Darum gehts
- Gino Caviezel startet in Sölden erstmals seit seiner schweren Knieverletzung wieder im Weltcup
- Eine Dokumentation begleitet Caviezels Reha und läuft am Freitagabend auf Mysports und 3+
- Servicemann Habersatter traut Caviezel nach starken Trainings den zweiten Lauf in Sölden zu
Es ist ein brutaler Sturz, der Gino Caviezel in der Altjahrswoche 2024 auf der berüchtigten Stelvio in Bormio erwischt. Die Bänder sowie die Sehnen am rechten Wadenmuskel werden durch diesen Crash regelrecht zerfetzt! Als der Bündner in den Hubschrauber verladen wird, hat sein Unterschenkel zwei Zentimeter Spielraum. «Für mich war zu diesem Zeitpunkt klar, dass Gino nie mehr am Start eines Weltcuprennens stehen wird», gesteht Caviezels Servicemann Hanspeter Habersatter.
Selbst renommierte Mediziner stossen durch den Totalschaden in Ginos rechtem Knie an ihre Grenzen. «Es hat zwei Ärzte gegeben, die es abgelehnt haben, mich zu operieren, weil sie zuvor noch gar nie oder erst einmal mit einer vergleichbaren Verletzung konfrontiert wurden», verrät der mittlerweile 34-Jährige.
«Verrückt, was alles passiert ist»
Letztendlich war es der deutsche Professor Peter Angele, der den Bündner in Regensburg operiert hat. Dass der Atomic-Pilot dennoch den Sprung zurück in den Ski-Zirkus geschafft hat, führt er selber auch auf die Zusammenarbeit mit dem Manual-Therapeuten Rolf Fischer zurück. «Rolf ist kein Handaufleger, die Therapien bei ihm kommen harter Arbeit gleich. Ich bin nach jeder Einheit brutal geschlaucht. Aber seine Methode beschleunigt den Genesungsprozess so sehr, dass ich bereits ohne Krücken zur OP nach Deutschland anreisen konnte.»
Auf seinem knallharten Weg zurück auf die Skipiste hat sich Caviezel von der Kamera des Churer Filmemachers Valentin Müller begleiten lassen. Diese eindrückliche Dokumentation wird am Freitag um 19.30 Uhr von den TV-Sendern Mysports und 3+ ausgestrahlt. Selbstverständlich hat Caviezel diesen Streifen über sich selber schon gesehen. Wie hat er darauf reagiert? «Tränen habe ich zwar keine vergossen, aber es sind schon einige Emotionen in mir hochgekommen. Verrückt, was in den letzten knapp zwei Jahren in meinem Leben passiert ist.»
Geglückte Hauptprobe
Im letzten Winter hat Caviezel bekanntlich ein Rennen bestritten – den Riesenslalom auf der komplett vereisten Planai in Schladming. Die Qualifikation für den zweiten Durchgang hat er damals verpasst. Doch vor dem Auftakt in die neue Weltcup-Saison glaubt selbst der Mann, der unmittelbar nach dem Unfall nicht an ein Comeback geglaubt hat, dass Caviezel in Sölden die Finalqualifikation schaffen kann. «Am vergangenen Wochenende trainierten wir bereits auf dem Rennhang in Sölden, und Gino hat sich bei schwierigen Bedingungen richtig gut geschlagen. Er ist im Vergleich zum Vorjahr körperlich, aber auch mental noch einmal stärker geworden, deshalb traue ich ihm diesmal die Qualifikation für den zweiten Durchgang zu», so Servicemann Habersatter.
Ob der Drittplatzierte vom Sölden-Riesen 2020 längerfristig betrachtet noch einmal den Sprung auf ein Weltcup-Podium schaffen wird, kann und will derzeit niemand abschätzen. Doch für Habersatter steht fest, «dass Gino bereits jetzt eine sensationelle Leistung erbracht hat. Der grösste Teil der Skirennfahrer wäre nach einer solchen Verletzung nicht an den Weltcup-Start zurückgekehrt, schon gar nicht in diesem Alter. Aber die Caviezels sind eben besonders hart im Nehmen.»
Dass die Caviezels tatsächlich besondere Typen sind, belegt nicht zuletzt der Dialog zwischen Gino und seinem vier Jahre älteren Bruder Mauro, während der Jüngere in Bormio in den Rega-Helikopter verladen wurde: «Ab jetzt gehts vorwärts, Gino. Jetzt wird alles getan, damit du den Weg zurück in den Weltcup schaffst!» Eine starke Ansage, die am Sonntag in Sölden erneut untermauert werden soll.