Bei historischem Braathen-Sieg
Odermatts Serie reisst – Meillard jubelt als Zweiter

Schweizer Podestjubel in Kranjska Gora. Loïc Meillard wird im Riesenslalom Zweiter. Nur Lucas Braathen ist schneller, während Marco Odermatt für einmal in Slowenien am Podest vorbeifährt.
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Loïc Meillard wird in Kranjska Gora Zweiter.
Foto: Getty Images

Das Podest

1. Lucas Braathen (Bra) 2:11,95
2. Loïc Meillard (Sz) +0,54
3. Stefan Brennsteiner (Ö) +0,80

Das Rennen

Am Morgen ist Marco Odermatt der erste Athlet, der sich aus dem Starthäuschen katapultiert. Seine Zeit hält schon der ersten Prüfung nicht stand. Letztlich liegt er zur Halbzeit auf Rang 5 – mit 92 Hundertsteln Rückstand. Will er zum achten Mal in Serie aufs Kranjska-Gora-Podest fahren, braucht der Nidwaldner eine Aufholjagd. Und die kommt nicht. Odermatt legt in der Entscheidung zwar stark los, hat dann aber mit kleineren Problemen zu kämpfen. Und das reicht nicht, um sich zwischenzeitlich an die Spitze zu setzen. Er übernimmt Platz 2 – und zittert um die Fortsetzung seiner Kranjska-Gora-Serie (siehe «Das gab zu reden»). 

Denn als Teamkollege Loïc Meillard wenig später ins Ziel kommt, ist Odermatt nur noch Dritter. Meillard zeigt einen wilden Ritt, ist vor allem oben sehr schnell unterwegs. Im zweiten Teil lässt er noch etwas Zeit liegen, geht aber dennoch deutlich in Führung. Das ist eine Ansage. Und reicht am Ende dennoch nicht ganz für den Sieg. Denn Lucas Braathen, der schon zur Halbzeit führt, ist nicht zu schlagen. Nach dem Olympiasieg schreibt er erneut Geschichte, er sichert Brasilien den ersten Riesenslalom-Weltcupsieg. Und Odermatt? Der landet neben dem Treppchen, er wird Fünfter.

Die Schweizer

14. Luca Aerni +2,41
15. Thomas Tumler +2,48
24. Fadri Janutin +3,17
Den 2. Lauf verpassen: 36. Sandro Zurbrügg (+3,26), 53. Lenz Hächler (+5,03)

Nach der elften Zeit im ersten Lauf will Luca Aerni die Top 10 angreifen. Der Start gelingt ihm nicht, schon früh ist sein Polster weg. Erst in der zweiten Hälfte dreht er auf. Das reicht nicht mehr, um sich an die Spitze zu setzen. Er reiht sich unmittelbar vor Teamkollege Tumler ein. Und fährt zum fünften Mal in diesem Winter in die Top 15. 

Zur Halbzeit klassiert sich Thomas Tumler als 16. im Mittelfeld. Am Nachmittag will er sich nach vorne arbeiten. Er legt los wie die Feuerwehr, ist in den ersten beiden Abschnitten stark unterwegs. Aber er kann es nicht durchziehen, fällt untenraus noch zurück. Weil danach die Konkurrenz patzt, gehts für ihn in der Rangliste trotzdem nicht nach hinten.

Sechs Riesenslaloms hat Fadri Janutin in diesem Weltcup-Winter bestritten, in den zweiten Lauf hat ers nie geschafft. Oft haben nur wenige Hundertstel gefehlt. Nun qualifiziert er sich es als 30. haarscharf für die Entscheidung und darf diese eröffnen. Er nutzt die Chance für eine gute Fahrt, kann einen Moment auf dem Leaderthron sitzen bleiben und verbessert sich in der Rangliste.

Missglückter Auftritt von Lenz Hächler. Vor allem im Zielhang häufen sich die Fehler in seiner Fahrt. So handelt er sich einen grossen Rückstand ein – nur drei Athleten büssen noch mehr Zeit ein. Auch Sandro Zurbrüggs Rückstand ist zu gross, um ein zweites Mal starten zu dürfen.

