Es ist eine besonders feine Pointe in der Alpin-Geschichte: Mit Daniel Yule (24) stand am Sonntag erstmals seit dem zweiten Rang von Didier Plaschy 1999 wieder ein Schweizer auf dem Slalom-Podest in Kitzbühel. Und damit ausgerechnet ein Schüler des Oberwallisers, der vor zwei Jahrzehnten zu den besten Schweizer Technikern zählte.
Plaschy formte als Trainer des «Swiss Ski Future-Teams» den Unterwalliser Yule zu einem Weltklasse-Slalomfahrer. Und auch der zwei Meter lange Visper Ramon Zenhäusern (6. in Kitzbühel, 4. in Wengen) erhielt von Plaschy den nötigen Schliff für die Weltspitze. «Ein Wunder, dass der Zwei-Meter-Riese Zenhäusern auf 1,70 m kurzen Ski derart gut das Gleichgewicht halten kann», staunt Deutschlands Slalom-Altmeister Frank Wörndl (Weltmeister 1987). Zenhäuserns Antwort: «Ich habe momentan mit Matteo Joris und Thierry Menet zwei überragende Ski-Trainer. Und in der Vergangenheit hat Didier Plaschy – heute noch mein Kondi-Trainer – meine Koordination mit sehr speziellen Methoden gefördert.»
Von einem Auto abgeschleppt
Ein paar besondere Beispiele gefällig? Bitte schön! Als Plaschy, der 1999 die Weltcup-Slaloms in Park City und Kranjska Gora gewann, 2012 seinen Trainer-Job bei Swiss Ski antrat, schnallte er Zenhäusern und Yule Rollski an und liess sie dann an einem Seil von einem Auto ziehen. Auf diese Weise sollten das Fahren auf einem Bein und das Gleichgewicht geschult werden. Yule und Zenhäusern lernten dabei, ganz zentral auf den Rollski zu stehen.
Plaschy besuchte in dieser Zeit auch regelmässig die Ski-Teppich-Anlage im Interlakner Mistery-Park. Vor allem dieser Schritt löste bei vielen Swiss-Ski-Trainerkollegen unverständiges Kopfschütteln aus. Doch Plaschy verteidigte seine Idee damals so: «Ich kann auf dem Ski-Teppich eine optimale technische Grundschule bieten, bei der die Geschwindigkeit sehr gut variiert werden kann. Weil am ‹Pistenrand› ein grosser Spiegel steht, kann der Athlet während des Fahrens seine Bewegungen kontrollieren und korrigieren.»
Plaschy ist mittlerweile CEO von Ski Valais und hat auf die Ausbildung von jungen Ski-Talenten weiterhin grossen Einfluss. Seine Musterschüler Yule und Zenhäusern könnten heute beim Nacht-Slalom in Schladming ein weiteres Meisterstück abliefern.