Das Podest
1. Henrik Kristoffersen (No) 1:51,18
2. Loïc Meillard (Sz) +0,20
3. Lucas Braathen (No) +0,49
Das Rennen
Loïc Meillard lässt die Ski-Schweiz zur Halbzeit vom ersten Heimsieg beim Wengen-Slalom seit 36 Jahren träumen. Der Neuenburger fährt überragend, distanziert die Konkurrenz um fast eine halbe Sekunde. Der Druck, der vor dem Start am Nachmittag auf seinen Schultern lastet, muss immens sein.
Er hält ihm beinahe stand. Meillard liefert sich von oben bis unten ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Henrik Kristoffersen. Dieser hat einen entfesselten 2. Lauf gezeigt – auf dem Kurs, den der norwegische Trainer gesteckt hat. Und entscheidet so das Duell mit dem Schweizer knapp für sich. «Immer diese Norweger!», denkt man sich als Schweizer Ski-Fan. In den beiden Speed-Rennen hat Aleksander Aamodt Kilde jeweils den Heimsieg verhindert, nun ist es einer seiner Landsmänner. Für Kristoffersen ist es ein kleines Jubiläum, er feiert seinen 30. Weltcup-Sieg und den dritten Sieg im Wengen-Slalom. Das Podest wird von Vorjahressieger Lucas Braathen komplettiert.
Die anderen Schweizer
9. Ramon Zenhäusern +2,86
11. Daniel Yule +3,19
16. Sandro Simonet +4,10
17. Marc Rochat +4,18
25. Luca Aerni +5,06
DNF 1. Lauf
Tanguy Nef
Fadri Janutin
Noel von Grünigen
Im Vergleich zum 1. Lauf kann sich Daniel Yule nicht steigern. Er hat mit den Bedingungen zu kämpfen, kommt nicht recht auf Zug. Letztlich reichts knapp nicht mehr für einen Platz unter den besten Zehn.
Ramon Zenhäusern startet solide in den 2. Lauf, ist oben gut unterwegs. Doch dann wird er leicht ausgehebelt, das wirft ihn aus dem Rhythmus, aber nicht aus dem Rennen. Er kämpft sich ins Ziel und knackt am Ende die Top 10.
Erfolgserlebnis für Sandro Simonet. Im fünften Anlauf qualifiziert er sich erstmals in dieser Saison für den 2. Lauf. Er zeigt eine souveräne Fahrt, macht einen schönen Sprung nach vorne und holt nicht nur die ersten Punkte des Winters, sondern auch die ersten nach seinem im letzten März erlittenen Kreuzbandriss. «Ich bin sehr zufrieden, das ist eine grosse Erleichterung», sagt er gegenüber SRF.
Mit dem Schneefall kommt Luca Aerni nicht zurecht. Er tut sich schwer, kommt nicht auf Zug und fällt zurück.
Solider Auftritt von Marc Rochat. Nach seinen beiden Top-10-Klassierungen in Garmisch-Partenkirchen (De) und Adelboden punktet er zum dritten Mal in Folge.
Einem Schweizer Trio läufts zu Hause nicht rund. Tanguy Nef, Fadri Janutin und Noel von Grünigen scheiden im 1. Lauf aus. Ein Schicksal, das sie mit vielen anderen Fahrern teilen. Von 71 Athleten scheiden am Morgen 30 aus.
Das gab zu reden I
Vor 36 Jahren hat mit Joël Gaspoz letztmals ein Schweizer den Slalom am Lauberhorn gewonnen. Die Bilanz seither? Viermal Platz 2 – Paul Accola 1992, Michael von Grünigen 1995 und 1999 sowie Daniel Yule 2022. Und diese Serie setzt Loïc Meillard nahtlos fort. Die Schweiz muss mindestens ein weiteres Jahr auf den nächsten Wengen-Slalom-Sieger warten.
Das gab zu reden II
Knapp zwei Jahre ist es her, seit Sebastian Foss-Soleevag überraschend Slalom-Weltmeister wurde. Nun steht die Mission Titelverteidigung kurz bevor – und der Norweger kommt nicht auf Touren. Im fünften Slalom scheidet er in diesem Winter zum vierten Mal aus. Wie vor einer Woche in Adelboden muss er nach dem 1. Lauf die Segel streichen, davor brachte er zweimal den 2. Lauf nicht ins Ziel. Sein einziges Resultat: Platz 16 in Madonna di Campiglio (It).