Das gab zu reden

Marco Odermatt und Kranjska Gora – das passt. Bei seiner Premiere im slowenischen Skiort ist der Nidwaldner 2018 zwar noch im ersten Lauf ausgeschieden, doch danach hat die gemeinsame Erfolgsgeschichte begonnen. 2019 feiert er als Dritter den ersten Podestplatz seiner Karriere in Kranjska Gora. Seither hat Odermatt dort sechs weitere Riesenslaloms bestritten – und ist ausnahmslos in die Top 3 gefahren, davon dreimal als Sieger. Nach dem ersten Lauf wackelt die Serie, als Fünfter braucht Odermatt eine Aufholjagd. Und die bleibt aus. Er kann sich nicht steigern und verpasst erstmals, wenn er in Kranjska Gora ins Ziel kommt, das Podium.

Der Kugelkampf

103 Punkte Vorsprung hat Marco Odermatt im Kampf um die kleine Kristallkugel vor dem Start des Rennens. Mit einem Sieg hätte er den Sack zumachen können. Das schafft er nicht. Stattdessen holt er «nur» 45 Punkte, während Sieger Lucas Braathen den 100er abstaubt. Damit kann er den Rückstand mehr als halbieren, liegt vor dem Showdown beim Weltcupfinal nur noch 48 Zähler zurück. Auch Loïc Meillard wahrt die theoretische Chance auf den Sieg in der Disziplinenwertung. Sein Rückstand: 89 Punkte. Er bräuchte allerdings beim Weltcupfinal nicht nur den Sieg, sondern wäre auch darauf angewiesen, dass Odermatt die Punkte verpasst und Braathen maximal Fünfter wird.

Die Stimmen gegenüber SRF

Thomas Tumler: «Ich konnte im zweiten Lauf mehr attackieren, habe besser in den Lauf gefunden. Das war ein guter Schritt im Vergleich mit dem Morgen. Aber irgendwie bin ich nicht ganz in den Flow reingekommen. Bei der Besichtigung dachte ich das Tempo wäre höher, im Lauf hat es sich gut angefühlt.»

Marco Odermatt nach dem 1. Lauf: «Ich habe schon gemerkt, dass es nicht so super war. Es ist alles sehr einfach gegangen. Ich hatte das Gefühl, es dreht überall ein bisschen mehr und trotzdem hab ich nicht die Geduld und den Mut gehabt, um clean vorzufahren. Und dann bremst es und du verlierst in jedem Tor einen Hundertstel oder zwei.

Loïc Meillard nach dem 1. Lauf: «Der Lauf war ganz in Ordnung, sicher waren ein zwei kleine Fehler drin. So guten Schnee habe ich in Kranjska Gora schon lange nicht mehr gesehen. Der Lauf war vom Rhythmus her nicht einfach.»

Luca Aerni nach dem 1. Lauf: «Oben hatte ich etwas Mühe, den Rhythmus zu finden. Dann bin ich immer mehr ins Fahren gekommen. Ich war ein bisschen zu ungeduldig und habe die Füsse immer etwas gedreht.»

Das gab zu reden II

Mit Juan Lago steckt ein Trainer aus dem andorranischen Team den ersten Lauf. Seinem einzigen Athleten am Start tut er mit dem drehenden Kurs keinen Gefallen. Joan Verdu scheidet mit Startnummer 22 als erster Athlet aus. Von den 69 Fahrern am Start schaffen es im ersten Lauf insgesamt 13 nicht bis ins Ziel. Für den zweiten Durchgang ist ein norwegischer Trainer verantwortlich – sein Kurs ist deutlich schneller gesteckt, erinnert teilweise stark an einen Super-G.

Die Bedingungen

Frühlingshafte Bedingungen in Kranjska Gora. Zwar sind die Temperaturen in der Nacht unter null Grad gesunken und die Piste wurde im Vorfeld mit viel Salz bearbeitet. Wirklich hart ist sie am Morgen trotzdem nicht. «Es ist jetzt schon sehr warm gewesen und die Piste ist schon etwas aufgegangen. Es war nicht unbedingt der hartgefrorene Frühlingsschnee», sagt Marco Odermatt ins SRF-Mikrofon. Durch die Sonne wird die Piste für die Entscheidung noch weicher und schmieriger.

So gehts weiter

Der Aufenthalt in Kranjska Gora wird am Sonntag mit dem Slalom (1. Lauf 9.30 Uhr) abgeschlossen. Danach gehts nächstes Wochenende mit dem Speed-Triple in Courchevel (zwei Super-Gs am Freitag und Sonntag, Abfahrt am Samstag) weiter. Im Riesenslalom ist nur noch das Rennen beim Weltcupfinal am 24. März ausstehend.

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