Gelingt Ski-Talent Grob der grosse Durchbruch?
«Habe immer wieder aufs Dach bekommen»

Acht Medaillen bei den Junioren, grosse Erwartungen, Rückschläge. Und dann doch der Befreiungsschlag. Stefanie Grob (22) schaut bei einem Spaziergang auf der Ebenalp zurück. Was bringt der nächste Winter?
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Mathias GermannReporter Sport

Sie reist und reist. Mit dem Auto oder dem Flugzeug. «Und manchmal wird mir dabei schlecht», sagt Stefanie Grob. Umso glücklicher ist sie, wenn sie daheim ist. Ebenalp statt Karibik, Appenzell statt Strand. Hier, an ihrem Hausberg, fühlt sie sich am wohlsten. «Wandern mit Freunden und Familie, kein Handyempfang, nur Natur. Das geniesse ich», sagt sie. Und ergänzt lachend: «Ausser am Wochenende. Da sind mir zu viele Leute hier.»

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Stefanie Grob hat am Ende des letzten Winters einen Befreiungsschlag feiern können.
Foto: URS BUCHER

Wir treffen die 22-jährige Appenzellerin aus Weissbad im Sommer. Nach einem kurzen Marsch finden wir problemlos einen Platz im Äscher beim berühmten Wildkirchli. Wo sonst Horden von Touristen Selfies machen und ihre Instagram-Kanäle füllen, ist es heute entspannt. So sehr, dass sogar ein Huhn auf Grobs Sitzbank flattert und sich neugierig umschaut. «Es ist wunderschön. Hier kann ich entspannen.» Und sowieso: «Zu grosse Wärme mag ich gar nicht. Deshalb bleibe ich meist daheim. Badeferien am Meer sind nichts für mich», sagt Grob.

Acht Medaillen bei den Juniorenweltmeisterschaften

Berge statt Meer – auch im Sommer. Wirklich kühle Temperaturen hat sie in diesem Hitzesommer allerdings auch in ihrer Heimat nur selten gefunden. Umso wichtiger, dass bald der Winter beginnt. Dann ist Grob in ihrem Element. In der kommenden Saison könnte ihr endgültig der Durchbruch in die Weltspitze gelingen. Lange hat sie darauf hingearbeitet. Geschafft hat sie ihn noch nicht ganz.

Dabei waren die Erwartungen an die 1,58 Meter grosse Athletin gross. Dreimal Gold, viermal Silber, einmal Bronze: Bei den Juniorenweltmeisterschaften räumte sie ab. «Mir war immer klar, dass der Weltcup eine andere Hausnummer ist», sagt sie. Doch dass sie 28 Rennen brauchen würde, um erstmals zu punkten – damit hatte sie auch nicht gerechnet. «Ich habe immer versucht, Niederlagen wegzulegen. Aber im ersten Moment war es schon frustrierend. Immer wieder bekam ich aufs Dach.»

Sie wurde auf einmal besser und besser

Die Olympischen Spiele verpasste Grob. Sie hatte keine guten Resultate und keine Argumente. Kurz danach klappte es aber. Am 28. Februar fuhr sie im Super-G von Soldeu (And) auf Rang 26. «Eine Erlösung», sagt sie. Und ein Befreiungsschlag. In den folgenden fünf Weltcuprennen erreichte sie die Plätze 23, 23, 18, 10 und 17, bei den Schweizer Meisterschaften holte sie zudem den Abfahrtstitel. «All das war richtig cool. Und der Beweis, dass sich meine Arbeit endlich auszahlt.»

Zurück auf die Ebenalp. Nach der Stärkung in der Beiz laufen wir zur Gondel. Grob schaut den vielen Gleitschirmfliegern zu, die hier starten. «Das wäre nichts für mich», erzählt sie. Flugangst habe sie aber nicht – ausser ab und zu auf den Ski. «Wenn wir 40 Meter weit springen, macht mir das zuweilen Mühe. Oder wenn das Tempo extrem hoch ist.»

Grob kommt vom Riesenslalom und gehört auch in der Weltcupgruppe 2 von Swiss-Ski zu den Technikerinnen – obwohl sie im kommenden Winter einen Weltcup-Fixplatz in der Abfahrt hat. «Ich sage auch manchmal, dass ich vor etwas Angst habe. Das ist eigentlich nicht schlimm. Gefährlich wird es eher, wenn man die Spannung verliert. Aber das passiert mir nur noch ganz selten. Ich konzentriere mich stärker darauf, was ich machen muss.»

Riesenslalomfahrerin mit Fixplatz in der Abfahrt

Wir fahren mit der Bahn ins Tal. Grob will ihr neues Selbstbewusstsein mit in den Winter nehmen. Beim Saisonauftakt in Sölden am 24. Oktober möchte sie punkten. «Heute weiss ich, dass ich einen guten Grundspeed habe. Die Linie muss nicht immer perfekt sein. Wenn ein Fehler passiert, mache ich einfach weiter.»

So, wie sie es immer gemacht hat. Auch dann, als es schlecht lief. Die Kraft dafür tankte sie daheim im Appenzell. Das wird wohl immer so bleiben. «Ich könnte nie in einer Grossstadt leben. Da wäre ich überfordert», sagt Grob und schmunzelt. Dann schaut sie auf die Berge um sich herum. «Besser als hier ist es für mich nirgends.»

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