Slalom-Wertung (nach 5 von 10 Rennen)
1. Henrik Kristoffersen (No) 320 Punkte
2. Lucas Braathen (No) 310 Punkte
3. Manuel Feller (Ö) 241 Punkte
4. Daniel Yule (Sz) 234 Punkte
5. Loïc Meillard (Sz) 222 Punkte
Gesamtweltcup (nach 20 von 39 Rennen)
1. Marco Odermatt (Sz) 1186 Punkte
2. Aleksander Aamodt Kilde (No) 846 Punkte
3. Henrik Kristoffersen (No) 665 Punkte
4. Vincent Kriechmayr (Ö) 532 Punkte
5. Lucas Braathen (No) 525 Punkte
Nationencup (nach 41 von 78 Rennen)
1. Schweiz 6278 Punkte
2. Österreich 4700 Punkte
3. Norwegen 3710 Punkte
4. Italien 3391 Punkte
5. USA 2338 Punkte
Slalom-Wertung (nach 5 von 10 Rennen)
1. Henrik Kristoffersen (No) 320 Punkte
2. Lucas Braathen (No) 310 Punkte
3. Manuel Feller (Ö) 241 Punkte
4. Daniel Yule (Sz) 234 Punkte
5. Loïc Meillard (Sz) 222 Punkte
Gesamtweltcup (nach 20 von 39 Rennen)
1. Marco Odermatt (Sz) 1186 Punkte
2. Aleksander Aamodt Kilde (No) 846 Punkte
3. Henrik Kristoffersen (No) 665 Punkte
4. Vincent Kriechmayr (Ö) 532 Punkte
5. Lucas Braathen (No) 525 Punkte
Nationencup (nach 41 von 78 Rennen)
1. Schweiz 6278 Punkte
2. Österreich 4700 Punkte
3. Norwegen 3710 Punkte
4. Italien 3391 Punkte
5. USA 2338 Punkte
Dabei sind die Norweger im Slalom eine Macht. Seit den Olympischen Spielen in Peking letztes Jahr haben sie sieben der acht Slaloms gewonnen. Einzig Daniel Yule konnte ihre Dominanz durchbrechen. Daran ändert sich auch in Wengen nichts, sie bauen die Bilanz auf acht von neun aus.
Das gab zu reden III
Der Italiener Alex Vinatzer zeigt einen entfesselten 2. Lauf. Er macht damit drei Positionen gut und wird Zehnter. Doch nicht mit dem Resultat sorgt er für Aufsehen – sondern mit seinem Jubel bei der Zieleinfahrt. Vinatzer macht den Ronaldo.
Die Stimmen (gegenüber SRF)
Loïc Meillard nach dem 2. Lauf: «Der 2. Lauf war mehr für die Norweger gesteckt, mit mehr Platz und grösseren Abständen. Ich bin froh, hat es gut geklappt. Vor allem der Mittelteil hat viel gekostet. Aber Platz 2 ist immer gut. Wir haben bei Wendy Holdener gesehen, dass es lange gehen kann, bis es mit dem ersten Sieg klappt. Man muss einfach Schritt für Schritt gehen. Solange ich immer ums Podest kämpfe, ist alles gut. Irgendwann wird meine Zeit im Slalom schon kommen.»
Ramon Zenhäusern nach dem 2. Lauf: «Ich hab das Möglichste herausgeholt und bin mit Platz 9 zufrieden. Im 1. Lauf war ich ein Hase, im 2. Lauf eher ein Känguru. Der Hase war schon besser. Vor allem im Steilen bin ich am Nachmittag zu sehr hin und her gehoppelt, da ist mir das Herz fast ein bisschen stehen geblieben.»
Loïc Meillard nach dem 1. Lauf: «Ich habe mir gedacht, ich bin zwei Sekunden hinten. Aber dann war es grün und ich dachte, die anderen waren noch langsamer als ich. Ich wollte oben nicht Vollgas geben, lieber den Rhythmus finden und nur 80 oder 90 Prozent geben. Umso besser war das schnell.»
Daniel Yule nach dem 1. Lauf: «Für mich war es schwierig, aber das liegt an mir. Ich kann nicht da stehen und weinen, ich muss mich einfach verbessern und Lösungen finden. Es ist traurig, das zu sagen, aber mein Material ist bei diesen Bedingungen nicht gut. Es ist, wie wenn man einen Gummiball in hohem Gras auf den Boden wirft, da kommt nichts zurück. Zumindest fühlt sich das für mich so an.»
Ramon Zenhäusern nach dem 1. Lauf: «Es war holprig. Aber ich habe das Gefühl, ich habe einen guten Job gemacht. Ich habe es gerne, wenn es so stark dreht, denn dann ist das Tempo nicht so hoch. Von den Bedingungen her wirds im 2. Lauf ähnlich sein wie im 1. Lauf. Ich muss es gut besichtigen und dann schaue ich, wie ich das am besten angehen kann.»
Die Bedingungen
Der Himmel über Wengen ist bedeckt, die Temperatur beträgt um die fünf Grad Celsius. Mit viel Wasser und Salz wird die Piste präpariert, sie ist deshalb sulzig, schon bei den ersten Fahrern spritzt es in alle Richtungen. Vor dem 2. Lauf wirds etwas kühler, heftiger Schneefall setzt ein und macht die Aufgabe für die Athleten nicht einfacher.
So gehts weiter
Nach dem Wochenende in Wengen stehen die nächsten Klassiker auf dem Programm. Am Freitag und Samstag brettern die Abfahrer zweimal die berüchtigte Streif hinunter, am Sonntag findet in Kitzbühel der nächste Slalom statt.