Das Podest
1. Laura Pirovano (Ita) 1.30,85
2. Breezy Johnson (USA) +0,15
3. Kira Weidle-Winkelmann (De) +0,25
Der Abfahrtsweltcup
1. Pirovano 536 Punkte
2. Emma Aicher 453 Punkte
3. Johnson 413 Punkte
Das Rennen
Zwei Rennen in einem! Im Abfahrtsweltcup haben fünf Fahrerinnen Chancen auf die kleine Kristallkugel. Italiens Laura Pirovano hat vor der letzten Abfahrt des Winters 28 Punkte Vorsprung auf die Deutsche Emma Aicher. Wer machts?
Aichers Teamkollegin Kira Weidle-Winkelmann hat auch noch theoretische Chancen auf den Abfahrtsweltcup und legt eine erste Zwischenbestzeit hin. Weil Breezy Johnson mit der Startnummer 10 schneller ist, muss Weidle-Winkelmann aber ihre Kugel-Hoffnungen begraben. Dann folgt Aicher: Sie fährt nicht perfekt, ist aber immerhin Dritte im Ziel. Reicht das?
Sie muss auf einen Patzer von Pirovano hoffen. Hütter verabschiedet sich aus dem Kampf – sie hatte nur noch theoretische Chancen.
Mit der Startnummer 14 folgt dann die Entscheidung – Pirovano startet. Und tatsächlich: Die Frau, die vor diesem Jahr noch nie ein Weltcuprennen gewonnen hatte, ist die Schnellste! Tagessieg und Abfahrts-Kristallkugel – das ist der grösste Tag ihrer Karriere! Und sie macht wenige Stunden nach dem Sieg von Dominik Paris den italienischen Jubeltag in Norwegen perfekt.
Johnson wird Zweite, Weidle-Winkelmann Dritte, Aicher Vierte. Arianne Rädler überrascht als Fünfte und Corinne Suter als (siehe: Die Schweizerinnen) Sechste.
Die Schweizerinnen
6. Corinne Suter +0,48
19. Janine Schmitt +1,49
20. Jasmine Flury 1,86
22. Malorie Blanc +2,36
Corinne Suter startet mit der Nummer 7 – und zwar wie die Feuerwehr. Ihre Körpersprache ist hervorragend, die Schwyzerin greift voll an – bei der ersten Zwischenzeit ist sie die Schnellste des ganzen Feldes. Aber sie kann das Tempo nicht bis zuunterst halten, Suter erwischt die Einfahrt in den Zielhang weniger gut als die Konkurrentinnen. Am Ende ist es Platz 6. Und die Erkenntnis bleibt: Suter hat nach einem Sturz zu Beginn der Saison und schwierigen Olympischen Spielen definitiv den Tritt gefunden. Im SRF sagt sie: «Laura hat die Kugel sehr verdient, das ist grosse Klasse. Ich hätte allerdings eher auf Emma gesetzt.» Und ihren sechsten Platz? «Das ist nicht ganz das, was ich wollte. Unten klappte es nicht perfekt, aber ich bin zufrieden. Das Schönste ist, dass ich den Grundspeed wieder spüre – an allen Details kann ich wieder arbeiten.»
Janine Schmitt hat in diesem Winter einen guten Schritt nach vorne gemacht. In den Trainings hatte sie noch grosse Mühe. Im Rennen ist es besser, aber Punkte gibt es trotzdem nicht. Platz 19.
Zwei Jahre musste Jasmine Flury wegen eines Knorpelschadens pausieren. Die Bündnerin kehrte gut zurück, fuhr schon am ersten Comeback-Wochenende stark. Danach fiel sie in ein Loch, das Vertrauen war weg. Und bei Olympia verletzte sie sich am anderen Knie. Flury erholte sich und schaffte es ans Weltcupfinale – eine gute Leistung. Gut möglich, dass sie nun auch etwas ausgelaugt ist.
