Das Podest
1. Julia Scheib (Ö) 2:22,41
2. Paula Moltzan (USA) +0,36
3. Alice Robinson (Neus) +0,75
Das Rennen
«Es war sicher kein perfekter Lauf von oben bis unten», sagt Camille Rast nach dem ersten Lauf ins SRF-Mikrofon. Obwohl sie in keinem Sektor die Schnellste war, führt die Walliserin zur Halbzeit – einen Hauch vor Julia Scheib. Die beiden liefern sich ein Duell um die kleine Kugel. Das am Ende aus Schweizer Sicht auf bittere Art und Weise entschieden wird. Während Scheib als Führende vom Ziel aus zuschauen kann, was ihre Konkurrentin macht, katapultiert sich Rast aus dem Starthäuschen. Im ersten Abschnitt ist es steil, Rast geht angriffig zu Werke. Und wird nicht belohnt. Nach rund 15 Sekunden rutscht sie weg und scheidet aus. Damit ist nicht nur der Sieg weg, sondern auch die Chance auf die Kugel. Derweil jubelt Scheib doppelt. Das Podest komplettieren Paula Moltzan und Alice Robinson.
Die Schweizerinnen
16. Vanessa Kasper +3,59
17. Stefanie Grob +3,60
19. Wendy Holdener +3,79
24. Dania Allenbach +4,47
27. Sue Piller +6,21
DNF2: Camille Rast
Den 2. Lauf verpassen: 35. Janine Mächler +4,83, 40. Simone Wild +5,41, 43. Selina Egloff +5,66
28 Weltcuprennen hat Stefanie Grob gebraucht, um erstmals in die Punkte zu fahren. Der erhoffte Ketchup-Effekt hat eingesetzt, seither ist die 21-Jährige in jedem Rennen in die Top 30 gefahren. Gelingt ihr das in Are zum sechsten Mal in Serie? Grob schafft es in ihrem 21. Weltcup-Riesenslalom als 26. erstmals in die Entscheidung – und das trotz schwierigen Bedingungen mit der hohen Startnummer 44. Sie fährt am Nachmittag angriffig, verpasst die Führung nur um wenige Hundertstel. Trotzdem schafft sie den Sprung in die Top 20. Und freut sich über eine weitere Punkte-Premiere.
In ihrem vierten Weltcuprennen qualifiziert sich Dania Allenbach zum dritten Mal für die Entscheidung. Als 29. gelingt ihr das haarscharf. Sie zeigt einen soliden zweiten Auftritt, verpasst den zwischenzeitlichen Sprung an die Spitze aber deutlich. Weil danach die Konkurrenz patzt, macht sie dennoch die eine oder andere Position gut.
Sue Piller ärgert sich, als sie am Nachmittag ins Ziel kommt. Der Grund: ein grosser Fehler bremst sie aus. Das kostet viel Zeit, sie reiht sich ganz hinten in der Rangliste ein. Vor wenigen Tagen hat sie noch gemeinsam mit Allenbach an der Junioren-WM Bronze im Team-Event gewonnen.
Wendy Holdener ist schon nach dem ersten Auftritt nicht zufrieden, sie hat sich mehr erhofft. Nur 24. ist sie. Die grosse Aufholjagd bleibt aus. Sie fällt noch hinter ihre Teamkollegin Grob zurück. Und macht am Ende dennoch Ränge gut, weil andere Fahrerinnen hinter sie zurückfallen.
Vanessa Kasper geht als fünfte Schweizerin in den zweiten Lauf. Wie ihre Teamkolleginnen zuvor verpasst auch sie den zwischenzeitlichen Sprung an die Spitze. Eine Hundertstelsekunde reiht sie sich vor Grob ein. Und ist am Ende als 16. beste Schweizerin.
Janine Mächler büsst auf die Bestzeit im ersten Lauf über 4,8 Sekunden ein. Das ist zu viel, um sich noch für die Entscheidung zu qualifizieren. Gleiches gilt für Simone Wild und Selina Egloff.
