Darum gehts
- Schweizer Slalom-Team kann gute Ausgangslage im zweiten Lauf nicht nutzen
- Franzosen dominieren mit vier Fahrern in Top 12
- Ramon Zenhäusern fährt im zweiten Lauf Bestzeit und hat gute Laune
Für die Schweizer Stangenkünstler läuft es beim zweiten Slalom im neuen Jahr zwar besser als noch zu Saisonbeginn. Für rot-weisse Ski-Ekstase im Zielraum reichts aber trotzdem nicht. Denn obwohl man sich mit fünf Fahrern im zweiten Lauf eine gute Ausgangslage erarbeitet hat, kann diese am Ende nicht wirklich genutzt werden.
Stattdessen übernehmen unsere Nachbarn aus dem Westen das Show-Kommando. Die französische Equipe rund um den Sieger Paco Rassat (27) ist beim Slalom am Chuenisbärgli gleich mit vier Fahrern in den Top 12 vertreten.
Viel Platz für Schweizer Top-Ränge ist da nicht mehr. Der beste Schweizer, Tanguy Nef (29), kann im Finaldurchgang zwar einen Platz gutmachen (von neun auf acht). Loïc Meillard (29), der nach dem 1. Lauf noch Fünfter ist, fädelt im zweiten Durchgang ein und verpasst der Feierlaune im Zielhang so einen ordentlichen Dämpfer. Marc Rochat (33) verliert im 2. Lauf sieben Plätze (Schlussrang 24) und Daniel Yule (32) fällt fünf Plätze zurück (Schlussrang 26).
«Trainingsweltmeister» Zenhäusern klopft wieder Sprüche
Ein Schweizer sticht bei der Analyse des Klassements aber heraus: Ramon Zenhäuserns (33). Im zweiten Lauf ist, der über zwei Meter lange Walliser nicht nur der schnellste Schweizer, sondern der zweitschnellste Fahrer überhaupt. Auf Sieger Rassat verliert er am Nachmittag nur acht Hundertstel.
So kommen die Fans in einen Genuss, der ihnen seit 2023 viel zu oft vorenthalten blieb. Zenhäusern ist im Zielraum und auf dem Ledersessel richtig gut gelaunt, klopft Sprüche und bringt das Publikum zum Lachen. Er wird am Sonntag zu so etwas wie dem Retter der Schweizer Ski-Party im Berner Oberland.
Auf dem Leader-Thron, wo er zwischenzeitlich und nach langer Absenz endlich wieder einmal Platz nehmen darf – bis sich das französische Urgestein Victor Muffat-Jeandet (36) das Chuenisbärgli herunterkämpft – sagt Zenhäusern: «Im Training könnte ich oft hier sitzen. Mein Herz fängt an zu glühen. Solche Momente behältst du ein Leben lang im Herzen.» Am Ende schaut der 15. Rang für ihn heraus.
Dass der selbst ernannte «Trainingsweltmeister» Zenhäusern jetzt ausgerechnet in Adelboden mal wieder bei einem Ernstkampf für positive Schlagzeilen sorgen kann, ist trotzdem überraschend. Denn in Anbetracht der Stimmung im Adelbodner Hexenkessel ist wohl kein Rennen viel weiter weg von Trainingsbedingungen.
Hat Zenhäuserns Vater gespürt, dass es gut kommt?
Warum es am Sonntag gleichwohl geklappt hat, weiss auch Zenhäusern nicht ganz genau. Zu Blick sagt er kurz und knapp: «Das Ganze ist einfach verflixt. Der ganze Slalomsport ist verflixt.»
Einer, der es jedoch schon am Samstag gespürt hat, dass etwas drinliegen könnte, war Peter Zenhäusern, der Vater von Ramon. Die legendäre Stimme am Mikrofon von «Radio Rottu» sagte nach einer Liveschaltung vom Riesenslalom mit seinem breiten Walliser Dialekt zu Blick: «Heute kann ich schon noch ‹schnurre›, morgen verschlägt es mir dann wahrscheinlich die Sprache.»
Gut möglich also, dass Vater und Sohn am Sonntagabend noch zusammen anstossen. Zumindest der Junior verrät nach dem Rennen im Interview, in dem er ein alkoholfreies Bier in die Kamera hält, dass es am Abend dann auch mal eines mit Alkohol gibt. Glücklich fügt er hinzu: «Dann aber nicht vor der Kamera.»