Olympiasiegerin schlägt Alarm
Neue Gewichtsregel löst heisse Ski-Debatte aus

Der internationale Ski-Verband (FIS) hat das Gewicht im Materialbereich aus Sicherheitsgründen gesenkt. Diese Entscheidung löst eine heftige Kontroverse aus.
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Die FIS macht neuerdings klare Vorgaben beim Gewicht der Ski.
Foto: Getty Images
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Marcel W. PerrenReporter Sport

Rund zwei Wochen vor dem Weltcup-Auftakt in Sölden (Ö) liegen die Nerven bei diversen Alpin-Assen blank. Das ist zum einen auf das Wetter zurückzuführen. Bis vor ein paar Tagen haben die hohen Herbsttemperaturen in Europa kaum ein vernünftiges Schneetraining zugelassen.

Bei eher schwergewichtigen Stars wie Amerikas Abfahrts-Weltmeisterin und -Olympiasiegerin Breezy Johnson (30) löst aber vor allem das jüngste FIS-Vorhaben Schnappatmung aus. Dieses will die Ski der Athleten leichter machen.

Bis und mit der letzten Olympia-Saison war das Gewicht der Ski nicht reglementiert. Nun sind Experten des internationalen Ski-Verbands aber fest davon überzeugt, dass leichtere Latten den Alpinsport sicherer machen werden. Deshalb darf der Abfahrtsski der Männer (inklusive Bindung und Bindungsplatte) ab sofort nicht mehr als 10,6 Kilo auf die Waage bringen. Bei den Frauen beträgt das Maximalgewicht für die Speed-Ski 10,4 Kilo. Ein Paar Riesenslalom-Ski darf in Sölden höchstens 10,2 Kilo (Männer) und 9,8 Kilo (Frauen) wiegen.

Nicht alle Ausrüster müssen nachbessern

Für die Ausrüster der Schweizer Top-Shots hat diese Reglementierung keine Konsequenzen. Das Material von Stöckli (Marco Odermatt, Alexis Monney, Thomas Tumler, Lenz Hächler), Head (Franjo von Allmen, Corinne Suter) und Rossignol (Loïc Meillard) lag schon im letzten Winter innerhalb des jetzigen Gewichtslimits. Breezy Johnsons Ski-Hersteller Atomic muss dagegen genau wie Salomon aufgrund der neuen Vorgaben einige Modelle zurückziehen.

Johnson hat zuletzt bei mehreren Gesprächen ihrem Unmut bezüglich dieser Beschränkung freien Lauf gelassen. Die 30-Jährige macht kein Geheimnis daraus, dass ihr Lebendgewicht die 80-Kilo-Marke überschreitet. Aus diesem Grund benötige sie auch schwerere Ski, um im unebenen Gelände die nötige Stabilität zu erlangen.

Rossignol-Rennchef Stéphane Mougin gehört zu denjenigen, die Verständnis für die Einwände der US-Speed-Queen haben. Der Franzose sagt im Gespräch mit Blick: «Ich bin nicht davon überzeugt, dass sich diese Reglementierung positiv auf die Sicherheit in unserem Sport auswirken wird. Es gibt derzeit keine Studien, die das belegen.»

Gemäss Mougin ist entscheidend, wie das Gewicht im Ski verteilt wird: «Wenn der grösste Teil des Gewichts direkt unter den Füssen ist, kann das zur gewünschten Stabilität führen. Problematischer ist es, wenn die grösste Last an der Skispitze und hinten ist.»

Will die FIS noch viel leichtere Ski?

Auch für Atomic-Rennchef Christian Höflehner gibt es derzeit keinen Beweis, dass leichtere Ski die Verletzungsrate reduzieren können. «Die FIS möchte ja das Gewicht der Ski in Zukunft noch mehr senken», verrät der Österreicher. «Es darf aber nicht sein, dass wir eine derart aufwendige und entsprechend teure Aktion durchführen und reglementieren, ohne stichhaltige Fakten zu haben, dass das Ganze der Sicherheit auch wirklich etwas bringt.»

Die entsprechenden Tests werden erst im kommenden Winter durchgeführt. Höflehner: «Sobald uns positive Indizien von diesen Versuchen vorliegen, werden auch wir die Bereitschaft haben, das Ski-Gewicht weiter zu senken.»

Skepsis ist in dieser Angelegenheit auch deshalb angebracht, weil es noch nicht allzu lange her ist, dass sich die Entscheidungsträger des Internationalen Skiverbands einen teuren Materialflop geleistet haben. Vor der Saison 2012/13 wurden die Radien der Riesenslalom-Ski von 27 auf 35 Meter erhöht. Man war damals felsenfest davon überzeugt, dass es dadurch weniger Knieverletzungen geben würde. Doch der Riesen-Ski-Radius musste wenige Jahre später wieder verringert werden, weil der erhöhte Radius bei zahlreichen Athleten Rückenschäden verursacht hat.

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