Darum gehts
- Matthias Iten aus Unterägeri erzielt am 14. Dezember Top-10-Platzierung
- Iten ist der erste Zuger mit Top-10-Erfolg in Weltcup-Geschichte
- 2020/21 bestritt Iten wegen Rückenproblemen nur vier Rennen
Swiss-Ski-Sportchef Walter Reusser hat im letzten Winter trotz grosser Erfolge den Alarmknopf betätigt: «Es ist leider so, dass bei uns im Riesenslalom und Slalom hinter den Teamleadern eine zu grosse Lücke klafft!» In der Zwischenzeit hat zumindest ein bislang wenig bekannter Slalom-Fahrer aus der Zentralschweiz den Anschluss an die erweiterte Weltspitze hergestellt. Sein Name: Matthias Iten.
Der Oberwalliser Didier Plaschy, welcher 1999 zwei Weltcup-Slaloms gewonnen hat, schwärmte bereits im Spätherbst von den Fähigkeiten des 26-Jährigen aus Unterägeri ZG. «Dieser Iten fährt im Training konstant stark», so Plaschy damals.
Iten schreibt als Zuger Geschichte
Am 14. Dezember in Val d'Isère setzt der Head-Pilot seine starken Trainingsleistungen erstmals im Rennen um – mit der Startnummer 61 qualifiziert er sich bei miserablen Pistenbedingungen als 30. und Letzter für den zweiten Durchgang. Dort schafft er dann mit der drittbesten Laufzeit sogar den Sprung auf den zehnten Platz.
Somit ist Iten der erste Zuger, der in der 58-jährigen Weltcup-Geschichte eine Top-10-Platzierung vorweisen kann. Es gibt eine Zugerin, die auf höchster Stufe sogar eine Top-5-Klassierung herausgefahren hat. Tamara Müller (48), die ebenfalls aus Unterägeri stammt, ist 2003 beim Super-G in Cortina als Vierte nur knapp am Podest vorbeigefahren. «Ich kenne Tamara sehr gut, sie ist als Erste meinem Fanclub beigetreten», verrät Iten.
Seine Jugend-Idole waren Carlo Janka, Didier Cuche und Bode Miller. «Ich habe von Bode die Biografie gelesen, die mich sehr inspiriert hat. Bei Bode steht immer der Spass an der Sache im Vordergrund. Das ist bei mir auch so.»
Wegen Handicap kurz vor Rücktritt
Leider Gottes hat sich in den letzten Jahren Itens Rücken regelmässig als Spassbremse entpuppt. «In der Saison 2020/21 waren die Beschwerden derart heftig, dass ich nur vier Rennen bestreiten konnte.» Auch jetzt ist der Slalom-Spezialist nicht gänzlich frei von Beschwerden. Das Problem: «Ich habe im Lendenbereich eine Bandscheibe, in der zu wenig Flüssigkeit drin ist. Wenn die Belastung zu gross ist, wird es problematisch.» Iten darf deshalb nur dosiert trainieren.
Das heisst im Klartext: Wenn seine Kollegen fünf Trainingsläufe absolvieren, macht er höchstens deren drei. Iten macht kein Geheimnis daraus, dass er aufgrund seines Rückens «mehrmals an den Rücktritt gedacht» habe. «Aber immer wenn ich so gedacht habe, ist ein Ergebnis gekommen, welches mich zum Weitermachen animiert hat.»
Die Chancen stehen gut, dass Iten auch beim Slalom am Chuenisbärgli ein gutes Ergebnis einfahren wird.