Das Podest
1. Mikaela Shiffrin (USA) 1:28,84
2. Sofia Goggia (It) +0,15
3. Federica Brignone (It) +0,17
Das Rennen
Am Freitag fährt Sofia Goggia im Super-G in einer eigenen Liga. Auch am Samstag ist die italienische Speed-Queen Favoritin auf den Sieg. Doch sie muss einer anderen den Vortritt lassen: Mikaela Shiffrin. Die beiden liefern sich ein packendes Duell, am Ende ist die Amerikanerin 15 Hundertstel schneller. Für Shiffrin ist es der insgesamt 91. Weltcupsieg, der dritte in dieser Saison, aber erst der vierte in der Abfahrt. Davor gewann sie in der Königsdisziplin 2017 in Lake Louise (Ka), 2020 in Bansko (Bul) und 2022 in Courchevel/Méribel (Fr).
Das Podest wird von Goggias Landsfrau Federica Brignone komplettiert. Insgesamt sind die Abstände gering. Waren am Freitag Siegerin und Zweitplatzierte durch 95 Hundertstel getrennt, liegen heute 14 Athletinnen innerhalb von neun Zehnteln.
Nach Startnummer 35 wird das Rennen vorzeitig beendet. Der Grund: Die schlechter werdenden Bedingungen mit Wind und eingeschränkter Sicht. 21 Athletinnen, darunter die Schweizerin Jasmina Suter, werden nicht mehr auf die Piste gelassen. Trotz Abbruch wird das Rennen offiziell gewertet, da die erforderliche Anzahl von 30 Athletinnen gefahren ist.
Die Schweizerinnen
8. Michelle Gisin +0,64
11. Corinne Suter +0,70
13. Lara Gut-Behrami +0,89
17. Priska Nufer +1,09
18. Jasmine Flury +1,17
19. Delia Durrer +1,26
25. Joana Hählen +1,65
30. Juliana Suter +2,64
DNS Jasmina Suter
Mit Startnummer 17 zeigt Michelle Gisin eine starke Fahrt. Ganz nach vorne reichts zwar für sie nicht, aber Gisin wird mit einer Top-10-Klassierung belohnt. Und ist am Ende die beste Schweizerin.
Die Fahrt von Lara Gut-Behrami sieht sauber aus. Aber schnell ist sie nicht. Vor allem oben handelt sie sich einen grossen Rückstand ein. Unten raus kann sie zwar an Boden gutmachen, doch nicht genug, um ganz vorne mitzumischen.
Corinne Suter zeigt einen starken Start. Über weite Strecken ist sie voll dabei. Doch vor allem im Mittelabschnitt kann sie nicht mehr mit den Schnellsten mithalten. Dort handelt sie sich den entscheidenden Rückstand ein. Auch sie verpasst das Podest klar.
Starker Auftritt von Delia Durrer. Nur ein Abschnitt gelingt ihr nicht so gut, ansonsten zeigt sie eine gute Fahrt. Wie schon am Freitag gibts für sie Weltcuppunkte.
Im Februar hat sich Jasmine Flury überraschend zur Abfahrtsweltmeisterin gekrönt. Im Weltcup konnte sie in dieser Disziplin noch nie gewinnen. Das ändert sich auch in St. Moritz nicht. Mit Startnummer 11 geht sie ins Rennen und reiht sich, als sie ins Ziel kommt, kurzzeitig am Ende der Rangliste ein.
Am Freitag fuhr Priska Nufer auf Platz 26. Auch in der Abfahrt kann sie sich nicht steigern. Ohne grossen Fehler verliert sie viel Zeit. Gleiches gilt für Joana Hählen. Sie kann nicht an Platz 13 im Super-G anknüpfen, sondern büsst ebenfalls viel Zeit ein.
Im Super-G ist Juliana Suter ausgeschieden. In der Abfahrt schafft sies mit grossem Rückstand ins Ziel. Weil das Rennen vorzeitig abgebrochen wird, reichts als 30. für einen Weltcuppunkt.
Die Bedingungen
Kein Vergleich zum Freitag. War es während des Super-G neblig und schneite leicht, präsentiert sich das Wetter für die Abfahrt von seiner schönsten Seite. Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt, blauer Himmel und Sonnenschein – an sich perfekte Bedingungen. Vor allem am Start oben weht teilweise aber ziemlich starker Wind. Gut möglich, dass er mitverantwortlich dafür ist, dass die eine oder andere oben etwas viel Zeit liegen lässt. Und plötzlich ist alles anders. Der Wind wird stärker, Nebel zieht auf und verschlechtert die Sicht. Für die Fahrerinnen wirds zu gefährlich, nach Startnummer 35 wird das Rennen abgebrochen.
