Darum gehts
- Daniel Yule kämpft mit neuem Material nach Skimarkenwechsel in dieser Saison
- Er bevorzugt Madonna di Campiglio, wo er dreimal gewann
- Yule schlägt vor, Weltcup-Slaloms auf 45 Teilnehmer zu reduzieren
Meint Daniel Yule (32) das wirklich ganz ernst? Unser Slalom-Held wird vor seiner Trainingseinheit im italienischen Pozza di Fassa auf seinen Kumpel Justin Murisier (33) angesprochen, welcher seinen Helm für die Lauberhornrennen von Kindern bemalen lässt. Yules Reaktion: «Vielleicht sollte ich Kinder beauftragen, dass sie meinen Helm für das Abschiedsrennen bemalen.»
Denkt der 32-jährige Walliser tatsächlich an den baldigen Rücktritt vom Rennsport?
«Noch nicht», sagt Yule gegenüber Blick. «Grundsätzlich finde ich das Leben eines Skirennfahrers das Geilste, was es gibt. Aber natürlich nur dann, wenn eine gewisse Leistungsfähigkeit da ist.» Und ein Grossteil seiner Leistungen in den ersten vier Rennen dieses Winters sind nicht zur Zufriedenheit des Romands mit sieben Weltcupsiegen ausgefallen. Einzig in Gurgl (Ö) hat sich Yule als Elfter in den Top 15 klassiert. In Levi (Fi), Val-d’Isère (Fr) und Alta Badia (It) musste sich der Sohn einer Schottin und eines Engländers mit den Rängen 22, 21 und 26 begnügen.
Die Ursachenforschung
Dabei hatte Yule im letzten Frühling bei seinem Skimarkenwechsel von Fischer zu Atomic so viel Optimismus versprüht. Doch genau darin erkennen einige Experten ein Problem. Fakt ist: Der Atomic-Ski reagiert ganz anders als jener von Fischer. Und es gibt bei Swiss-Ski mehrere Trainer, die festhalten, dass Yule auf seinen neuen Ski in den meisten Rennen zu «Fischermässig» gefahren sei.
Atomic-Rennchef Christian Höflehner nickt: «Ich gebe diesbezüglich den Schweizer Trainern recht. Gleichzeitig muss ich aber auch festhalten, dass wir nicht für alle Bedingungen das passende Set-up haben. Aufgrund der jüngsten Trainingsleistungen bin ich aber fest davon überzeugt, dass uns Daniel schon bald sehr viel Freude machen wird.»
Swiss-Ski-Slalomchef Matteo Joris hat bereits nach dem ersten Trainingstag auf der grandios präparierten Piste in Pozza di Fassa grossen Spass an Yules Vorstellungen. «Da waren einige Tore dabei, die Daniel absolut genial gemeistert hat. Ich habe bei ihm für die kommenden Rennen ein sehr gutes Gefühl.»
Die neue Hoffnung
Yule selbst kennt das Problem: «Weil ich 19 Jahre meines Lebens mit Fischer unterwegs war, ist es ja irgendwie logisch, dass es seine Zeit dauert, bis die Abstimmung mit dem neuen Material richtig gut passt.» Erfreulicherweise habe er derzeit das Gefühl, dass er immer konstanter werde.
Auch die nächste Weltcup-Destination trägt zur immer besser werdenden Laune von Yule bei. Mit dem Hang von Madonna di Campiglio (It) verbindet der Schweizer gleich drei Siege (2018, 2020, 2022). Einzig der Super-Schwede Ingemar Stenmark (69, 86 Weltcupsiege) hat beim Slalom-Klassiker in Italien zwei Triumphe mehr eingefahren als der Mann aus La Fouly VS.
Warum fühlt sich Yule in Madonna besonders wohl? «Der Hang beinhaltet zahlreiche Übergänge, die mir richtig gut liegen. Und weil dieser Slalom immer in der Dunkelheit gestartet wird, bekommt man hier dank Flutlicht immer eine sehr gute Bodensicht. Im Gegensatz zu anderen Athleten ist es nicht mein Ding, wenn die Schlüsselstellen im Schatten liegen.» Und noch etwas: Yule ist seit jeher ein Spezialist für harte, mit ordentlich Wasser präparierte Pisten. In dieser Saison waren die Unterlagen meistens weich. Auch das dürfte sich in Madonna di Campiglo ändern.
«Das macht absolut keinen Sinn»
Was Yule aber auch in Madonna di Campiglio wie bei allen anderen Slalom-Stationen im Weltcup stört, ist die hohe Anzahl an Wettkämpfern. «Es macht absolut keinen Sinn, wenn bei einem Weltcup-Slalom 80 Athleten starten. 50 von ihnen fahren mit leeren Händen nach Hause, schliesslich sind Punkte das Einzige, was im Weltcup zählt.»
Auch würden viele gar keine grosse Aufmerksamkeit bekommen, weil die meisten TV-Stationen ihre Übertragung vom ersten Durchgang bereits nach der Startnummer 30 beenden. «Die meisten dieser Rennfahrer können also auch ihren Sponsoren keinen Gefallen machen.» Yule schlägt deshalb vor, dass das Teilnehmerfeld im Weltcup auf 45 reduziert wird. «So könnten wir die Rennen viel kompakter durchführen. Aktuell dauert es vom ersten Durchgang an drei Stunden, bis der zweite Lauf gestartet ist. Das ist viel zu lange.» Der Madonna-Slalom wird am Mittwoch um 18 Uhr eröffnet.