Finne gehört zum Schweizer Trainings-Team
Lunge kollabiert! Lehto-Crash schockt Ski-Stars in Garmisch

Schwerer Sturz in Garmisch: Beim Abfahrtstraining vom Freitag stürzt der Finne Elian Lehto heftig. Er muss nach dem Unfall mit dem Helikopter ins Spital geflogen werden.
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Elian Lehto ist im zweiten Training für die Abfahrt von Garmisch heftig gestürzt.
Foto: Sven Thomann
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Marcel W. PerrenSki-Reporter

Olympia-Held Franjo von Allmen (24) ist im Gespräch mit dem Blick-Reporter, bis ihm für einen Moment die Sprache im Hals stecken bleibt. Grund: Auf der Videowand im Zielraum der Kandahar-Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen ist zu sehen, wie der Finne Elian Lehto im zweiten Training mit der Startnummer 25 bei der Einfahrt in die Hölle mit über 100 km/h in den Fangzaun abfliegt. Lehto wird danach mit dem Hubschrauber ins Spital transportiert, wo er auf die Intensivstation gebracht wird. Dort wird deutlich, dass die Lunge des 25-Jährigen kollabiert ist.

Diese Diagnose schüttelt auch die Schweizer Abfahrtsmannschaft ordentlich durch, weil der finanzschwache finnische Ski-Verband seit ein paar Jahren eine Trainings-Kooperation mit Swiss-Ski hat. Deshalb trainiert Lehto, welcher im laufenden Weltcup-Winter zweimal in die Top 10 gefahren ist, konstant in der zweiten Schweizer Abfahrtsgruppe mit dem Zürcher Oberländer Alessio Miggiano (23) und dem zweifachen Junioren-Weltmeister Livio Hiltbrand (22). «Wir hoffen, dass Elian schnell wieder auf die Beine kommt, schliesslich ist er für unsere Mannschaft eine echte Bereicherung. Er ist menschlich top. Und in den Trainingsläufen ist Elian für unsere jungen Burschen ein sehr guter Gradmesser», betont Coach Vitus Lüönd (41).

Lehto wurde schon vor der Kooperation mit Swiss-Ski von einem Schweizer Trainer gefördert. Die Rede ist vom Innerschweizer Osi Inglin (57), der bis 2022 Cheftrainer in Finnland war. «Dass Elian auf den Ski grosses Potenzial hat, habe ich sofort gesehen. Aufgrund seiner verzerrten Wahrnehmung hat er mir in der Anfangszeit dennoch Sorgen gemacht», gesteht Inglin. «Elian hat bereits vor vier Jahren geglaubt, dass er für die ganz grossen Aufgaben im Weltcup bereit sei. Dabei war er damals weit davon entfernt, ein Top-Athlet zu sein. Er war zu bequem, um im Ausdauer- und Krafttraining richtig hart anzupacken.»

Um Lehto aus der Komfortzone zu holen, hat sich Inglin etwas ganz Besonderes einfallen lassen: «In Finnland muss jeder Athlet bei Leistungstests eine Limite erfüllen, damit er bei den Trainings-Camps des Verbands teilnehmen kann. Dieser Richtwert war bei meinem Dienstantritt so tief, dass ihn Lehto trotz Bequemlichkeit relativ locker erreicht hat. Deshalb habe ich diese Limite in die Höhe geschraubt.» Diese Massnahme hat sich als Volltreffer erwiesen. «Im ersten Test ist Elian zwar gescheitert. Ich habe ihm danach aber noch eine Chance gegeben. Der Bursche hat dann so hart trainiert, dass er den zweiten Test bestanden hat.»

Nach dem üblen Abflug in Garmisch steht Lehto vor dem härtesten Test in seiner Karriere. Eine gute Nachricht gibt es aber schon jetzt: Der Mann aus der Region Helsinki ist wieder bei Bewusstsein.

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