Darum gehts
- Marco Kohler erreicht Platz 13 bei der Wengen-Abfahrt am Samstag
- 2020 stürzte Kohler schwer, Ärzte prognostizierten Karriereende
- In diesem Jahr konnte Kohler die Abfahrt in Wengen erstmals geniessen
Bei der Abfahrt in Wengen sorgen die Schweizer Abfahrer rund um Sieger Marco Odermatt abermals für ein ausgezeichnetes Teamergebnis. Massgeblich daran beteiligt ist auch einer, der mit der Strecke am Lauberhorn eine ganz besondere Vergangenheit pflegt – und für den Rang 13 fast wie ein Sieg wirkt. Die Rede ist von Marco Kohler.
Für den in Meiringen aufgewachsenen Speedfahrer ist Wengen ein Heimrennen, das ihn seit Jahren tief prägt. Und zwar nicht nur positiv: 2020 stürzt Kohler als Vorfahrer im Ziel-S schwer und reisst sich Kreuzband, Patellasehne und Meniskus im linken Knie. Die Ärzte erklären ihm damals, es sei unwahrscheinlich, je wieder Profirennen bestreiten zu können.
Kohler konnte im Super-G am Freitag einen Sturz knapp verhindern
Doch Kohler kämpft sich zurück – und erlebt 2024 bei seinem ersten Weltcup-Einsatz in Wengen das nächste Drama. Beim Sprung kurz vor dem Haneggschuss gerät er in Rücklage und verdreht sich das rechte Knie. Diagnose: Kreuzbandriss, Meniskusschaden und Innenbandzerrung.
Kohlers Saison 2023/24 ist zwar vorbei, doch im Januar 2025 steht der 28-Jährige wieder am Start der Strecke, die ihn Hunderte Stunden Reha gekostet hat. Als 31. gibt es damals zwar keine Weltcup-Punkte, doch dafür die ersehnte Versöhnung mit der Strecke. «Dort ging es darum, gesund in das Ziel zu kommen», sagt Kohler rückblickend.
War die Versöhnung aber nur einseitig? Denn auch in diesem Jahr zeigt die legendäre Abfahrt zunächst ihre Zähne. Im Super-G am Freitag kommt Kohler nach einem Verschneider beim Österreicherloch kurz vor dem Ziel-S bedrohlich nahe an die Fangnetze. Kohler kann Schlimmeres zwar gerade noch so verhindern, doch «es hat schon gezwickt im Bein», sagt der 30. des Super-G.
«Konnte es jetzt wirklich mal geniessen»
Für den Start bei der Abfahrt am Samstag werden deshalb zwar Schmerztabletten notwendig, doch Zweifel sind bei Kohler wegen des kurzen Umwegs tags zuvor keine aufgekommen. Mit Startnummer 21 jagt er im verkürzten Rennen die Piste hinunter und ist dabei so richtig schnell. Jegliche Gedanken an die schwierigen Zeiten auf dieser Strecke scheinen zumindest während dieser Fahrt verschwunden.
Am Ende leuchtet Rang 13 auf der Resultattafel – ein Resultat, das in Anbetracht seiner schwierigen Vorgeschichte sensationell ist. Kohler strahlt nach überstandener Fahrt zurecht und sagt gegenüber Blick erleichtert: «Jetzt konnte ich es hier wirklich mal geniessen. Die Stürze habe ich jetzt verarbeitet.»