Seit Donnerstag um 14.20 Uhr ist Matthias Lanzinger wieder in Österreich. Ein Ambulanzjet flog ihn von Oslo nach Salzburg. Mit an Bord war seine Lebensgefährtin Eva. Mutter Katharina Lanzinger wollte nach den schwierigen Stunden des Hoffens und Bangens lieber im Spital warten.
Sicher musste die Familie in diesen schrecklichen Tagen auch wieder an das Drama denken, das sich vor dreieinhalb Jahren ereignet hat. Damals hatte sich Vater Lanzinger umgebracht. Niemand konnte die Tat nachvollziehen. Verständlich, dass Sohn Matthias nie Details über den Selbstmord preisgeben wollte.
Kurze Zeit nach dem Verlust seines Vaters fuhr Matthias in Lake Louise sein erstes Weltcup-Rennen. Trost fand er in dieser schwierigen Zeit im Sport und vor allem bei seiner Freundin Eva. Mit ihr zusammen wollte er in zwei Wochen mit dem Bau eines Häuschens anfangen.
Österreichs Ski-Star Alexandra Meissnitzer (34), die wie Lanzinger in Abtenau aufgewachsen ist: «Während den Rennen Ende Februar in Whistler ging ich noch mit Matthias zum Abendessen. Da hat er mir erzählt, dass er sich in Salzburg ein kleines, aber feines Grundstück erworben hat. Er hat mich voller Vorfreude in seine Baupläne eingeweiht.»
Am Donnerstag bekam Meissi von Lanzingers Freundin ein SMS mit der Nachricht: «Matthias ist sehr tapfer.» Meissnitzer: «Wenigstens geben mir diese Worte etwas Kraft.»
Auch mit seinem Teamkollegen Georg Streitberger (27) hat Lanzinger in den letzten Wochen öfters über seine Zukunftspläne geplaudert. Mit seinem Salzburger Schulfreund teilte sich «Lanzi» seit vielen Jahren auf der Weltcuptour die Hotelzimmer. Ironie des Schicksals: Als Lanzinger am vergangenen Sonntag auf dem Weg ins Krankenhaus war, stand Streitberger zum ersten Mal in seiner Karriere zuoberst auf einem Weltcup-Podest.
Streitberger traute seinen Ohren nicht, als er kurz nach der Siegerehrung einen Anruf seines verunglückten Freundes aus dem Spital erhielt. Lanzinger am Handy zu Streitberger: «Ich freue mich wahnsinnig über deinen Sieg und es tut mir leid, dass ich jetzt nicht bei dir sein kann. Aber bitte tu mir einen Gefallen: Lass es bei der Siegesfeier trotzdem ordentlich krachen!» Streitberger kämpft noch immer mit den Tränen, wenn er an dieses Gespräch zurückdenkt.
In Sachen Ursachenforschung des Sturzes meldete sich Lanzingers Ausrüster-Firma zu Wort. Warum war die Bindung nur am rechten, nicht aber am linken Ski aufgegangen? Diese Frage hatten sich viele Ski-Fans vor dem TV gestellt.
Stéphane Cattin (40), Rennmanager der Ski-Firma Fischer: «Ich vermute, dass sich Matthias bereits beim Aufprall der Torstange das Bein gebrochen hat. Und wenn die Muskulatur erschlafft ist und vom Bein kein Widerstand mehr kommt, dann geht eine Bindung ganz einfach nicht auf. Aber den Beweis dafür werden wir nie erhalten. Dazu müsste man eine genau Tor-Analyse machen können – und das geht nicht mehr. Lanzingers Bein bekommen wir sowieso nicht mehr zurück.»