassieren. Er verpasst die Entscheidung ebenso wie Sandro Simonet.
Tanguy Nef: «Natürlich ist es ein bisschen schade. Nach dem ersten Lauf war es eine optimale Platzierung. Aber so ist Skifahren. In der Entscheidung hatte ich ein bisschen mehr Kanten unter dem Fuss, das war an einigen Orten vielleicht ein bisschen zu viel. Ich habe nicht mehr so viel Risiko wie im ersten Lauf genommen. Da hatte ich das Gefühl, dass ich zu sehr am Limit war und nicht zwei Läufe so fahren kann, deswegen haben wir die Kanten angepasst. aber ich nehme trotzdem viel Positives mit. Die Kurssetzung hat ein bisschen mehr gedreht, so habe ich den Flow nicht perfekt gefunden.»
Loïc Meillard: «Am Ende ist es nicht das, was ich will. Es ist ein enges Rennen und Kleinigkeiten machen einen Riesenunterschied. Im ersten Lauf habe ich zu viel zu gemacht, der zweite Lauf war sehr unrhythmisch und ich habe nicht so beschleunigt, wie ich es mir gewünscht habe.»
Daniel Yule: «Natürlich bin ich sehr enttäuscht. Ich glaube, es wäre etwas möglich gewesen. Mit der Einstellung bin ich grundsätzlich zufrieden. Im zweiten Lauf habe ich angegriffen, aber es hat leider nicht funktioniert. Aber zumindest waren schnelle Schwünge dabei.»
Tanguy Nef nach dem 1. Lauf: «Ich bin voll motiviert. Wir bereiten uns das ganze Jahr für diesen Monat vor. In den ersten Rennen ist das Gefühl immer ein bisschen komisch, du weisst nie was genau machen. Ich persönlich bin voll in der Saison drin und habe einen vollen Lauf gezeigt, auch wenn nicht alles perfekt war. Ich konnte mein volles Potenzial nützen. Von Loïc (Meillard) habe ich einen kleinen Tipp bekommen. Er hat mir gesagt, ich solle gut auf den Ski arbeiten. Das habe ich in den letzten Tagen schon gemacht und probiert, auf den Ski sauber zu fahren, voll in die Linien. Das ist gut gegangen. Mit dem Grip wars ein paarmal am Limit, aber darum wohl schnell. Der zweite Rang ist genau dort wo du sein musst. Aber das ist nur der halbe Job.»
Loïc Meillard nach dem 1. Lauf: «Es war zu verhalten und zu kontrolliert. Es war langsamer und der Schnee viel einfacher als gedacht. Und wir wissen eigentlich, dass wir auf dieser Piste attackieren müssen. Und da hat es einfach gefehlt. Von der Linie her war ich im Steilhang gut, aber viel zu hoch und zu kontrolliert, damit kommt man nicht vorwärts.»
Filip Zubcic hätte in Madonna di Campiglio ein kleines Jubiläum gefeiert. Es wäre sein zehnter Slalom an diesem Ort gewesen. Wäre – denn der Kroate fehlt in diesem Jahr am Start. «Ich werde nicht in Madonna antreten, weil ich in den letzten Tagen ziemlich krank war und mich für Adelboden erholen möchte», schreibt er bereits am Dienstagabend auf Instagram. Viel zu jubeln hatte er in Madonna bisher nicht. Sechsmal ist Zubcic entweder ausgeschieden oder hat es gar nicht erst in den 2. Lauf geschafft. Sein Bestresultat ist ein 16. Platz, den er 2021 herausgefahren hat.
Die Brandkatastrophe von Crans-Montana VS wirft ihren Schatten auch nach Madonna di Campiglio. Vor dem Start des 1. Laufs wird mit einem Moment des Schweigens den Opfern gedacht. 40 Menschen haben in der Silvesternacht ihr Leben verloren, sechs von ihnen stammten aus Italien. Daneben haben sich 116 Personen teils schwerstverletzt, auch davon kamen zehn aus Italien. Die Schweizer Slalom-Cracks gedenken den Opfern ebenfalls – sie tragen im Rennen Trauerflor.
Es ist bitterkalt in Madonna di Campiglio. Vor dem Start zeigt das Thermometer knackige minus 10 Grad an, im Verlauf des Rennens sinkt die Temperatur weiter. Dank des Flutlichts ist die Sicht perfekt. Die Piste ist hart, stellenweise eisig, die Bedingungen damit nicht einheitlich. Ein Zustand, die dem Norweger Henrik Kristoffersen nicht passt. Im SRF-Interview sagt er nach Platz 4 im 1. Lauf: «Schade, dass man die Bedingungen so inkonstant macht. Glatt, aggressiv, glatt, aggressiv. Es ist so unnötig.»
Die Reise geht weiter in Berner Oberland. Am Samstag steht in Adelboden ein Riesenslalom (1. Lauf 10.30 Uhr) auf dem Programm, am Sonntag soll der nächste Slalom (1. Lauf 10.30 Uhr) über die Bühne gehen – sofern das Wetter mitspielt. Denn am Chuenisbärgli droht erneut ein Wetter-Chaos.


