Stuhec gewinnt Gröden-Abfahrt – Flury glänzt als Vierte
Gisin: «Es war sehr schwierig für mich»

Erstes Rennen für Michelle Gisin nach dem fürchterlichen Sturz von Bruder Marc. Und sie schlägt sich in Gröden (It) angesichts der Umstände wacker, holt Punkte. Beste Schweizerin: Jasmine Flury auf Rang 4. Der Sieg geht an Rückkehrerin Ilka Stuhec (Slo).
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Mathias Germann
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Michelle Gisin übersteht die Fahrt auf der Gröden-Piste, wo ihr Bruder Marc am Samstag stürzte.
Foto: AFP

Die Top 3

(Stand nach 30 Fahrerinnen)
1. Ilka Stuhec (Slo) 1:22,81 Sekunden
2. Nicol Delago (It) +0,14
3. Ramona Siebenhofer (Ö) +0,51

Die Schweizerinnen

Wie wird Michelle Gisin nach dem brutalen Sturz ihres Bruders reagieren? Diese Frage stellen sich viele. Und für einmal ist das Resultat (18.) zweitrangig, die Engelbergerin überwindet sich und kommt heil ins Ziel. «Es war sehr, sehr schwierig für mich. Vor allem am Montag in den Trainings. Heute war es besser und ich hoffe, das war eine Art Versöhnung unserer Familie mit dieser Strecke», so Gisin im Ziel. Beste Schweizerin wird etwas überraschend Jasmine Flury – der Bündnerin gelingt mit Rang 4 der so ersehnte Befreiungsschlag. Nach dem Sieg vor einem Jahr beim Super-G in St. Moritz GR ist es das zweitbeste Resultat ihrer Karriere.

Solide, mehr aber auch nicht, fährt dagegen Lara Gut-Behrami (8.) – für sie bietet die Strecke zu wenige technische Schwierigkeiten. Corinne Suter (17.) verliert als Super-Gleiterin schon oben zu viel Zeit, in der Ciaslat-Wiese stellt sie zudem den Ski quer – kein gutes Rennen. Priska Nufer (20.) zeigt eine erfreuliche Leistung, sie versucht sich mit kleinen Schritten der Weltspitze zu nähern. Joana Hählen (23.) hat dagegen wegen ihrer geringen Grösse (1.56 m) klare Nachteile auf dieser Strecke. Keine Weltcuppunkte gibts für Jasmina Suter (35.) und Rahel Kopp (36.).

So lief das Rennen

Mit der Nummer 7 startet Ramona Siebenhofer ins Rennen – und setzt neue Massstäbe. Nach überragenden Trainings wird sie ihrer Favoritenrolle gerecht und fährt die klare Bestzeit und hofft auf ihren ersten Weltcupsieg. «Geht es überhaupt noch schneller?», fragen sich viele. Die Antwort kommt bei der Fahrt von Ilka Stuhec: Ja! Nach ihrem Kreuzbandriss präsentiert sich die Weltmeisterin von 2017 in überragender Verfassung, glänzt mit einer tollen Startzeit und bringt den Sieg ins Trockene. Nur einmal muss Stuhec danach noch zittern, als Lokalmatadorin Nicol Delago nahe herankommt.

Das gab zu reden

Während rund einer Minute, also zwei Dritteln der Zeit, sind die Fahrerinnen in der Hocke. Viel zu viel, meinen einige. Dazu gibt es kaum technische Schwierigkeiten, weil die schwierigsten Stellen abgetragen wurden. Anna Veith (Ö) sagte schon vor dem Rennen: «Sie trauen uns nichts zu.» Auch Corinne Suter schlägt nach ihrer Fahrt in eine ähnliche Kerbe: «Im Vergleich zu den Herren ist es gar nichts, was wir hier fahren.» Trotzdem habe sie Spass daran gehabt, so die Schwyzerin.

Die Bedingungen

Kalte Temperaturen rund um minus 8 Grad. Dazu Sonne pur. Aber nicht auf der Strecke! Wie bei den Männern befindet sich praktisch die ganze Saslong im Schatten. Kein Problem für die Fahrerinnen, die einen harten Schneeteppich vorfinden.

So gehts weiter

Am Mittwoch steigt in Gröden mit dem Super-G (11 Uhr) ein weiteres Speed-Rennen.

Der Weltcupstand

Gesamtweltcup
1. Shiffrin (USA) 689
2. Gisin 309
3. Schmidhofer 279

Abfahrt
1. Schmidhofer 226
2. Stuhec 158
3. Gisin 153

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