Darum gehts
- Franjo von Allmen spricht im Blick-Interview über Erlebnisse in Bormio und die Woche danach
- Blick konnte mit dem dreifachen Olympiasieger bei einer Velo-Präsentation von Thömus sprechen
- Von Allmen verrät, welche Person in seinem Umfeld einen besonders grossen Anteil am Erfolg hat
Seit seinem Triumph bei Olympia ist für Franjo von Allmen vieles nicht mehr ganz wie zuvor – und doch ist fast alles gleich geblieben. Im Gespräch mit Blick erzählt der frischgebackene Dreifach-Olympiasieger, warum er trotz Rummel so gerne mit dem Bruder Schnee pflügt, weshalb die WM in Saalbach spezieller war als Olympia in Bormio und wie er im neuen Leben zwischen Fans, Fokus und Freiheit die Bodenhaftung behält.
Blick: Auf Instagram konnte man sehen, dass Sie nach Olympia bei der Ankunft zu Hause gleich wieder mit ihrem Bruder am Schneepflügen waren. Müssen Sie sich mittlerweile ein bisschen dazu zwingen, solch alltägliche Sachen zu machen, weil Sie wissen, dass es ihnen neben all dem Trubel guttut?
Franjo von Allmen: Ich weiss zwar, dass mir das guttut, aber ich mache es nicht explizit deswegen. Wenn ich mich dazu zwingen müsste, würde ich es nicht machen. Ich mag einfach das Spielerische von früher. Darum habe ich dort im Dezember auch die Schanze gebaut im Tiefschnee. Es erinnert mich jeweils zurück, warum ich so gerne auf den Ski stehe. Früher war ich gefühlt zu 90 Prozent im Pulverschnee unterwegs und bin Waldwege gefahren. Diese Freude möchte ich so beibehalten. Ich habe das Gefühl, das bringt einen auch weiter im Leistungssport.
Bei der WM in Saalbach vor einem Jahr hatte man das Gefühl, dass die gute Stimmung im Schweizer Team geradezu greifbar war. Dort gab es unter anderem die Aktion, dass sich das ganze Team die Haare rasieren liess. In Bormio schien es jetzt eher ruhig gewesen zu sein. Haben Sie das auch so empfunden?
Ja, Olympia kann man nicht vergleichen mit der WM in Saalbach. In Bormio war alles viel steriler. Ich würde fast sagen, es war weniger los als beim normalen Weltcup in Bormio. Aber für uns war das eigentlich gut. So konnten wir uns auf das Skifahren konzentrieren. Aber es war schon auch ein bisschen schade, dass wir neben dem Skibergsteigen die einzige Sportart in Bormio waren. Es wäre sicher cool gewesen, wenn man mit anderen Sportlern auch in Kontakt gekommen wäre. Aber eben, die Zeit ist sowieso beschränkt und man muss sich auf die Rennen fokussieren.
Franjo von Allmen, in seiner Heimat auch «Nöggu» genannt, wurde am 24. Juli 2001 in Zweisimmen geboren und wuchs in Boltigen BE auf. Skifahren lernte er am nahen Jaunpass. Dabei verbrachte er auch viel Zeit neben der Piste. Später in seiner Rennfahrer-Karriere spezialisierte er sich auf Abfahrt und Super-G. 2025 wurde er Doppelweltmeister in Saalbach, 2026 in Mailand-Cortina dreifacher Olympiasieger. Der gelernte Zimmermann hat einen Bruder und eine Schwester. Sein Vorname Franjo ist kroatisch, abgeleitet von Franz (Franciscus) und bedeutet «freier Mann».
Franjo von Allmen, in seiner Heimat auch «Nöggu» genannt, wurde am 24. Juli 2001 in Zweisimmen geboren und wuchs in Boltigen BE auf. Skifahren lernte er am nahen Jaunpass. Dabei verbrachte er auch viel Zeit neben der Piste. Später in seiner Rennfahrer-Karriere spezialisierte er sich auf Abfahrt und Super-G. 2025 wurde er Doppelweltmeister in Saalbach, 2026 in Mailand-Cortina dreifacher Olympiasieger. Der gelernte Zimmermann hat einen Bruder und eine Schwester. Sein Vorname Franjo ist kroatisch, abgeleitet von Franz (Franciscus) und bedeutet «freier Mann».
