Die Schlussgänge
In den ersten fünf Gängen hat Joel Wicki (27) einen Blitzsieg an den anderen gereiht. Im Schlussgang des Luzerner Kantonalen gegen Michael Gwerder (23) gehts dann nicht mehr ganz so schnell. Zwar lanciert er immer wieder Angriffe, sieht aber alle abgewehrt. Und liegt nach neun Minuten beinahe selber auf dem Rücken. Doch Wicki reagiert blitzschnell, verhindert die Niederlage und legt wenig später Gwerder auf den Rücken. Damit verteidigt er seinen Titel aus dem Vorjahr.
In Horgen greifen die beiden Topfavoriten im Schlussgang zusammen: Armon Orlik (29) und Werner Schlegel (21). Ersterem reicht aufgrund des halben Punktes Vorsprung auch ein Gestellter. Trotzdem geht der Bündner aktiv zu Werke, sucht ebenso die Entscheidung wie Schlegel. Aber beide finden sie nicht. So endet das Duell gestellt und Orlik gewinnt zum zweiten Mal nach 2015 das Zürcher Kantonale.
Tim Roth (19) hat die Chance, beim Aargauer Kantonalen den ersten Kranzfestsieg seiner Karriere zu feiern. Er greift sofort mit Kurz gegen Joel Strebel (27) an. Dieser wehrt ab und versucht es wenig später genau gleich. Ebenfalls erfolglos. Beide wissen, sie brauchen die Entscheidung für den Festsieg. Nach etwas mehr als zwei Minuten fällt sie: Strebel lanciert den entscheidenden Angriff und legt seinen Gegner auf den Rücken. Er feiert damit den dritten Festsieg in diesem Jahr, den ersten bei seinem Heimfest im Aargau.
Die Schlussranglisten
Die Sieger-Stimmen
Armon Orlik (bei Swiss 1): «Ich bin mega zufrieden und mega happy, dass ich das Fest mit dem guten Notenblatt und der guten Tagesleistung gewinnen konnte. Gegen Schlegel wird es immer schwieriger. Wenn du weisst, was auf dich zukommt, musst du dir einen Plan zurechtlegen. Da der Gang etwas länger gedauert hat, habe ich den Gestellten im Hinterkopf gehabt. Trotzdem habe ich versucht, aktiv zu bleiben. Ich habe nicht unbedingt damit gerechnet, dass es bereits jetzt mit einem Festsieg klappt, auch wenn ich alles daran gesetzt habe. Der Formstand ist sicher gut.»
Joel Strebel (bei Tele M1): «Es ist richtig geil. Ich wollte unbedingt gewinnen. Einmal habe ich den Schlussgang am Aargauer schon verloren, dieses Mal habe ich mir Vollgas vorgenommen. Tim hat heute super geschwungen, man muss immer parat sein gegen ihn. Mein Selbstvertrauen ist super, aber richtig realisieren kann ich noch nicht, dass ich schon drei Feste gewonnen habe.»
Joel Wicki (bei Tele 1): «Ich bin stolz, dass wir es heute so hingebracht haben. Als Erstes möchte ich dem OK und allen Helfern ein grosses Danke aussprechen. Bei den Wetterbedingungen ist es nicht selbstverständlich, was sie alles gemacht haben. Sie haben Tag und Nacht gearbeitet. Ich weiss, wie hart das bei diesen Bedingungen ist, ich war auch einen Tag als Helfer hier. Der 25. Kranzfestsieg bedeutet mir schon sehr viel, aber jeder Sieg ist gleich viel wert. Vor allem die Siege zu Hause haben einen besonderen Stellenwert.»
Die Dreifach-Sieger
Joel Strebel und Joel Wicki haben nicht nur ihren Vornamen gemein, sondern auch ihre Saisonstatistik. Denn beide feiern an diesem Sonntag den dritten Festsieg in dieser Saison.
Die Überraschungen
Lukas von Euw (22) gehört beim Luzerner Kantonalen zur Halbzeit zum Leader-Quartett. Nach dem Mittag bekommt der sechsfache Kantonalkranzer den Eidgenossen Sven Schurtenberger (32) vorgesetzt. Von Anfang an geht er mutig ins Duell und schafft die Überraschung. Er bodigt ihn mit Plattwurf. Und das ist nicht der einzige Coup im 4. Gang. Auch Kilian Bühler (23), der ebenfalls sechs Kantonalkränze zu Hause hat, setzt sich gegen einen Eidgenossen durch. Er bezwingt Matthias Herger (29) ebenfalls platt. Der Lohn: Beide gehen mit einem Kranz nach Hause. Es ist jeweils ihr dritter in diesem Jahr.
Dominanz und keine Dominanz
In der Nordostschweiz gibts in dieser Saison keinen Dominator. Die vier bisherigen Feste in diesem Teilverband haben vier Sieger hervorgebracht. Werner Schlegel gewann das Thurgauer, Domenic Schneider (29) das Glarner-Bündner, Marco Good (27) das St. Galler und Armon Orlik nun das Zürcher.
Anders siehts in der Nordwestschweiz aus. Dort dominiert Joel Strebel. Mit dem Solothurner, dem Baselstädtischen und nun dem Aargauer hat er alle drei bisherigen Feste gewonnen.
Das Comeback
Wie stark ist Nick Alpiger (27)? Diese Frage stellen sich die Zuschauer beim Aargauer Kantonalen. Denn er gibt in Bad Zurzach neun Monate nach einem Kreuzbandriss sein Comeback. Und tut dies auf beeindruckende Art und Weise. Zur Halbzeit ist er als Zweiter ganz vorne mit dabei. Am Ende des Tages hat er fünf Siege und einen Gestellten auf dem Notenblatt und wird Zweiter.
Der Älteste
Roger Meier ist mit 57 Jahren der älteste Schwinger der Schweiz. Nun hängt er die Zwilchhosen an den Nagel. Das Aargauer Kantonale ist das letzte in seiner Laufbahn. Und es verläuft nicht wunschgemäss. Am Morgen wird er dreimal auf den Rücken gelegt: von Luis Hasler (22), Jonas Stalder (32) und Florian Halbeisen (18). Und auch am Nachmittag läufts nicht besser. Mit der Niederlage gegen David Denzler (24) im 4. Gang endet seine Karriere.
Die Titelverteidiger
Bei zwei von drei Festen treten die Titelverteidiger an. Joel Wicki will wie im Vorjahr beim Luzerner Kantonalen triumphieren und Nick Alpiger beim Aargauer Kantonalen. Beide sind zur Halbzeit vorne dabei. Nur beim Zürcher Kantonalen glänzt der Vorjahressieger durch Abwesenheit. Domenic Schneider ist in Horgen nicht dabei.
Die Bedingungen
Die Schwinger und die Zuschauer müssen zeigen, dass ihnen die äusserlichen Bedingungen nichts anhaben können. Am Morgen regnet es noch, das lässt aber schon im Verlauf der ersten drei Gänge nach. Teilweise zeigt sich in der Folge sogar leicht die Sonne. Aber: Nass ist es trotzdem. Und deswegen auch matschig.
So gehts weiter
Am kommenden Wochenende findet das erste Bergkranzfest der Saison statt. Die Bösen greifen am Sonntag auf dem Stoos zusammen.