Darum gehts
- Marco Odermatt gewinnt 64. Riesenslalom in Adelboden mit Rekordleistung
- Coach Helmut Krug lobt Odermatts clevere Fahrweise und ungenutzte Reserven
- Odermatt führt Riesenslalom-Gesamtwertung mit 95 Punkten Vorsprung vor Brennsteiner an
Die Stimmung ist zu Beginn des 64. Riesensalaloms am Chuenisbärgli nicht so euphorisch, wie man es sich von den letzten Jahren gewohnt ist. Die Vermutung liegt nahe, dass sich ein Grossteil der 20’000 Zuschauer in Gedenken an die Opfer der Feuer-Katastrophe zurückhalten. Doch als mit der Nummer 7 Marco Odermatt am Start des ersten Durchgangs steht, wird es auf der Tribüne richtig laut. Und der Nidwaldner liefert genau das ab, was die Fans im Berner Oberland sehen wollen.
Obwohl Lucas Pinheiro Braathen (25) mit der Startnummer 1 eine sehr starke Fahrt gelungen ist, fährt der vierfache Gesamtweltcupsieger trotz starkem Schneefall und dürftiger Sicht 49 Hundertstel schneller als der Brasil-Norweger. Diesen Vorsprung verwaltet Odermatt in Finallauf auf die Hundertstel genau. Damit feiert der 28-Jährige seinen fünften Adelboden-Sieg in Serie und stellt damit einen neuen Rekord beim prestigeträchtigsten Riesenslalom auf.
«Zum Glück haben die Adelbodner den FIS-Trend ignoriert»
Was Odermatts Erfolgscoach Helmut Krug danach im Gespräch mit Blick sagt, wird der Konkurrenz ganz übel einfahren: «Marco ist heute extrem clever gefahren, ich bin total beeindruckt. Aber er hat noch Reserven. Ich bin mir sicher, dass er noch einige Zehntel schneller hätte fahren können, wenn es nötig gewesen wäre.» Martin Julen (97), der 1955 das allererste internationale Skirennen in Adelboden gewonnen hat, formuliert es so: «Es ist beeindruckend, wie intelligent Odermatt fährt. Es scheint, als würde er mit einer inneren Uhr fahren. Er weiss immer ganz genau, was es braucht, um zu gewinnen.»
Odermatt selber bedankt sich nach seinem 51.Weltcupsieg ganz besonders bei der Crew um Pistenchef Toni Hari: «Die Piste war absolut genial. Weil hier in den Wochen zuvor eine so gute Grundlage gelegt wurde, hat die Strecke perfekt gehalten, obwohl es in den letzten Tagen drauf geregnet, gewindet und dann wieder geschneit hat.» In diesem Winter haben einige Pisten den Niederschlägen nicht standhalten können, weil sie im Vorfeld auf Wunsch der Rennleitung der FIS mit weniger Wasser präpariert wurden. «Zum Glück haben die Adelbodner diesen Trend der FIS ignoriert, ansonsten hätte es hier sehr wahrscheinlich kein Rennen gegeben», sagt Swiss Ski-Sport CEO Walter Reusser.
Diese Österreicher machen für Odermatt und seinen Coach alles!
Einen grossen Anteil an diesem historischen Schweizer Triumph haben aber auch die Pisten-Zauberer von der österreichischen Reiteralm. Fakt ist: Der alte Chuenisbärgli-Rekordhalter Marcel Hirscher (vier Riesen-Siege) hat sich in seiner sportlichen Blütezeit im Winter nahezu ausnahmslos im Trainingsmekka in der Steiermark vorbereitet. Der neue Adelboden-Rekordsieger Odermatt wird dank seines im Tirol aufgewachsenen Coachs Krug auf der Reiteralm ebenfalls bevorzugt behandelt.
Krug war in den 90er-Jahren als Übungsleiter des Schweden Frederik Nyberg der erste, der auf den unweit von Schladming gelegenen Berg trainiert hat. Deshalb erfüllen die Männer von der Reiteralm unserem Riesen-Chef jeden Wunsch. «Wir konnten letzte Wochen den Adelboden-Riesenslalom auf der Reiteralm perfekt simulieren», erzählt Krug. «Durch Hans Pieren habe ich erfahren, mit wie viel Wasser man das Chuenisbärgli präpariert hatte. Die Männer auf der Reitalm haben mir die Trainingspiste mit genau gleich viel Wasser präpariert, Übergänge hatten wir auch die Gleichen wie in Adelboden», erläutert der 63-Jährige.
95 Punkte Vorsprung
Mit seinem 28-Weltcupsieg im Riesenslalom holt sich Odermatt auch die rote Leadernummer zurück. Der Österreicher Stefan Brennsteiner, welcher vor diesem Rennen in der Riesenslalom-Gesamtwertung fünf Punkte vor dem Buochser lag, ist im zweiten Durchgang ausgeschieden. Somit liegt Odermatt bei drei verbleibenden Riesenslaloms in diesem Weltcup-Winter im Kampf um die kleine Riesen-Kugel 95 Punkte vor Brennsteiner. Odermatt gehört nach diesem geschichtsträchtigen Rennen das letzte Wort: «Es gibt für mich nichts Grösseres als ein Sieg in Adelboden. Nirgendwo ist die Stimmung so gut wie hier. Und es macht mich glücklich, wenn ich diesen tollen Ski-Fans mit einem Triumph etwas zurückgeben kann.»