Rast verpasst Riesen-Podest
Shiffrin vergiesst nach historischem Triumph Freudentränen

Kein weiterer Schweizer Podestplatz im letzten Saisonrennen. Aber zwei Fahrerinnen klassieren sich in den Top 10. Der Sieg im Riesenslalom geht überraschend nach Kanada, während Mikaela Shiffrin sich über die grosse Kristallkugel freuen kann.
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Camille Rast verpasst im letzten Rennen das Podest.
Foto: Getty Images

Das Podest

1. Valerie Grenier (Ka) 2:16,79
2. Mina Fürst Holtmann (No) +0,43
3. Julia Scheib (Ö) +0,57

Das Rennen

Als Halbzeit-Siebte liegt Camille Rast eine halbe Sekunde hinter dem Podest. Gelingt ihr trotz Hüftschmerzen die grosse Aufholjagd? Im zweiten Lauf greift die Walliserin voll an und setzt sich souverän an die Spitze. Kaum auf dem Leaderthron Platz genommen, muss sie diesen aber schon wieder räumen. Um sieben Hundertstel wird sie von der Österreicherin Stephanie Brunner verdrängt. Da auch die nächsten beiden Athletinnen schneller als Rast sind, verpuffen die Podest-Hoffnungen.

Damit gibts im letzten Frauenrennen des Winters keinen Podestplatz. Rast beendet das Rennen als beste Schweizerin auf Rang 6. Den Sieg machen andere unter sich aus. Etwas überraschend geht er an Valerie Grenier. Die Kanadierin fährt im ersten Lauf mit Startnummer 15 Bestzeit und lässt sich den Triumph am Ende nicht mehr nehmen. Hinter ihr komplettieren Mina Fürst Holtmann und Disziplinensiegerin Julia Scheib das Podest.

Das gab zu reden

Erst im letzten Rennen fällt die Entscheidung um die grosse Kristallkugel. Emma Aichers Chancen sind vor dem Start allerdings nur noch gering. 85 Punkte beträgt ihr Rückstand auf Mikaela Shiffrin. Die Deutsche ist darauf angewiesen, dass die Amerikanerin einerseits nicht punktet und andererseits müsste sie den ersten Riesenslalom-Sieg ihrer Karriere einfahren. Zur Halbzeit ist für Spannung gesorgt – denn Aicher liegt auf Rang 3 während Shiffrin als 17. ausserhalb der Punkteränge klassiert ist. Die Amerikanerin ist gefordert – und lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Sie geht im zweiten Lauf zwischenzeitlich in Führung und als die nächsten beiden Konkurrentinnen hinter sie zurückfallen, ist klar, dass ihr die grosse Kugel nicht mehr zu nehmen ist. Damit wird Aicher zumindest vorerst nicht die erste Deutsche seit Maria Riesch in der Saison 2010/11, die den Gesamtweltcup gewinnt. Stattdessen gibts für Shiffrin die sechste grosse Kugel. Ein historischer Moment, denn die Amerikanerin zieht mit der bisherigen alleinigen Rekordsiegerin Annemarie Moser-Pröll (72, Ö) gleich. Als Shiffrin ihren Triumph realisiert, fliessen Freudentränen.

Die Schweizerinnen

6. Camille Rast +1,31
10. Vanessa Kasper +1,71
27. Wendy Holdener +5,84

Vanessa Kasper hat sich erstmals für den Weltcupfinal qualifiziert. Und zeigt einen starken ersten Lauf. Mit Startnummer 23 prescht sie in die Top 10. Auch am Nachmittag hält sie sich nicht zurück, greift an. Lange ist sie unterwegs in Richtung zwischenzeitliche Führung – am Ende reichts um fünf Hundertstel nicht. Und doch hat Kasper letztlich Grund zum Jubeln, denn sie fährt erstmals in die Top 10.

Wendy Holdener startet am Morgen mit einer frechen Linie – und die wird ihr zum Verhängnis. Nach rund zehn Sekunden hängt sie mit der rechten Hand an einem Tor an. Und das ausgerechnet über eine Welle hinweg. Holdener hält sich zwar im Rennen, muss den Rest des Laufs aber mit einem Stock meistern. Und handelt sich so einen grossen Rückstand ein. Sie darf den zweiten Lauf eröffnen. Holdener zeigt eine optisch fehlerfreie Fahrt, die aber alles andere als schnell ist. Sie beendet das Rennen auf dem letzten Platz.

Die Stimmen gegenüber SRF

Camille Rast nach dem 1. Lauf: «Die Hüfte schmerzt immer noch, das ist nicht optimal. Aber jetzt ist es nur noch ein Lauf. Ich werde mich erholen und dann schaue ich, was ich noch zeigen kann.»

Wendy Holdener nach dem 1. Lauf: «Ich bin gut gestartet, dann hab ich über eine Welle mit dem Arm eingehängt. Danach hab ich ein paar Tore gebraucht, bis ich wieder im Lauf war. Aufs gestreckte Bein hab ich auch noch einen Schlag bekommen, weil ich auch noch einen Stock verloren hab, hatte ich andere Sorgen. Wenn du einen Ttsch kassierst, merkst du es schon ein bisschen. Ich glaube aber nicht, dass etwas ist. Der Lauf wäre schön gewesen und mir wohl gelegen, nach dem Missgeschick konnte ich das nicht richtig ausprobieren.»

Das gab zu reden II

Ohne je ein Europacup-Rennen bestritten zu haben, hat Anna Trocker in diesem Winter ihr Weltcup-Debüt gegeben. Die 17-Jährige hat in fünf Rennen kein zählbares Resultat herausgefahren. Dafür brillierte Trocker bei der Junioren-Weltmeisterschaft, sie gewann sowohl im Slalom als auch im Riesenslalom Gold. Und ist deswegen beim Weltcupfinal dabei. Ihr grosses Talent lässt die Italienerin schon im Slalom aufblitzen – mit der Bestzeit im zweiten Lauf lässt sie sogar Siegerin Mikaela Shiffrin hinter sich und holt als Neunte ihre ersten Weltcuppunkte. 24 Stunden später doppelt sie nach und holt als Achte auch im Riesenslalom ihre ersten Punkte.

Die Bedingungen

Am letzten Tag des Weltcupfinals ist der Himmel über Hafjell bewölkt. Zum Start des ersten Laufs drückt die Sonne durch, sodass die Sichtverhältnisse zumindest zwischenzeitlich etwas besser sind. Der Wind, der am Vortag teils in heftigen Böen über die Piste gefegt ist, weht hingegen nicht mehr. Auch am Nachmittag herrschen ähnliche Verhältnisse.

So gehts weiter

Die Weltcup-Saison der Frauen ist beendet. Nationale Meisterschaften oder Materialtests dürften bei der einen oder anderen Athletin noch in der Agenda stehen, bevor es in die wohlverdienten Ferien geht. Der nächste Riesenslalom wird dann traditionell der Saisonaufakt Ende Oktober in Sölden (Ö) sein.

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