Das gab zu reden
Die bisherige Saisonbilanz von Lara Gut-Behrami ist beeindruckend. In fünf Rennen fuhr sie viermal aufs Podest – zwei Siege, je ein zweiter und dritter Platz. Das schlechteste Resultat bisher: Platz 5 im ersten Riesenslalom von Mont-Tremblant (Ka). In der ersten Abfahrt des Winters kommt die Tessinerin nicht auf Touren. Zwar fährt sie ohne Fehler Richtung Ziel, büsst aber dennoch viel Zeit ein. Und realisiert so ihr bisher schlechtestes Resultat des Winters.
Das gab zu reden II
Die Französin Laura Gauche kommt im Ziel zu Fall. Sie ist mit so viel Tempo unterwegs, dass ein Kameramann nicht mehr rechtzeitig ausweichen kann. Er wird von ihr umgesäbelt. Während die Fahrerin in die Werbebande rutscht, rappelt er sich sofort wieder auf und kümmert sich in der Folge um sie. Es hat Gauche aber nichts gemacht, sie steht wenig später auch wieder auf.
Das gab zu reden III
Das österreichische Verletzungspech geht weiter. Am Freitag stürzte Nina Ortlieb (27) schwer, zog sich einen Schien- und Wadenbeinbruch zu. Am Samstag ist es Elisabeth Reisinger (27), die mit Startnummer 31 crasht. In der Klinik Gut in St. Moritz stellen die Ärzte mittels MRI einen Kreuzbandriss im rechten Knie fest, wie Ski Austria mitteilt. Für die Speed-Spezialistin (bestes Weltcup-Ergebnis Rang 6) bedeutet dies das Saisonende.
Die Stimmen gegenüber SRF
Michelle Gisin: «Im Grossen und Ganzen wars eine sehr solide Fahrt. Ich hatte Glück mit den Hundertsteln, es ist wahnsinnig eng heute. Vor allem oben habe ich mich etwas verkrampft, das ist das Problem, dass ich nicht überall ganz fein durchkomme. Als ich auf dem Sessellift war, hab ich Shiffrin im Mittelteil fahren gesehen. Es war perfekt, ich wollte es gleich machen, denn ich habe gedacht ‹wow, das muss gut sein›. Auch im unteren Abschnitt hat sies in der Hocke weitergezogen. Ich habe dann mit jemandem, der dort postiert ist, gefunkt, um zu wissen, wie sie da so reingefahren ist. Ich habs gleich probiert, und der Mittelteil hat bei mir dann schon gepasst.»
Lara Gut-Behrami: «Die Fläche oben war heute ganz anders als gestern. Es braucht etwas Zeit, bis alles zusammenkommt. Ich bin in der Fläche einfach nicht vom Fleck gekommen. Ich suche schon während meiner ganzen Karriere, was ich dort besser machen kann. Ich war noch nie schnell in der Fläche. Im Super-G bin ich in der Fläche schneller, deshalb bin ich trotzdem zuversichtlich für morgen.»
Corinne Suter: «Es war ganz okay, ist aber noch nicht das, was ich kann. Ich hatte gute Passagen in der Fahrt, aber in der Mitte verliere ich immer noch ziemlich viel Zeit. Ich konnte den Speed nicht von oben bis unten mitnehmen, an zwei Stellen habe ich ihn etwas abgewürgt.»
Priska Nufer: «Ich bin mittelmässig zufrieden. Ich hatte kleine Fehler in der Fahrt, aber die machen viel aus. Denn der Schnee ist einfach zu fahren, ist eine Spur aggressiver und da kosten die Fehler recht viel Zeit.»
Mikaela Shiffrin: «Es ist sehr eng, selbst für die Top 10 und nicht nur ganz vorne. Ich hatte perfekte Bedingungen, alles war angerichtet, um Gas zu geben. Es hat mir geholfen, dass ich hier schon letztes Jahr gefahren bin. Ich bin zufrieden, wenn ich auf dem Podest lande. Aber wenn es für den Sieg reicht, ist es umso besonderer.»
So gehts weiter
Am Sonntag findet das Speed-Wochenende in St. Moritz seinen Abschluss. Auf dem Programm steht ein zweiter Super-G (10.30 Uhr). Die nächste Abfahrt bestreiten die Athletinnen kommenden Samstag in Val d'Isère (Fr). (bir/sme)