Eintrittspreis-Debatte im Schweizer Sport
«Eigentlich müssten die Tickets noch teurer sein»

Security, Tribünen, Grossbildschirme oder Schneeräumung: Hinter einem Sportticket steckt weit mehr als nur ein Sitzplatz. Die Verantwortlichen von Adelboden und der Ski-WM Crans-Montana erklären, warum Veranstaltungen immer teurer werden.
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170 Franken für ein WM-Ticket: Die Diskussion begann im Ski-Zirkus.
Foto: RMS

Darum gehts

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  • 170-Franken-Tickets für Ski-WM Crans-Montana sorgen für hitzige Diskussionen
  • Kosten für Infrastruktur, Gratistransporte und Fanerlebnis treiben Ticketpreise hoch
  • Gesamtkosten der WM: 75 Mio. Franken, Ticketeinnahmen decken nur 10 Prozent
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Joël HahnRedaktor Sport

170 Franken für ein WM-Ticket sorgen für Diskussionen. Für die Organisatoren dagegen ist die Rechnung schnell gemacht. «Wenn man alle Kosten decken wollte, die direkt mit dem Fanerlebnis zusammenhängen, müssten die Tickets eigentlich noch teurer sein», sagt Sophie Clivaz (37), Head of Marketing & Communication der Ski-WM Crans-Montana. Was provokant klingt, ist aus Sicht der Veranstalter eine nüchterne Rechnung.

Ein Ticket bezahlt weit mehr als nur den Sport

Denn ein Ticket bezahlt weit mehr als den eigentlichen Sport. «Um den Preis eines Tickets zu erklären, muss man alle Leistungen rund um das Fanerlebnis zusammenzählen», erklärt Clivaz gegenüber Blick.

Dazu gehören Tribünen, Toiletten, Signaletik, Grossbildschirme, Soundsysteme, Stadionsprecher, DJs, Sicherheitspersonal, Zugangskontrollen, Zuschauerlenkung, Ticketing-Systeme, Reinigung oder Schneeräumung.

Hinzu kommt die Mobilität. Die Organisatoren bieten während der WM Gratistransporte ab Siders VS und innerhalb von Crans-Montana an. Dazu kommen Infrastruktur, Fan-Entertainment, Sicherheit, Mobilität, Ticketing und Personalleistungen wie Empfang, Reinigung oder Schneeräumung. «Um den Preis eines Tickets zu erklären, muss man alle Leistungen rund um das Fanerlebnis zusammenzählen», sagt Clivaz.

Die WM kostet insgesamt rund 75 Millionen Franken. Die Ticketeinnahmen machen dabei lediglich rund 10 Prozent des Budgets aus. Der Rest stammt aus Sponsoring, TV-Geldern, Gastronomie und öffentlichen Beiträgen.

WC, Schneeräumung und DJ gehören auch dazu

Die Preise entstehen nicht zufällig. Laut Clivaz wurden die Rennen anhand einer Nutzwertanalyse klassifiziert. Dabei spielten Wochentag, Erlebnisfaktor, sportliche Bedeutung, Schweizer Medaillenhoffnungen und die erwartete Nachfrage eine Rolle.

«Der Benchmark war entscheidend», sagt Clivaz. Verglichen wurde unter anderem mit der Ski-WM in Saalbach (Ö), den Olympischen Spielen in Mailand-Cortina (It) sowie mit Wengen, Kitzbühel (Ö) und Adelboden. Gleichzeitig betont sie, dass verschiedene Sektoren und Preisklassen bewusst geschaffen wurden, um die Rennen möglichst zugänglich zu halten.

«Wir geben 363 Tage Geld aus»

Auch in Adelboden sind die Kosten deutlich gestiegen. Weltcup-Geschäftsführer Christian Haueter (43) sagt zu Blick: «Eine Preisentwicklung ist definitiv auf dem Weg.» Besonders seit Corona hätten sich die Rahmenbedingungen verändert. «Die temporäre Infrastruktur ist mehr oder weniger um ein Viertel im Durchschnitt gestiegen.»

Dazu kämen höhere Energiepreise, Diesel, Logistik und neue Anforderungen. Auch die Kommunikation sei aufwendiger geworden. «Früher hat vielleicht ein Facebook-Foto gereicht. Heute braucht es Videos, Social Media und viel mehr Content.»

Der entscheidende Unterschied zu Meisterschafts-Sparten wie Fussball: Ski-Events haben oft nur ein Wochenende Zeit, um Einnahmen zu generieren. «Unser Geschäftsmodell sieht vor, nur an einem Wochenende Einnahmen zu generieren, hingegen geben wir an 363 Tagen Geld aus», sagt Haueter.

Auch Klubs leben von den Tickets

Bei den ZSC Lions machen die Ticketeinnahmen inzwischen fast 50 Prozent des Budgets aus. «Irgendwo ist die Schmerzgrenze da», sagt Bruno Vollmer (59). Trotz grosser Nachfrage wolle man die Fans nicht auspressen.

Beim HC Kriens-Luzern stiegen die Preise mit dem Umzug in die neue Pilatus Arena um rund 20 Prozent. «Wir kommen aus einer Turnhalle und sind in die modernste Indoor-Sporthalle der Schweiz gezogen», sagt Medienchef Dany Frank (49). Die Fans hätten den Aufpreis akzeptiert. Rund 30 Prozent des Ticketpreises fliessen dort in die Infrastruktur. Insgesamt machen die Ticketeinnahmen rund 40 Prozent des Budgets aus.

«Eigentlich müsste das Ticket noch teurer sein»

Für die Organisatoren ist deshalb klar: Hinter einem Ticket steckt weit mehr als nur ein Sitzplatz. Gleichzeitig betont Clivaz, dass man bewusst verschiedene Preiskategorien geschaffen habe, um die Weltmeisterschaften für möglichst viele Zuschauer zugänglich zu halten.

Gleichzeitig wissen auch die Organisatoren, dass der Sport nur funktioniert, wenn die Fans mitziehen. Die Kunst besteht deshalb darin, die Balance zwischen Wirtschaftlichkeit und Zugänglichkeit nicht zu verlieren. Denn volle Tribünen sind am Ende mehr wert als ein paar zusätzliche Franken pro Ticket.

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