Die Blätter an den Bäumen leuchten gelb, braun und orange. Von Schnee und Winter ist noch wenig zu spüren. Trotzdem steht das traditionelle Saison-Opening in Sölden (Ö) an. In den vergangenen 18 Jahren hiess das auch: Zeit für eine Show von Lara Gut-Behrami (35). Die Tessinerin siegte dreimal, im letzten Winter wurde sie Dritte.
Doch diesmal ist für das Schweizer Frauen-Team alles anders. Der Name Gut-Behrami fehlt. Ihr Podestplatz am Rettenbachgletscher war der letzte ihrer Karriere. Kurz darauf verletzte sie sich schwer am Knie, im August beendete sie ihre Karriere. «Einerseits ist es extrem schade, dass sie fehlt. Andererseits schauen wir nach vorne», sagt Frauen-Cheftrainer Beat Tschuor. Was dürfen die Schweizer Fans nun erwarten? Der SonntagsBlick beantwortet die drei entscheidenden Fragen.
Wer ist jetzt unser Trumpf?
Camille Rast (27), ganz klar. Sie fuhr im vergangenen Winter siebenmal in die Top 5 und feierte ihren ersten Weltcupsieg in dieser Disziplin. Auch das Trainingslager in Ushuaia (Arg) lief gut. Ihre Hüfte machte nur selten Probleme, «auch wenn sie nicht bei 100 Prozent ist», sagt Rast. Alles in Butter also? Nicht ganz.
Rast bringt alles mit, um den brutalen Steilhang in Sölden zu meistern. Auch im vergangenen Winter war sie gut unterwegs, ehe sie bei der Ausfahrt ins Flache patzte. Rang 15 war das Resultat. Zudem gehört der Showdown im Ötztal nicht zu ihren Lieblingsrennen. Oft kommt er für sie zu früh. «Es ist einfach das erste Rennen. Ich mag es am liebsten, wenn ich im Rennrhythmus bin», sagt Rast. Den hat sie noch nicht. Besser als Zwölfte (2024) war sie in Sölden bisher nie. Ein Podestplatz ist möglich, aber nicht zu erwarten.
Wie steht es um die Breite im Schweizer Team?
Neben Gut-Behrami fehlt auch Michelle Gisin (32). Ob sie je wieder Weltcuprennen bestreiten wird, ist offen. Trotzdem hat die Schweiz zehn Startplätze – mehr als jede andere Nation. Wendy Holdener (33) will nach mageren Jahren im Riesenslalom wieder den Anschluss schaffen. Vanessa Kasper (29) ist eine Top-20-Klassierung zuzutrauen. Auch die jungen Dania Allenbach (19), Sue Piller (21) und Stefanie Grob (22) können in die Top 30 fahren.
Und mit Corinne Suter (32) steht plötzlich auch ein Speed-Ass am Start. Malorie Blanc (22) hingegen wird in Sölden fehlen. Sie hat laut Insidern einen extrem schnellen Riesenslalom-Schwung, Swiss-Ski will sie aber behutsam aufbauen.
Wer könnte Miss X sein?
Piller hat grosses Potenzial. In der Weltcup-Startliste steht sie auf Rang 31. Das bedeutet: In Sölden dürfte sie trotz der wohl schon bald gezeichneten Piste mit einer vielversprechenden Startnummer ins Rennen gehen. «Ich will in diesem Winter direkter auf die Tore zufahren», sagt sie. Weniger Umweg, mehr Tempo – das könnte sich auszahlen.
Ihre Freundin Dania Allenbach (19) dürfte in Sölden ihr Debüt geben. Das Talent der Bernerin ist gross, ihr Angriffswille ebenso. «Aber manchmal braucht es mehr Köpfchen», sagt sie schmunzelnd. Zu verlieren hat Allenbach in Sölden nichts, zu gewinnen aber viel.