Wie bei den Olympischen Spielen trägt Malorie Blanc auch diesmal die Startnummer 1. In den Trainings hatte die Walliserin grosse Probleme mit der Strecke – die Gleitpassagen und langgezogenen Kurven liegen ihr nicht. Und auch diesmal klappt es nicht nach Wunsch – auch bei den Sprüngen nicht. Im technischen Teil fährt sie gewohnt gut, aber zuunterst kassiert Blanc nochmals eine Packung. Punkte gibts für diese Fahrt nicht, weil beim Weltcupfinale nur die Top 15 Zählbares mitnehmen. Beim Super-G am Sonntag ist Blanc deutlich mehr zuzutrauen. «Ich habe auf der Abfahrt noch Potenzial. Aber ich habe in dieser ganzen Saison viel gelernt, weiss jetzt genau, was ich brauche. Ich bin immer offen, zu lernen.»
Die Stimmen (gegenüber SRF)
Corinne Suter: «Ich habe die Fahrt noch nicht gesehen, aber im Grossen und Ganzen war es ok. Es war nicht gerade das, was ich wollte. Der untere Teil ist nicht so aufgegangen, wie ich das vorgehabt habe. Aber mit dem Rang bin ich eigentlich zufrieden. Für mich ist das Schönste, dass ich den Grundspeed wieder fühle.»
Malorie Blanc: «Es zeigt, dass es bei der Abfahrt noch Potenzial gibt. Wenn ich im Training so fahre, ist es schwierig, im Rennen etwas anderes zu machen. Schlussendlich habe ich während der ganzen Saison viel gelernt und das muss ich mitnehmen.»
Janine Schmitt: «Die Saison war allgemein ein Auf und Ab. An der Konstanz muss ich noch etwas arbeiten. Wenn ich Anfang Saison schon gewusst hätte, dass ich ans Weltcup-Finale gehen kann, hätte ich mich riesig gefreut. Es ist mehr als ein Ziel erreicht.»
Laura Pirovano: «Es ist unglaublich. Ich habe mich beim Fahren nicht so gut gefühlt und als ich die Ziellinie überquert habe, hatte ich Angst, meine Zeit und meinen Rang anzuschauen. Als ich dann das grüne Licht gesehen habe… ich weiss nicht, was ich sagen soll. Die Anspannung war wirklich da gestern und heute Morgen, aber vor dem Start war ich eigentlich wieder ruhig. Ich wollte einfach alles geben, was ich konnte. Ich habe nicht einmal davon geträumt, es war zu gross für mich.»
Das gab zu reden
125 Weltcup-Rennen lang musste Laura Pirovano auf einen Podestplatz auf höchster Stufe warten – und dann gewinnt sie gleich drei Abfahrten in Serie, nachdem sie bei ihren Heimrennen in Val di Fassa vor zwei Wochen schon doppelt zugeschlagen hat. Für den starken Schlussspurt wird sie gleich auch mit der kleinen Kugel in der Abfahrt belohnt. Was für ein Saisonende für die 28-Jährige aus dem Trentino.
Natürlich profitiert sie von der Verletzung Lindsey Vonns – die Amerikanerin verletzte sich bei Olympia schwer. Dafür muss sie sich aber nicht entschuldigen – im Gegenteil. Ihr Tages- und Gesamtsieg ist mehr als nur verdient.
Die Bedingungen
Kein Schnee neben der Piste, aber gute Verhältnisse darauf. Obwohl die Temperaturen alles andere als winterlich sind, hält die Strecke. Das Salz hat gewirkt, macht den Schnee hart. Neben der Ideallinie ist er etwas schmierig, ein Problem oder gefährlich ist das aber nicht. Das Wetter? Leicht bewölkt, aber sehr sichtig. Kein Wind.
So gehts weiter
Nach dem Ende der Abfahrtssaison steht für die Frauen in diesem Winter noch ein Speed-Rennen an: Am Sonntag wird am Weltcup-Finale in Lillehammer der Super-G ausgetragen. Da gehts bereits um die nächste Kugel. Sofia Goggia führt, sie könnte die Disziplinenwertung erstmals gewinnen. Die erste Fahrerin wird um 10.45 Uhr ins Rennen steigen.