Der Kugel-Kampf
89 Punkte trennen Julia Scheib und Camille Rast vor dem Rennen. Nach dem ersten Lauf deutet vieles daraufhin, dass die Entscheidung erst im letzten Saisonrennen fällt. Doch dann scheidet Rast aus. Und Scheib feiert Sieg und Kugel-Gewinn. Als erste Österreicherin seit Eva-Maria Brem in der Saison 2015/16 krönt sie sich zur besten Riesenslalomfahrerin des Winters.
Im Gesamtweltcup macht Emma Aicher fünf Punkte gut auf Mikaela Shiffrin. Die Deutsche liegt neu nur noch 120 Punkte hinter der Amerikanerin. Camille Rast hat nach dem Nuller nun 223 Zähler Rückstand.
Die Stimmen gegenüber SRF
Camille Rast: «Man redet immer von Punkten, Kristallkugeln und so. Am Ende bin ich vor allem von meinem Rennen enttäuscht. Ich bin wirklich nicht weit gekommen, das kann man besser machen. Man könnte es anders fahren. Ich möchte nicht einfach fahren, sondern meine Leistung zeigen. Da habe ich vielleicht ein bisschen zu viel Risiko genommen. Ich habs nicht richtig getroffen, einen Schlag bekommen – und hatte keine Chance. Duelle sind immer schön, leider habe ich es nicht geschafft, das bis in den Final zu bringen. Julia Scheib hat eine starke Saison gezeigt, ich gratuliere ihr zur Kugel.»
Stefanie Grob: «Die ersten Punkte haben einen riesigen Wert. Der Riesenslalom ist die Basisdisziplin. Es ist sehr cool, dass es aktuell so gut läuft.»
Wendy Holdener: «Ich habe im zweiten Lauf viel ein besseres Gefühl gehabt, ich war feiner und spielerischer drauf. Darüber bin ich sehr froh. Das war ein Schritt in die richtige Richtung. Dass ich im ersten Lauf im ersten Abschnitt so viel Zeit verliere, kann ich nicht vollständig erklären. Aber dass ich die zweite Chance genutzt habe, damit bin ich zufreiden.»
Das gab zu reden
131 Punkte liegt Sara Hector vor Rennstart hinter der Disziplinenführenden Julia Scheib. Damit hat die Schwedin rechnerisch noch Chancen auf die kleine Kugel. Und wirft diese im Zielhang weg. Sie stürzt im ersten Lauf spektakulär, landet in den Fangnetzen. Zum Glück steht die Lokalmatadorin schnell wieder auf und gibt Entwarnung.
Das gab zu reden II
Freitag, der 13. ist für viele ein Unglückstag. Nicht so für Mikaela Shiffrin. Die amerikanische Ski-Überfliegerin hat am Tag vor dem Are-Riesenslalom Geburtstag gefeiert. «Vor 31 Jahren... Gott, wie die Zeit vergeht», schreibt sie auf Instagram. Und postet dazu eine Reihe Erinnerungsfotos, die sie als Baby zeigen. Im Rennen ist Shiffrin stark unterwegs – und wird im ersten Lauf im Zielhang von einem Riesenbock ausgebremst. Ohne diesen hätte sie womöglich die Bestzeit von Camille Rast unterboten. Am Ende wird Shiffrin dank einem starken zweiten Lauf Fünfte.
Die Bedingungen
Beim Rennstart ist der Himmel blau und die Sonne scheint. Doch schon nach den ersten Athletinnen ziehen Wolken auf, das macht die Sicht schwierig. Die Temperaturen bewegen sich um null Grad herum. Die Piste hält, ist aber früh von Spuren gezeichnet. Oben ist der Schnee hart und griffig, unten raus wirds eher schmierig. Am Nachmittag ist die Sonne dann zurück, zwischen den Läufen wurde auf der Piste mit Salz gearbeitet.
So gehts weiter
Das Are-Wochenende wird am Sonntag mit dem Slalom (1. Lauf 9.30 Uhr) abgeschlossen. Danach steht in diesem Winter in jeder Disziplin nur noch ein Rennen auf dem Programm. Der Riesenslalom beim Weltcupfinal in Lillehammer steigt am 25. März – und ist damit der krönende Abschluss dieser Saison.



