Head-Rennchef Rainer Salzgeber drückt eine halbe Stunde vor dem Rennstart seine Verwunderung über einen Entscheid der Rennleitung aus, den Rennstart zum Hundschopf zu verlegen: «Ich hatte während der Streckenbesichtigung nicht das Gefühl, dass man verkürzen muss. Ich habe keinen heftigen Wind gespürt.»
Ungefähr eine halbe Stunde nach dem Rennende trifft FIS-Renndirektor Markus Waldner im Ziel ein. Der Südtiroler ist sichtlich angesäuert. Im Gespräch mit Blick spricht Waldner Klartext: «Ja, ich bin verärgert! Und zwar, weil ich offensichtlich einen falschen Wetterbericht erhalten habe!»
Der General des internationalen Ski-Verbands geht in die Details: «Gemäss dem offiziellen Wetterdienst des Veranstalters hätte es im oberen Abschnitt den ganzen Tag winden sollen. Doch beim Rennstart um 12.30 Uhr war es oben windstill. Somit wäre ein Rennen vom Originalstart aus möglich gewesen.»
Deutliche Worte von Tom Stauffer
Es ist die Firma des ehemaligen TV-Stars Jörg Kachelmann, die seit vielen Jahren bei den Lauberhonrennen die Wetterprognosen für den Veranstalter erstellt. In den letzten Jahren waren diese Prognosen sehr verlässlich.
Christoph Leibundgut, Medienverantwortlicher der Lauberhornrennen, stellt sich auch in diesem Fall vor die «Kachelmänner»: «Der Guggiföhn wird für die Meteorologen immer total unberechenbar bleiben. Fakt ist, dass es im oberen Streckenabschnitt bis eine Stunde vor dem Rennen stark gewindet hat. Um das Rennen zu sichern, haben wir uns vorzeitig für eine Heruntersetzung des Starts entschieden.»
Swiss-Ski-Cheftrainer Tom Stauffer steht voll hinter dieser Entscheidung: «Damit die Zeitmessung und die TV-Kameras rechtzeitig bereitstehen, muss man hier in Wengen eine Stunde vor dem Start eine Entscheidung treffen.» Stauffer legt nach: «Es hätte niemandem geholfen, wenn wir um 12.30 Uhr das Rennen vom Original-Start lanciert hätten und um 13 Uhr der Guggifön aufgekommen wäre. In diesem Fall wäre es für eine Startversetzung zu spät gewesen, man hätte das Rennen abbrechen müssen.»
Kritik aus Österreich
Der ehemalige Kitzbühel-Sieger Hans Knauss (Ö, 54) vertritt diesbezüglich eine etwas andere Meinung. «Wir müssen aufpassen, dass wir in unserem Sport nicht übervorsichtig werden», sagt Knauss. «Der Wind ist beim Hundschopf kein grosses Problem, weil er gut geschützt ist. Und wenn ein Rennfahrer bei der Minschkante eine Böe erwischt, ist das auch nicht so gefährlich, weil man hier ja nicht wie beim Golden Eagle in Beaver Creek 50 bis 60 Meter weit fliegt. Und wenn schon nicht von ganz oben, hätte ich wenigstens vom früheren Start der Kombi-Abfahrt das Rennen gestartet. Eine Lauberhornabfahrt ohne den Sprung über den Hundschopf ist in meinen Augen keine richtige Lauberhornabfahrt.»
Das letzte Wort in dieser Angelegenheit hat Medienchef Christoph Leibundgut: «Wir haben hier lieber ein verkürztes Rennen, als ein Wettkampf vom Originalstart, in dem einer der Top-Favoriten vom Wind verweht würde. Die Fairness steht bei uns im Vordergrund.»