Das Podest
1. Daniel Yule (Sz) 1:41,50
2. Marco Schwarz (Ö) +0,12
3. Clément Noel (Fra) +0,37
Das Rennen
«Es ist unglaublich. Hier zu gewinnen, ist ein Highlight. Es gibt nichts Grösseres. Es freut mich riesig, jetzt eine goldene Gams zuhause zu haben.» Daniel Yule kanns kaum fassen, was ihm gerade gelungen ist. Der Schweizer fährt dank einem unfassbaren zweiten Lauf in Kitzbüehl ganz oben aufs Podest – und das, obwohl er beinahe noch ausscheidet! Doch bei seinem Fehler verliert er nicht etwa Zeit, sondern baut den Vorsprung sogar noch aus. Was hier genau passiert, versteht wohl keiner so genau. Zum ersten Mal seit 52 Jahren gewinnt wieder einmal ein Schweizer den Slalom von Kitzbühel.
Yule überglücklich: «Daran hätte ich nicht im Traum gedacht. Auch wenn ich stark bin und schon zweimal in diesem Winter gewonnen habe, geht das nicht von selbst. Es ist unglaublich, dass es so aufgeht. Denn die Konkurrenz ist extrem stark.» Ein Blick auf das Resultat untermauert seine Aussage. Ganze zwölf Fahrer liegen am Ende innerhalb einer Sekunde. Was für eine Leistungsdichte!
Der zweite Lauf sorgt für viel Spannung. Längst nicht alle, die im ersten Lauf noch vorne mit dabei waren, sind es auch im zweiten Durchgang. Für eine Überraschung sorgt der Italiener Giuliano Razzoli, der erst vor zwei Tagen seine Skimarke wechselte – und sich trotz fehlendem Training auf den neuen Brettern vorübergehend an die Spitze setzt.
Dann aber kommt Clément Noel. Der Franzose erwischt einen schwachen ersten Lauf, muss sich im zweiten Durchgang deutlich steigern – und tut das souverän. Noel fährt vorübergehend auf Rang 1, verweist die Konkurrenz auf die hinteren Ränge. Enttäuschend endet das Rennen für Alexis Pinturault, der im Kampf um den Gesamtweltcup einen empfindlichen Rückschlag hinnehmen muss: Er scheidet im zweiten Durchgang nach einem Einfädler aus.
Am Schluss ist noch einmal Spannung angesagt: Marco Schwarz übernimmt vor heimischem Publikum die Führung, sichert den Ösis damit mindestens einen Podestplatz. Dann kommt Yule, setzt sich an die Spitze – und muss noch einmal kurz zittern. Denn der Überraschungsmann aus Norwegen, Lucas Braathen (19), fährt angriffig. Schlussendlich kostet ein Fahrfehler aber Zeit. Braathen fährt auf Rang 4 – und lässt die Schweizer Delegation im Stangenwald jubeln.
Im Slalom-Weltcup liegt er als Zweiter nur noch 17 Punkte hinter Henrik Kristoffersen (No). «Daran denke ich nicht. Noch nicht», sagt er schmunzelnd.
Teamkollege Ramon Zenhäusern nennt Yules Siegesgeheimnis. «Die schottische Mentalität macht Dani so stark », sagt er schmunzelnd.
Die Schweizer
Daniel Yule: Platz 1. Der erfolgreichste Fahrer der Schweizer Slalom-Geschichte (4 Siege) zeigt einen Blitzstart. Zwar verliert er im ersten Durchgang etwas Zeit, ansonsten passt aber alles. Vom Start des ersten bis zum Ziel des zweiten Laufs. Der erste Slalom-Sieger aus der Schweiz in Kitzbühel seit 52 Jahren ist Tatsache. «Es ist unglaublich, was genau hier passiert ist. Man kann natürlich von einem Sieg hier träumen, aber dass es am Ende so aufgeht, ist unglaublich», erklärt Yule gegenüber SRF.
Reto Schmidiger: Platz 9 (+0,79). Was für ein Rennen von Reto Schmidiger! Der 27-Jährige schafft mit einem starken ersten Durchgang den Sprung in die Top 30 – und fährt auch dort gut mit! Schlussendlich reicht es für Rang 9.
Ramon Zenhäusern: Platz 11 (+0,93). Nach seinem Fehler im ersten Lauf reicht es für den Walliser nicht mehr für die ganz vorderen Plätze. Auch im zweiten Durchgang läuft es Zenhäusern nicht wie gewünscht, er verliert mit kleineren Fehlern immer wieder Zeit. Zu SRF meint er: «Definitiv war das schon einfacher. Ich habe den Ski nicht richtig gespürt, das war sicherlich kein Vorteil. Ich konnte die ganze Woche nicht trainieren wegen dem Rücken. Schlussendlich hats einfach nicht gepasst.»
Loic Meillard: Platz 32. Da scheint die Handbremse im Unterbewusstsein noch etwas mitzufahren. Mit seiner eher breiten Skiführung entwickelt Meillard nicht den Speed der anderen. Noch nicht?
Tanguy Nef: Ausgeschieden. Starke Leistung von Tanguy Nef. Er fährt ganz vorne mit, schafft es im ersten Durchgang sogar in die Top 10. Doch der zweite Lauf endet in einer Enttäuschung: Nef fädelt ein und scheidet aus.
Sandro Simonet, Luca Aerni und Marc Rochat schaffen es nicht in den zweiten Lauf.
Das gab zu reden
In seinem 16. Weltcuprennen sorgt der flinke Elch Lucas Braathen für ein Highlight – zumindest im ersten Lauf. Er deklassiert die Gegner angesichts der knappen Abstände beinahe. Das bisher beste Weltcupresultat für den Teenager ist Platz 6 (Zagreb). Schlussendlich reicht es für Rang 4.
Die Bedingungen
Für die Schweizer sind die Bedingungen gut. Sie erwischen im ersten und zweiten Lauf eine harte, aber nicht vereiste Piste. Zudem wird der zweite Durchgang vom Schweizer Slalomtrainer gesteckt.