Also würden Sie sagen, Saalbach war noch ein bisschen schöner?
Es war einfach mehr los. Es waren mehr Leute, es gab mehr Party, und es gab eben auch die Siegerehrungen am Abend. Das ist sicher etwas, das beeindruckt und ich in Bormio etwas vermisst habe.
Mit dem Erfolg wächst doch sicher auch die Zahl der Fans. Merken Sie das, wenn Sie beispielsweise im Ausgang sind?
Ja, Ausgang ist schon nicht mehr ganz das Gleiche wie früher. Das ist schon ein bisschen schade. Aber es ist halt auch ‹Part of the Game›. Ich würde sagen, man sucht vielleicht nicht mehr gleich die grossen Menschenmengen. Statt an einer grossen Party ist man jetzt lieber mal mit Freunden irgendwo daheim, wo man in Ruhe zusammen anstossen kann.
Apropos Ausgang. Was hat es mit ihrer farbigen Jacke auf sich, mit der man Sie jeweils im Ausgang sieht?
Ah, der Faserpelz… nein, nein. Ich habe den einfach zusammen mit Marco Kohler in Amerika gekauft. Der ist einfach bequem.
Sie sind ja eher nicht der Typ, der auffallen möchte. Kürzlich sagten Sie, Sie würden sich kein Tattoo stechen, weil man «einen Ferrari ja auch nicht bekleben würde». Ist denn ihr Traum, mal einen Ferrari zu fahren?
Nein, nicht unbedingt. Ich mag zwar Autos schon sehr, aber es muss nicht unbedingt etwas teures sein. Es sind eher die alten Autos, die mich faszinieren. Jene mit Geschichte.
Gibt es eine Person in ihrem Umfeld, die eher im Hintergrund steht und einen grossen Anteil an ihrem Erfolgen hat?
Ja, ich würde sagen Kevin Wälti. Mein bester Kollege. Er spielt eine sehr grosse Rolle in meiner Karriere. Er nimmt sich nicht nur im Sommer sehr viel Zeit für mich, sondern auch sonst immer. Wir unternehmen zusammen Sachen, bei denen ich wirklich den Kopf lüften und etwas Abstand zum ganzen Skifahren gewinnen kann.
Kopf lüften machen Sie ja oft auf dem Motocross-Töff. Mit ihrem Partner Thömus stellen sie jetzt ein E-Bike vor. Sind Sie selbst auch manchmal mit dem Elektrorad unterwegs? Und darf man das als Profisportler überhaupt?
Bis jetzt war ich ehrlich gesagt noch selten auf dem Elektrorad. Aber ich kenne einige aus meinem Team, die das E-Bike auch im Training nutzen, damit der Puls nicht gleich in die Höhe steigt, wenn man bergauf fährt. Sonst muss man das Fahrrad noch stossen. Von dem her ist das eine super Sache, die man auch nutzen darf. Harte Ausdauertrainings absolviere ich auf dem Rennrad. Hierbei geht es mir wie so oft um den Spass. Sozusagen doppelten Spass, da ich mehr Abfahrten bewältigen kann.
Sie besitzen ja einen kleinen Reisebus, ihren sogenannten «Büs». Nehmen Sie damit auch ihr Motorrad und das Velo mit, wenn Sie in die Ferien fahren?
Es kommt ein wenig darauf an, was ich vorhabe. Wenn ich mal ein paar Tage nach Italien gehe, um erholsame Ferien zu machen, ist das Bike oder das Rennvelo aber schon dabei, ja. Für einen gemütlichen Coffee-Ride oder so. Mit dem Motorrad ist das eher schwierig.
Ist ihr nächster Roadtrip schon geplant?
Nein, jetzt gerade liegt der Fokus noch auf den letzten Rennen.
Welche Ziele haben Sie noch, jetzt wo Sie dreifacher Olympiasieger sind?
Genügende! Ich habe noch nicht annähernd alle grossen Weltcuprennen gewonnen. Von dem her gibt es da schon noch viel Arbeit.