Das Podest
1. Vincent Kriechmayr (Ö) 1:50,73
2. Marco Odermatt (Sz) +0,34
3. Beat Feuz (Sz) +0,54
Das Rennen
Beat Feuz legt mit der Nummer 1 eine starke Zeit vor, Mitfavorit Ryan Cochran-Siegle ist mit der 2 über eine Sekunde langsamer. Dann die grosse Entscheidung um die kleine Abfahrts-Kugel: Aleksander Aamodt Kilde, der in der Abfahrts-Gesamtwertung 23 Punkte vor dem Kugelblitz liegt, kann beim ersten Sprung einen Sturz nur mit Glück abwenden. Bei der letzten Zwischenzeit liegt der Norweger trotz dieses Start-Schockers sieben Hundertstel vor Feuz, im Ziel ist er dann aber drei Zehntel hinten. Nun bräuchte der Emmentaler für die fünfte Kugel in Serie möglichst viele Athleten, die zwischen ihn und Kilde hineinfahren. Aber stattdessen fahren zwei Top-Shots vor Feuz. Zuerst ist es der neue Gesamtweltupsieger Marco Odermatt, der die Zeit von seinem Teamkollegen knackt. Und dann meldet sich der amtierende Abfahrts- und Super-G-Weltmeister Vincent Kriechmayr in eindrücklicher Manier zurück. Der Österreicher, der sich nach seinem umstrittenen Sieg am Lauberhorn in Kitzbühel, bei den Olympischen Spielen und in Kvitfjell auschliesslich hinterher gefahren ist, übernimmt die Spitze mit einem Vorsprung von 34 Hundertstel. Pech für Feuz: Kilde bleibt unmittelbar hinter ihm an vierter Stelle, damit gewinnt der 29-Jährige die Kugel in der Königsdisziplin mit 13 Punkten Vorsprung.
Der Stand im Abfahrts-Weltcup
1. Aleksander Aamodt Kilde (No) 620 Punkte
2. Beat Feuz 607 P.
3. Dominik Paris (It) 522 P.
4. Marco Odermatt 517 P.
Der Stand im Gesamt-Weltcup
1. Marco Odermatt 1459 Punkte
2. Aleksander Aamodt Kilde 1100 P.
3. Henrik Kristoffersen (No) 874 P.
...
5. Beat Feuz 794 P.
Das gab zu reden
Kvitfjell-Sieger Niels Hintermann springt nach einer vielversprechenden Zwischenzeit die Bindung auf und muss auf einem Ski sein ganzes akrobatisches Können abrufen, um in diesem steilen Terrain einen Crash zu verhindern. Der Zürcher lässt seinem Frust mit einem lauten «Fuck, Man»-Schrei freien Lauf.
Die Stimmen
Feuz zu SRF: «Ich wollte eigentlich die Startnummer 3 haben, aber weil Kilde vor mir wählen durfte und sich die 3 geschnappt hat, habe ich die 1 gewählt. Ich habe viel Risiko genommen und bis auf einen Sektor ist mir eine bombastische Fahrt gelungen! Ich bin dort zu gerade hineingefahren, musste danach zu stark driften. Das haben Kriechmayr und Odermatt viel besser gemacht. Klar, irgendwo wäre die Kugel in Reichweite gewesen. Ich habe sie in einem sehr technischen Sektor verloren, der mir als Abfahrer eben nicht besonders liegt. Aber: Das Kilde nun die Kugel gewonnen hat, passt für mich. Ich habe bei Olympia-Gold gewonnen, Kilde nicht. Diesmal hatte er das Glück auf seiner Seite. Somit ist alles Okay. Wir Abfahrer sind wie eine Familie.»
Marco Odermatt zu SRF: «Ich habe gemischte Gefühle. Ich habe mir vor dem Start vorgenommen, dass ich zwischen Beat und Kilde hineinfahre. Ich wollte ihm im Kampf um die kleine Kugel unbedingt helfen, leider ist mir das nicht geglückt. Ich habe mich in der Zwischenzeit schon 20 Mal bei ihm entschuldigt. Wenn ich ein paar Hundertstel langsamer gefahren wäre, hätte es gereicht für Beat. Das ich die Kugel nun auch mathematisch auf sicher habe, ist zwar schön. Mir war aber schon nach Kranjska Gora klar, dass Kilde beim Finale nicht drei Siege und ein Top-Platz im Slalom einfahren wird.»
Aleksander Aamodt Kilde im ORF: «Ich habe bis zum Ende gezittert, es war unglaublich dramatisch. Als ich im Ziel als Zweiter hinter Feuz abgeschwungen habe, habe ich gesagt: ‹Gratuliere Beat, jetzt hast du es geschafft›. Aber zum Glück ist niemand mehr zwischen uns gefahren. Es war ein richtig geiler Kampf bis zum Schluss. Und ich hatte Glück, dass ich nicht beim ersten Sprung gestürzt bin. Da habe ich vor lauter Schreck das Herz im Hals schlagen hören.»
Die Bedingungen
Über der Piste, die extra für die WM im kommenden Winter angefertigt wurde, scheint die Sonne. Weil es im französischen Nobelskiort entsprechend warm ist, wählen die Favoriten für das Sulzschnee-Derby tiefe Startnummern. Die grosse Schwierigkeit für die klassischen Abfahrer: Der Kurs dreht Abschnittsweise sehr stark, es wurden sieben Doppelrechts-Kurven eingebaut.
So gehts weiter
Schon am Donnerstag steigen die Speed-Spezialisten wieder in den Renndress. Beim Weltcupfinal in Courchevel steht der Super-G (11.30 Uhr) auf dem Programm.